Atakan Karazor (links) und Angelo Stiller hatten zuletzt Grund zum Jubeln. Foto: Pressefoto Baumann/Alexander Keppler

Acht verschiedene Torschützen in drei Spielen: In der Stuttgarter Offensive hat sich zuletzt einiges getan und verändert. Wenn es nach dem Trainer geht, darf es gerne so weitergehen.

Das Toreschießen, daran hat sich im Fußball bei allen taktischen Trends und Entwicklungen nichts geändert, zählt nach wie vor zu den Kernaufgaben der Stürmer. Sie führen die Torschützenlisten an, sind Zielspieler in vorderster Reihe, vollenden Angriffe. Beim VfB Stuttgart aber ist das Bild vor dem Auswärtsspiel beim 1. FC Heidenheim an diesem Sonntag (15.30 Uhr) ein etwas anderes: Zuletzt gab es keine Tore der beiden besten Saisontorschützen im Angriffszentrum zu verzeichnen. Ermedin Demirovic (sieben Tore) ist seit drei Pflichtspielen ohne Treffer, Deniz Undav (fünf Tore) aufgrund seiner Muskelverletzung schon seit Ende Oktober.

 

Erfolgreich war der VfB dennoch unterwegs, weil vor dem gegnerischen Tor andere ihren Torriecher unter Beweis gestellt haben. Viele andere. In den jüngsten drei Partien gegen die Young Boys Bern (5:1) in der Champions League, gegen Union Berlin (3:2) in der Bundesliga und gegen den Zweitligisten Jahn Regensburg (3:0) im DFB-Pokal trafen gleich acht verschiedene Spieler – woran ein offensivfreudiges Mittelfeld maßgeblichen Anteil hatte. Insbesondere aus dem Zentrum heraus.

Torgefahr der Sechser ist immer Thema beim VfB

Der Reihe nach: Gegen die Berliner war Atakan Karazor bei einem gegnerischen Abstoß fast schon in Stürmerposition aufgerückt, wo er von einem bösen Fehlpass von Union-Keeper Frederik Rönnow profitierte und einschob. Im Duell mit den Bernern fünf Tage später hatte sich dann erst Angelo Stiller bei seinem Tor weit mit nach vorne eingeschaltet und dann Yannik Keitel aus der Distanz getroffen. Dieses offensive Denken der zentralen Mittelfeldakteure steht bei Sebastian Hoeneß generell auf der Tagesordnung, nicht erst seit gestern. „Das ist immer Thema“, betont der Stuttgarter Trainer. Es gelte, aus dieser Position heraus nahe an den gegnerischen Strafraum zu kommen und auch aus dem Rückraum Gefahr zu erzeugen.

Yannik Keitel (links) traf gegen die Young Boys Bern aus der Distanz. Foto: Pressefoto Baumann/Volker Müller

Aber: Die Wege zum Torerfolg beschränkten sich zuletzt nicht auf dieses Muster. Über die Außenbahnen entstanden in den vergangenen drei Partien ebenfalls Angriffe und Tore, durch Enzo Millot und Josha Vagnoman gegen Bern. Und auch nach Standards präsentierten sich die Stuttgarter treffsicher, in Person von Chris Führich in der Königsklasse und Anrie Chase per Kopf im DFB-Pokal. Der Coach nimmt die Auffächerung zustimmend zur Kenntnis. „Die Tore sollen sich gerne verteilen“, sagt Hoeneß, „das ist wichtig, um keine Abhängigkeit zu haben.“ In einer ebensolchen war der VfB in der Vorsaison ein Stück weit, als Serhou Guirassy in seiner Fabelsaison ganze 28-mal traf. Dass sich diese Quote nicht wiederholen lassen würde, war abzusehen – nicht aber die geballten Ausfälle in der Offensive. In Undav, El Bilal Touré und Jamie Leweling fehlen gleich drei wichtige Akteure seit Wochen.

Bei bereits 26 Saisontoren steht der VfB dennoch. „Das spricht für die Mannschaft und dafür, dass da jetzt andere in die Bresche springen“, sagt Hoeneß über die Quote von zwei Treffern pro Spiel, die bislang die doch stattliche Zahl von 23 Gegentoren kompensiert. Nun gehört an dieser Stelle natürlich zum Gesamtbild, dass die breit verteilte Torgefahr auf lange Strecke erst noch untermauert und bewiesen werden muss. Gerade Regensburg und Bern forderten den VfB nicht bis zum Äußersten, auf Dauer wird es auch wieder Stürmertore brauchen.

Woltemade steht wieder zur Verfügung

Die gute Nachricht an dieser Stelle: Es spricht einiges dafür, dass die auch kommen. Denn die Quote der beiden Topstürmer kann sich nach wie vor sehen lassen – Demirovic hat in dieser Saison bislang alle 114 Minuten getroffen, Undav alle 129 Minuten. Er soll spätestens im neuen Jahr wieder zur Verfügung stehen, womöglich schon im letzten Spiel des Jahres gegen den FC St. Pauli.

Und dann ist da ja auch noch ein dritter im Bunde, der zuletzt in den Fokus gerückt ist und die Mittelstürmer-Fahne beim VfB hochgehalten hat. „Wir dürfen Nick nicht vergessen“, sagt Hoeneß mit Blick auf den formstarken Sommer-Neuzugang Nick Woltemade, der in Regensburg und gegen Union in Summe dreimal traf – jeweils aus zentraler Position in typischer Stürmermanier. Nachdem der 22-Jährige unter der Woche in der Königsklasse aufgrund der Melderegularien nicht spielberechtigt gewesen war, steht er in Heidenheim wieder zur Verfügung. Und bildet eine weitere Option im momentan breit aufgestellten offensiven Repertoire des VfB.