In der Vergangenheit haben einige Präsidenten den VfB Stuttgart geprägt. Foto: Pressefoto Baumann

Am Donnerstag (18.30 Uhr) stellt der VfB Stuttgart seine geplante Ausgliederung zur Abstimmung, zu der 8000 Mitglieder erwartet werden. Es ist das große Projekt von Präsident Wolfgang Dietrich. Ein Blick zurück auf die Errungenschaften seiner Vorgänger.

Stuttgart - Am Donnerstag stellt der VfB Stuttgart seine geplante Ausgliederung zur Abstimmung, zu der 8000 Mitglieder im Stadion erwartet werden. Es ist das große Projekt von Präsident Wolfgang Dietrich. Ein Blick zurück auf die Errungenschaften seiner Vorgänger.

Gerhard Mayer-Vorfelder (1975 – 2000)

Als MV 1975 Präsident wurde, hat noch kein Mensch gewagt, von einem Leuchtturmprojekt zu sprechen. Vielmehr hielten es die Zeitgenossen mit Kanzler Helmut Schmidt, der empfahl, wer Visionen hat, möge bitte zum Arzt gehen. Auch Gerhard Mayer-Vorfelder war alles andere als ein Vordenker. Er war ein ein Zocker, ein Alles-oder-Nichts-Spieler, ein Draufgänger, der vor allem im Hier und Jetzt lebte. Und der den hausbackenen Verein in den 25 Jahren seiner Regentschaft Glamour verlieh und aus der zweiten Liga kommend zu einer Größe im deutschen Fußball formte. Zwei Deutsche Meisterschaften, ein Pokalsieg, zwei Europacup-Endspiele – so schlecht liest sich die Bilanz des nach Gutsherrenart regierenden MV ja nicht.

Aber Visionen? Projekte? Nicht mit MV. Sieht man einmal vom 1981 errichteten, zehn Millionen Mark teuren Clubzentrum und seinen späteren Verdiensten als DFB-Präsident (Nachwuchsförderung) ab. Der bis zu seinem Tod vor zwei Jahren als Ehrenpräsident fungierende Multifunktionär hielt es ganz mit seinen Fußballern: Das nächste Spiel ist das wichtigste.

Die 20 Trainer, die er in 25 Jahren erlebte, sind das Zeugnis seiner schnelllebig angelegten Präsidentschaft. Der Reserveoffizier (Spitzname „Mayer-Vorderlader“) war ein Freund der „offenen Feldschlacht“, stets mittendrin im Geschehen. Kein im Hintergrund agierender Vereinschef der Gattung Bundespräsident, wie sie heute den meisten Bundesligisten vorstehen. Am Ende, 2000 war das, hinterließ Mayer-Vorfelder, der zum Geld stets ein entspanntes Verhältnis pflegte, den Verein so, wie er ihn vorgefunden hatte: Arm wie eine Kirchenmaus. Aber sportlich erstklassig.

Manfred Haas

Manfred Haas (2000 – 2003)

Er war der vor Wolfgang Dietrich letzte ehrenamtliche Präsident – und übernahm als Chef der Sparkassen-Versicherung, der zuvor sieben Jahre lang im Aufsichtsrat des VfB gesessen hatte, im Oktober 2000 die Nachfolge des langjährigen Patrons Gerhard Mayer-Vorfelder. Die Aufgabe war zunächst alles andere als leicht: Denn MV, der seinen Abschied als Präsident des Deutschen Fußball Bundes (DFB) in Richtung Frankfurt bereits angekündigt hatte, hinterließ Haas eine äußerst schwierige Finanzlage. Der VfB schrieb rote Zahlen, stand kurz vor der Insolvenz – und steckte zudem bald mitten im Abstiegskampf.

Also schlug der Sanierer Haas einen drastischen Kurs der finanziellen Konsolidierung ein – und machte aus der Not eine Tugend: Es wurde beim VfB ganz gezielt auf Spieler aus dem eigenen Stall gesetzt. Das war die Geburtsstunde der Jungen Wilden um Kevin Kuranyi, Andreas Hinkel, Alexander Hleb und Timo Hildebrand. Im Februar 2001 als Feuerwehrmann geholt, schaffte der Trainer Felix Magath den Klassenverbleib – und wurde nach der Entlassung von Rolf Rüssmann 2002 Chefcoach und Teammanager in Personalunion.

Als Haas 2003 an Erwin Staudt übergab, war der VfB für die Champions League qualifiziert und der Präsident war nach einer verlorenen Wette mit Stürmer Ioan Viorel Ganea kurz auch seinen markanten Oberlippenbart durch eine Rasur los.

Erwin Staudt

Erwin Staudt (2003 – 2011)

Als Amateurkicker des TSV Eltingen aus Leonberg hat sich Erwin Staudt, der ehemalige Chef der IBM-Deutschland, stets auch die Perspektive des Fans bewahrt. Seine Begegnungen mit Englands Fußballlegende Bobby Charlton oder mit Sean Connery am Rande eines Champions-League-Spiels seines VfB in Glasgow – das waren für Staudt Höhepunkte seiner achtjährigen Amtszeit zwischen 2003 und 2011.

„Habemus Mister!“, erklärte der heutige Ehrenpräsident zur Begrüßung der Trainer-Legende Giovanni Trapattoni 2005. Zwar endete die kurze Liaison mit „Trap“ im Februar 2006 mit der Trennung – dennoch waren die Weichen auf Erfolg gestellt: Denn mit dem Manager-Novizen Horst Heldt und dem Trainer Armin Veh eilte der VfB 2007 zur fünften Meisterschaft. „In den acht Jahren meiner Amtszeit waren wir siebenmal international vertreten. Und als wir eine Pause gemacht haben, wurden wir Deutscher Meister“, sagt Staudt, der acht Trainer entließ und die Anzahl der Mitglieder im Projekt „Wir packen Schalke!“ versechsfachte.

