Ist Lucien Favre der nächste starke Mann beim VfB Stuttgart? Foto: dpa

Beim VfB Stuttgart hat die Suche nach einem Nachfolger für den derzeitigen Interimstrainer Jürgen Kramny längst begonnen. Zwei Kandidaten sind favorisiert. Oder hat Kramny eine echte Chance?

Stuttgart - Gelingt es Jürgen Kramny, dem Interimstrainer des VfB Stuttgart, Schuberts Kunststück bei der Borussia aus Mönchengladbach zu wiederholen und einen Sieg nach dem anderen einzufahren? Bei Lichte betrachtet ist dies mit dieser VfB-Mannschaft und dem Programm bis zur Winterpause aber reines Wunschdenken. Geht der VfB in Dortmund mit Kramny unter, erhöht dies den Druck auf Dutt, möglichst schnell einen Neuen zu präsentieren. Zieht sich die Mannschaft dagegen gut aus der Affäre und bringt womöglich Zählbares mit, lässt man dem Übergangscoach auch die verbleibenden drei Spiele bis zur Winterpause – und gewänne Zeit. Die wäre wertvoll, wie ein Blick auf die aktuelle Kandidatenliste beweist:

Korkut müsste sich nicht bitten lassen

Lucien Favre: Der Schweizer ist die mit Abstand begehrteste Lösung, auch wenn er mit seinem Ballbesitzfußball eine ganz andere Philosophie vom Fußball als Zorniger mit nach Stuttgart bringen würde. Auch die Gehaltsansprüche des 58-Jährigen (drei Millionen Euro/Jahr) dürften die Strategen auf dem Wasen zusammenzucken lassen. Favre hat verlauten lassen, dass er nach seinem Rücktritt in Mönchengladbach gerne auf einem höheren Niveau wieder einsteigen würde, als es die Roten im Moment bieten können. Weggefährten Favres sind sich jedoch sicher, dass sich der Trainer eine Offerte vom VfB auf alle Fälle zumindest anhören würde.

Nur: Um überhaupt die Chance auf eine Zusage zu haben, ist Geduld gefragt. Die nächsten zehn Tage weilt der Fußballlehrer in Costa Rica im Urlaub. Dutt hat wohl schon einmal bei Favre vorgefühlt und müsste als Sportchef keinen starken Mann neben sich fürchten: Der Schweizer aus Lausanne gilt als absoluter Experte auf dem Platz. Das Managergeschäft aber überlässt er gerne anderen.

Tayfun Korkut: Der im Dezember 2013 bei Hannover 96 entlassene gebürtige Stuttgarter wäre wohl der kleinste gemeinsame Nenner. Dutt selbst spricht von einer „bewusst engen Auswahl“ bei der Trainersuche. Dabei würde aus heutiger Sicht zumindest nichts gegen den 41-Jährigen sprechen, der seit seiner Zeit in Hannover abgetaucht ist. Er wäre sofort zu haben, und niemand bräuchte ihn zu bitten. Die Granden beim VfB sind sich nur nicht sicher, ob Korkut auch stark genug für den aktuellen Notstand wäre. Markus Kauczinski, Jos Luhukay, Thomas Schaaf, Mirko Slomka und Markus Gisdol haben wohl nur Außenseiterchancen. Christoph Daum dürfte wohl nicht einmal diese haben, auch wenn sich der VfB-Meistertrainer von 1992 via „Sport-Bild“ selbst ins Gespräch brachte: „Ich helfe dem VfB gerne und zu jeder Zeit.“

Doch helfen kann sich der Tabellen-16. derzeit wohl nur selbst. Und am Sonntag in Dortmund wird auch das allein nicht reichen, was Kramnys alter Kumpel Jürgen Klopp aus Mainzer Tagen dem Trainernovizen wünschte: Viel Glück!

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