Umkämpfte Partie: Maximilian Mittelstädt (links) und Angelo Stiller gegen Leverkusens Nathan Tella (Mitte). Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Der VfB ist im Supercup gefordert wie noch nie in diesem Sommer – und präsentiert sich in mehrfacher Hinsicht gut gerüstet für den Bundesliga-Auftakt. Es gibt aber auch noch Baustellen.

Klar, im Leistungssport geht es ganz wesentlich um Ergebnisse. Aus dieser Warte hatte der VfB Stuttgart bei Bayer Leverkusen keinen guten Abend. Wie zuletzt häufiger im Rheinland herrschte zum Schluss Enttäuschung, wobei das hitzige Duell um den Supercup beim deutschen Meister erneut ein enges war und letztlich nach Elfmeterschießen (5:6) zuungunsten der Stuttgarter endete. Losgelöst vom Resultat aber gibt der Auftritt in der BayArena einigen Anlass zur Zuversicht: Im ersten echten Härtetest dieses Sommers präsentierte sich das Team von Trainer Sebastian Hoeneß gerüstet für den Bundesliga-Auftakt am Samstag (15.30 Uhr) beim SC Freiburg, wenngleich auch noch Themen abzuarbeiten sind.

 

Spielstärke – Es ging hin und her in Leverkusen – und der VfB machte im eigenen Ballbesitz in vielen Phasen dort weiter, wo er in der vergangenen Saison aufgehört hatte: mit schnellem und flüssigem Kurzpassspiel. Eine „hohe Ballgeschwindigkeit“ attestierte der Stuttgarter Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, während sich Hoeneß an die rassigen Duelle der Vorsaison erinnert sah.

Das ist ein durchaus wichtiger Befund, da die Kombinationssicherheit einer der Erfolgsfaktoren der Vorsaison gewesen war. Nun kam sie nach einigen Testspielen ohne die ganz große Gegenwehr gegen Bayer erstmals in diesem Sommer auf hohem Niveau zum Tragen. Beim Führungstreffer durch Enzo Millot zum Beispiel (15.), dem ein Zusammenspiel von Maximilian Mittelstädt und Chris Führich über die linke Seite vorausging. Sebastian Hoeneß hat Szenen wie diese mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen: „Das Spiel war für uns eine wichtige und gute Rückmeldung, dass wir in die richtige Richtung gehen.“

Kaderbreite – Es war und ist ein zentrales Stuttgarter Ziel der Transferperiode, sich für die anstehende Mehrfachbelastung aufgrund der Champions League breiter aufzustellen. Die Startelf im Supercup gab hier einen Vorgeschmack, als Außenspieler wie Silas und Frans Krätzig trotz zuletzt ansprechender Leistungen nur ein Bankplatz blieb. Es sei eben eine gute Trainingswoche gewesen, konstatierte Wohlgemuth knapp.

So hatte der Trainer die Qual der Wahl – und die Möglichkeit, nachzulegen. Als Mittelstädt nach gut einer Stunde links hinten Platz machte für Krätzig, bereitete dieser mit seiner ersten Aktion mit einem Flankenlauf über die linke Seite den zweiten Stuttgarter Treffer durch Deniz Undav vor (63.).

Defensivstabilität – Während nach vorne viel ging, hatte der VfB in der Abwehr einige Male alle Hände voll zu tun. Jeff Chabot bot zwar eine starke Vorstellung in der Innenverteidigung, seine Nebenleute leisteten sich aber doch den einen oder anderen Stellungsfehler. Insbesondere zu Beginn und gegen Ende der Partie kam Bayer zu mehreren Chancen und zu seinen beiden Toren durch Victor Boniface (11.) und Patrik Schick (88.). „In der Anfangsphase hätten wir die vielen Standardsituationen verhindern müssen“, kritisierte Hoeneß. In der Schlussphase habe man schlicht „nicht gut verteidigt hier und da“.

Ohnehin wird sich in der Defensive noch einiges tun. Ein Innenverteidiger soll noch kommen, zudem muss sich der Abwehrverbund unabhängig davon nach den Abgängen der Stammkräfte Waldemar Anton und Hiroki Ito erst finden – ein Thema, das den VfB die nächsten Wochen begleiten dürfte.

Leistungskonstanz – Mit zunehmender Spieldauer wurde die Sache in Leverkusen hitziger. Wortgefechte, Gerangel, Gelbe Karten und kaum Spielfluss gab’s gegen Ende – kurzum: das genaue Gegenteil von jener Kontrolle, die Hoeneß so liebt und die das VfB-Spiel in seinen besten Momenten auszeichnet. „Leider haben wir uns im letzten Drittel der Spielzeit ein bisschen von der Hektik anstecken lassen“, sagte Wohlgemuth. Das war umso ärgerlicher, da der VfB nach der Roten Karte gegen Martin Terrier nach grobem Foul (37.) in Überzahl agierte und die Voraussetzungen für einen kontrollierten Auftritt eigentlich gegeben waren. „Wir haben aufgehört, Fußball zu spielen und lange Bälle geschlagen“, monierte Stürmer Deniz Undav, „du musst die Leistung über die vollen 90 Minuten bringen.“

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Bayer in der Schlussphase seine große Qualität zeigte und nach der Einwechslung von Florian Wirtz mächtig aufdrehte. Ob dieser Wucht sei die fehlende Kontrolle auch ein Stück weit erklärbar, so Hoeneß – der nun mit seinem Team vor der Aufgabe steht, das Leistungsvermögen konstant auf den Rasen zu bringen. Wie so oft in der Vorsaison.