Doch prägend blieb Staudt als Architekt der Zukunft: So war der Umbau des Stadions in eine Fußball-Arena zwar ein Multi-Millionen-Projekt, aber angesichts der heutigen Standards zwingend notwendig.

Gerd Mäuser

Gerd Mäuser (2011 – 2013)

Es ist nicht leicht, Gerd E. Mäuser mit einem großen VfB-Projekt in Verbindung zu bringen. Zu kurz war seine Amtszeit, und von diesen knapp zwei Jahren blieben vor allem die atmosphärischen Störungen im Verein so wie die diplomatischen Verwicklungen um den Club herum in Erinnerung. Doch genau diese unbequeme Art und Arbeitsweise war Teil seines Auftrags gewesen, als der damalige Aufsichtsratschef Dieter Hundt seinen Mann auf den Präsidentenstuhl hieven ließ. Denn Hundt war Erwin Staudts Leichtigkeit zuvor immer ein Dorn im Auge gewesen.

Zudem gab es wieder rote Zahlen. Für den ehemaligen Arbeitgeberpräsident Hundt und den früheren Porsche-Manager Mäuser ein Unding. Also unterwarfen sie den VfB einem Spardiktat – allerdings mit der Vorgabe an Trainer Bruno Labbadia und Manager Fredi Bobic, sich dennoch für den internationalen Wettbewerb zu qualifizieren. Nach dem verlorenen Pokalfinale 2013 gegen den FC Bayern trat Mäuser zurück – und als Projektle ist während seiner Amtszeit nur die Jugendakademie zu nennen. Eingeweiht hat sie aber sein Nachfolger Bernd Wahler.

Bernd Wahler

Bernd Wahler (2013 – 2016)

Bernd Wahler hat sie zwar nicht erfunden, aber wieder aufgegriffen und entschieden vorangetrieben: Die Umwandlung des eingetragenen Vereins für Bewegungsspiele in eine Fußball-AG. Auch wenn der Begriff Ausgliederung anfangs noch auf dem Index stand und ganz allgemein von Vereinsentwicklung gesprochen wurde. Wahler machte den VfB basisdemokratisch. In langen Sitzungen mit Fans und Mitgliedern, Regionalkonferenzen genannt, wurde über das Für und Wider einer Abspaltung der Profisparte vom Hauptverein debattiert. Beobachter wähnten sich mitunter auf einem Parteitag der Grünen, so groß wie Mitbestimmung plötzlich geschrieben wurde. Allein, der sportliche Misserfolg bremste die Vereinsentwicklung immer wieder aus. Der joviale Remstäler kam gar nicht zum Regieren, er war ständig als Krisenmanager gefordert. Auch war der mit dem sensationellen Wahlergebnis von 97,4 Prozent ins Amt gestartete Wahler nicht der Typ zum Pflöcke einschlagen. Getrieben von der steten Angst vor dem Abstieg verschob er die für 2015 geplante Abstimmung um ein Jahr – um 2016 dann tatsächlich abzusteigen. Dieser sportliche Tiefpunkt ist es dann auch, der auf ewig mit dem VfB-Präsidenten Bernd Wahler in Erinnerung bleiben wird.

Wolfgang Dietrich

Wolfgang Dietrich (seit Oktober 2016)

Für den amtierenden Stuttgarter Präsidenten Wolfgang Dietrich geht die Ochsentour zu Ende. Seit Wochen eilt er von Veranstaltung zu Veranstaltung, um für die Ausgliederung zu werben. Kein Weg ist ihm zu weit gewesen (von Freudenstadt bis Ehingen an der Donau), keine Diskussion (von 30 bis 700 Besucher) zu viel. Ausführlich hat Wolfgang Dietrich informiert und sich intensiv mit den Befürwortern ausgetauscht, den Kritikern auseinandergesetzt und den Gegnern gestellt. Dabei haben seine Mitstreiter aus dem Vorstand, Stefan Heim (Finanzen), Jochen Röttgermann (Marketing) und Jan Schindelmeier (Sport), eines gemerkt: Der 68-jährige und ehrenamtliche Präsident ist ganz schön belastbar.

So wird das Jahrhundertprojekt des VfB nun eng mit dem Namen Wolfgang Dietrich verbunden – obwohl er es nicht initiiert, sondern lediglich vorangetrieben hat. „Das Thema muss entschieden werden“, hat Dietrich stets betont. Seit der Präsidentenwahl im vergangenen Herbst ist das sein Ansinnen gewesen. Denn der frühere Unternehmer ist überzeugt davon, dass das zähe Ringen um die geplante Fußball AG den Verein über Jahre hinweg nahezu gelähmt hat.

Doch jetzt will sich der Verein für Bewegungsspiele von 1893 auf in eine bessere Zukunft machen. Mit den Millionen des Ankerinvestors Daimler sowie weiteren Partnern und auf Basis eines sportlichen Vierjahresplans. „Bis dahin wollen wir uns wieder im oberen Drittel der Bundesliga etablieren“, sagt Dietrich, der die Ausgliederung zwar nicht für alternativlos hält, aber für die beste Option: „Ich freue mich auf den 2. Juni, denn dann wissen wir endlich, woran wir sind.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: