Ein neuer Antreiber für den VfB Stuttgart: Dzenis Burnic Foto: Baumann

Ailton, Burnic, Donis, Mangala und Akolo – der VfB hat eine Reihe von jungen Spielern verpflichtet, die den etablierten Profis im Trainingslager Beine machen.

Neustift - Die neue Wucht kam mit Anlauf. Sie sprang hoch, ließ den Oberkörper nach vorne schnellen und traf den Ball voll mit der Stirn. Danach zeigte sie zum Dank für den himmlischen Beistand auf Erden mit beiden Armen nach oben. Wie es eben brasilianische Fußballer tun, wenn sie ein Tor erzielen. Gestatten also, Ailton Ferreira Silva, 22, Linksverteidiger.

„Kopfball kann er“, sagt Trainer Hannes Wolf nach dem Treffer zum 2:0-Endstand im Test gegen den griechischen Erstligisten Asteras Tripolis. Und beim VfB Stuttgart wissen sie auch, dass sie sich da ein aggressives Kerlchen aus dem portugiesischen Estoril geangelt haben. „Er fordert ständig den Ball und hat keine Angst“, sagt der Manager Jan Schindelmeiser über den Eine-Million-Euro-Transfer.

So soll Ailton dem bisher konkurrenzlosen Emiliano Insua Beine machen – und hat die zwei Tore des Argentiniers im Vorbereitungsspiel gegen Kasimpasa umgehend gekontert. Mit dieser Bilanz katapultiert sich die linke Abwehrseite jedenfalls zu einem torgefährlichen Mannschaftsteil. Was ganz nach dem Geschmack der sportlichen Leitung ist, da sich ihr Leitprinzip beim Bundesligaaufsteiger gut anlässt.

Sportchef Schindelmeiser hat Trainer Wolf eine Reihe von Talenten hingestellt, die Kraft ihrer Jugend die Fantasie anregen sollen, wie das Stuttgarter Team einmal aussehen könnte. Mit Spielern, die schnell sind, technisch hoch veranlagt und erfolgshungrig. Wie Ailton. Oder Dzenis Burnic. Oder Anastasios Donis. Oder Orel Mangala und Chadrac Akolo.

Burnic tritt laufstark und ballsicher auf

Doch nun sind die neuen Herausforderer bereits dermaßen frech und gut, dass Schindelmeiser während des Trainingslagers im Stubaital Reaktionen in der Mannschaft ausmacht. Die Intensität in den Übungseinheiten hat sich noch einmal gesteigert und die Bereitschaft, an die körperliche Belastungsgrenze zu gehen, ist bei allen so groß wie die Aufmerksamkeit bei den taktischen Ausführungen des Trainers.

Ein Prozess, der mit dem Ehrgeiz der Etablierten zu tun hat, aber ebenso auf den Eifer eines Burschen wie Burnic zurückgeht. 19 Jahre ist der Mittelfeldspieler alt, wie Mangala sowie Josip Brekalo und Berkay Özcan. Wolf kennt diesen Jahrgang bestens. Er hat die 98-er ja praktisch aufwachsen sehen, als er noch Jugendtrainer in Dortmund war. Und jetzt will er deren Vertreter in Stuttgart als Chefcoach wie einen edlen Tropfen reifen lassen.

„Dzenis Burnic hat in der U 17 und U 19 zuletzt vier Meisterschaften gewonnen, als Stammspieler. Das schafft man nicht allein mit Talent“, sagt Wolf über die Leihgabe von Borussia Dortmund. Ein Mentalitätsspieler ist dieser feingliedrige Techniker für Wolf. Einer, der sich selbst antreibt und anderen weh tun kann. „Er definiert sich auch über Härte“, sagt der Trainer über seinen einstigen Musterschüler.

Und nun scheinen sich die Erwartungen zu erfüllen. Burnic tritt laufstark und ballsicher auf. Mit einer Klarheit in seinen Aktionen, dass es nicht viel Vorstellungskraft braucht, um eine Zentrale mit dem erfahrenen Christian Gentner und dem aufstrebenden Dzenis Burnic vor sich zu sehen.

Man kann sich aber auch eine neue Mitte mit Burnic und Ebenezer Ofori vorstellen. Ebenso eine Offensive mit dem Draufgänger Donis hinter der Spitze Simon Terodde (Tor gegen Tripolis) oder Daniel Ginczek. Denn auch der Grieche, Jahrgang 1996 und damit in seiner Entwicklung laut Wolf schon weiter, gehört zu dieser Fußballergeneration, die akademisch ausgebildet wurde und zwei Dinge weiß. Erstens: Ich kann was und demonstriere es. Zweitens: Ich mache noch Fehler und lerne.

Eine selbstbewusste Gruppe ergibt das, „die miteinander harmoniert, aber auch konkurriert“, wie Wolf sagt. Zumal der zuletzt angeschlagene Akolo wieder in das Mannschaftstraining einsteigt und sich damit das Gedränge vorne noch einmal verdichtet. Am liebsten soll das den Druck sofort erhöhen, vielleicht aber auch erst später, da der 22-jährige Flügelflitzer wie Ailton, Donis und Mangala einen Vierjahresvertrag erhalten hat und zur Kategorie der Drei-Phasen-Spieler zählt.

Sie verschärfen kurzfristig den Konkurrenzkampf im Kader, sie rücken mittelfristig in die Stammelf und sie steigern langfristig ihren Marktwert. Allerdings ist das nur die Theorie. In der Praxis zeigen die Tage in Tirol, dass die in Europa eingesammelten Talente beim VfB ganz schnell in der Mittelfristigkeit ankommen könnten.

Wird der VfB in der ersten Bundesliga bestehen? Das sagen die Fans:

VfB Stuttgart - 1. Bundesliga

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