Die Suche nach dem Nachfolger von Robin Dutt treibt seltsame Blüten. Foto: dpa

Wie der VfB auf das Vakuum auf dem Managerposten reagieren will.

Stuttgart - Der Tag nach dem durch die Entlassung von Robin Dutt verursachten Beben beginnt beim VfB Stuttgart wieder mit einer längeren Sitzung der Vereinsführung. Schließlich gilt es, einen Nachfolger für den Sportvorstand zu finden, um die Planungen für die neue Saison in der zweiten Liga vorantreiben zu können. Momentan wirkt der Club nach dem Abstieg noch verunsichert, da keiner so recht weiß, wer jetzt die Weichen stellen und die Zügel in die Hand nehmen soll. Entsprechend aufgeregt reagiert das Umfeld – und dieser Zustand treibt auch an diesem Mittwoch nach der ersten Sitzung der Vereinsführung seltsame Blüten.

So meldet der SWR am späten Vormittag, dass die Verpflichtung von Jochen Sauer (43) als Sportvorstand perfekt sei. Der Sender beruft sich dabei auf zwei nicht näher benannte Quellen. Diese Nachricht löst dann wiederum eine mediale Lawine sowie weitere Sitzungen der Vereinsführung beim VfB aus, der umgehend dementiert. Ein Mitarbeiter aus der Führungsebene spricht von einer Fehlinformation. Der bei RB Salzburg als Geschäftsführer angestellte Sauer meldet sich ebenfalls zu Wort – mit den Worten, dass es keinen Kontakt zum VfB gebe: „Mit dem Thema befasse ich mich nicht.“ Was soll er auch sonst sagen?

Jochen Sauer ist ein aussichtsreicher Kandidat

Denn in der Tat ist die Sache noch in einem ziemlich frühen Stadium, da die VfB-Vereinsführung am Dienstag erstmals über Sauer diskutierte: zwar mit positivem Trend, aber noch nicht mit einem konkreten Stand. Sauer ist ein aussichtsreicher Kandidat – aussichtsreicher beispielsweise als Andreas Rettig (St. Pauli) oder Jan Schindelmeiser (ehemals Hoffenheim): nicht mehr und nicht weniger, verlautet aus den Reihen beim VfB.

Allerdings will sich der Club auf seiner sportlichen Ebene künftig ohnehin breiter aufstellen, um nicht mehr nur von einer einzigen Person abhängig zu sein. Das ist die Konsequenz aus den Erfahrungen, die der Verein zuletzt mit Fredi Bobic und Robin Dutt gemacht hat. Deshalb soll die Verantwortung jetzt auf mehrere Schultern verteilt werden.

Neben einem Sportvorstand wird zusätzlich eine Fachkraft gesucht, die als Manager für die Kaderzusammenstellung und für Transferangelegenheiten zuständig ist. Für diesen Posten meldet der SWR dann am Mittwoch auch schon Vollzug. Mit Stephan Schwarz (45) vom FC Augsburg sei alles klar, heißt es. Wiederum dementiert der VfB schnell – wobei in diesem Fall das Gleiche gilt wie bei Sauer. Schwarz ist Kandidat.

Fest steht, dass auf die Erben von Dutt eine Herkulesaufgabe zukommt, um das Unternehmen Wiederaufstieg zu stemmen. Sauer mit Schwarz wäre dabei eine innovative Lösung, die einerseits zwar mutig wäre, doch zum anderen neben den Risiken auch die Chance bieten würde, sich neu auszurichten – mit einem neuen Geist.

So gilt der in Bad Urach geborene Sauer, ein Jurist, in der Branche als Querdenker. Er ist schon 15 Jahre im Geschäft, in das er 2001 bei Hertha BSC eingestiegen ist. Dort war er bis 2009 die rechte Hand des Managers Dieter Hoeneß. In dieser Zeit war die Berliner Mannschaft ein fester Bestandteil in der Bundesliga. Anschließend wechselte Sauer als Sportlicher Leiter unter Felix Magath zum VfL Wolfsburg, ehe er im September 2012 bei RB Salzburg eingestiegen ist, das in den vergangenen drei Jahren jeweils den Titel in Österreich geholt hat. Dort läuft sein Vertrag noch ein Jahr.

Schwarz hat eine VfB-Vergangenheit

Schwarz hat schon beim VfB gearbeitet, von 1997 bis 2003 als Jugendtrainer und Scout. Talentspäher war er danach auch bei 1860 München und 1899 Hoffenheim, ehe er zum FC Augsburg ging. Dort war vor seiner Zeit auch Trainer Jos Luhukay tätig, den der VfB jetzt bereits verpflichtet hat. Dass die Chemie zwischen ihm und jedem neuen Manager stimmt, ist jetzt in Stuttgart die Voraussetzung für eine Zusammenarbeit. Schwarz ist gut vernetzt in der Szene. Deshalb müsste ihm der VfB eine bessere Perspektive mit mehr Einfluss und Befugnissen bieten als Augsburg, wo sein Vertrag erst 2018 endet. Ein weiteres Problem wäre, wie die Abstimmung mit den drei zuletzt noch von Dutt geholten Kaderplanern aussehen könnte.

Vom VfB ist zu hören, dass es in den nächsten zehn Tagen keine Entscheidung gibt. Bis dahin werden dann noch viele Sitzungen der Vereinsführung stattfinden.

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