Kevin Großkreutz will angreifen. Foto: Baumann

Ohne Neuzugänge droht das Flügelspiel des VfB Stuttgart zu erlahmen – zumal die Zukunft von Emanuel Insua weiter ungeklärt ist. Doch solange sich auf dem Transfermarkt nichts tut, muss Trainer Luhukay mit der vorhandenen Auswahl planen.

Stuttgart - Es wird viel gelacht im VfB-Trainingslager am Chiemsee, was nicht heißen soll, dass in den Einheiten nicht auch Feuer drin wäre. „Nur durch die Mitte ist gefährlich“, pampte Kevin Großkreutz Mittelfeldregisseur Alexandru Maxim an, als der mal wieder den direkten Weg zum Tor suchte statt über Außen.

Das war alte Zorniger-Schule, doch die ist bekanntlich Geschichte. Nachfolger Jos Luhukay gilt eher als Anhänger konservativerer Spielsysteme: mit klassischen Flügelspielern, welche den (möglichst doppelt besetzten) Angriff mit Flanken füttern sollen.

Vergangene Saison verfügte der VfB Stuttgart in Filip Kostic über einen echten Linksaußen. Fast das gesamte Angriffsspiel lief über den Serben, der den Absteiger aber verlassen wird. Adäquater Ersatz für Kostic wird schwer bis unmöglich zu finden sein, weshalb die Fans der Roten die Sorge umtreibt, wer denn bitteschön in Zukunft den Ball mit Schmackes Richtung gegnerisches Tor befördern soll.

Es fehlen die Sturm- und Drang-Qualitäten

Fakt ist, dass dem Zweitligisten Stand jetzt mit Alexandru Maxim sowie mit Kapitän Christian Gentner nur zwei Mittelfeldspieler mit echten Sturm- und Drang-Qualitäten zur Verfügung stehen. Maxim wird die große Freiheit in der zweiten Liga vergeblich suchen, Gentner orientiert sich ohnehin mehr defensiv. Lukas Rupp ist nicht mehr da. Genauso wenig Timo Werner. Martin Harnik. Alle weg. Es herrscht: Die große Leere auf Außen.

Der Trainer weiß um diese Vakanzen, was er mit seiner Forderung nach Verstärkungen im Offensivbereich auch klar zum Ausdruck gebracht hat. Doch solange sich nichts tut auf dem Transfermarkt, muss er mit der vorhandenen Auswahl klarkommen – und planen. Ein Gedankenspiel auf der rechten Außenbahn sieht Folgendes vor: Kevin Großkreutz rückt von seiner Position als rechter Verteidiger ins Mittelfeld und macht Dampf nach vorne. „Dass er das kann, hat er ja schon bei Borussia Dortmund bewiesen“, erinnert Luhukay an die besten Zeiten des Weltmeisters. Nach Großkreutz kommt aber nicht viel.

In der Defensive sind die Sorgen geringer

Hinten plagen die Roten noch die geringsten Sorgen. In Jean Zimmer vom 1. FC Kaiserslautern hat sich der VfB einen echten Kampfzwerg geangelt. Mit dem 22-Jährigen sucht man nicht freiwillig den Zweikampf. Die Linie rauf- und runter zu rennen ist Zimmers zweitliebste Beschäftigung. Und dann gibt es ja auch noch Florian Klein. Der von Jürgen Kramny ausgebootete 29-Jährige hält sich an das Fußballer-Motto „Neuer Trainer, neues Glück“. Weil die EM mit Österreich nicht wunschgemäß verlief und die großen Angebote ausblieben, hängt sich Klein nun wieder beim VfB rein. Das macht auch Emiliano Insua – allerdings nur auf Abruf. Sollte sich in den nächsten zehn Tagen kein neuer Verein für den Argentinier finden, will Sportvorstand Jan Schindelmeiser den Vorhang für das Wechseltheater schließen. Dem 27-Jährigen ist die Situation im Trainingslager anzumerken. Insua wirkt nicht so fröhlich wie sonst – auch im Internet spaßt er nicht mehr so herum. Insua wäre gerne zu seinem früheren Verein Sporting Lissabon zurückgekehrt. Die Portugiesen waren aber nur für ein Leihgeschäft bereit, was der VfB ablehnte.

Von der Zukunft des früheren Nationalspielers hängt auch ab, was aus Philip „Pipo“ Heise wird. „Wenn er bleibt, ist es halt so“, sagt der 25-Jährige. Dann wäre Insua hinten links gesetzt – Heise könnte analog zu Großkreutz die Position im linken Mittelfeld übernehmen. Ein Wagnis, keine Frage. Luhukays Spielformen legen den Schluss nahe, dass er mit diesem Gedanken zumindest spielt. Heise selbst, zu seiner Heidenheimer Zeit einst als bester Linksverteidiger der zweiten Liga gepriesen, traut sich die offensive Rolle durchaus zu. Auch weil er um den Mangel an Alternativen weiß. Ihm fallen spontan nur noch Jan Kliment und Marvin Wanitzek ein – bisher allenfalls Ergänzungsspieler.

Bis zum Ligastart, das hat Sportchef Schindelmeiser klargemacht, wird der Kader kaum komplett sein, Und Kevin Großkreutz wird seine Mitspieler im Training sicher noch öfters ins Gebet nehmen.

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