Vereinsinterner Machtkampf: Claus Vogt (links) und Thomas Hitzlsperger Foto: imago/Sportfoto Rudel

Seit Monaten tobt beim VfB Stuttgart ein Führungsstreit zwischen Präsident Claus Vogt und Vorstandschef Thomas Hitzlsperger– ein Überblick über die wichtigsten Geschehnisse.

Stuttgart - Die Amtszeit von Claus Vogt beginnt an einem Sonntagnachmittag. Es ist 17.04 Uhr, als er in der Schleyerhalle ein paar Stufen emporsteigt, die ihn ans ersehnte Ziel bringen: Der Unternehmer aus Waldenbuch ist der neue Präsident des VfB Stuttgart. Knapp 65 Prozent der Mitglieder haben ihn gewählt. Fünf Wochen Wahlkampf liegen da hinter ihm, ehe er sich gegen Christian Riethmüller durchgesetzt hat.

 

Damit tritt Vogt am 15. Dezember 2019 die Nachfolge von Wolfgang Dietrich an. Zunächst für zehn Monate, denn so lange hätte die Amtszeit des zurückgetretenen Dietrich noch angedauert. Schon im Herbst 2020 soll die nächste ordentliche Mitgliederversammlung stattfinden. Auf dieser soll der Vereinschef dann für vier Jahre gewählt werden. Erst wenige Tage übt Vogt seinen Posten aus, als er erfährt, was es heißt, VfB-Präsident zu sein: Der Trainer Tim Walter muss unmittelbar vor Weihnachten gehen, anschließend wird zur Überraschung des Vereinschefs der unbekannte Pellegrino Matarazzo verpflichtet.

Recht bald steht Vogt mit dem VfB nicht nur vor sportlichen Herausforderungen: Die Corona-Krise bringt die Stuttgarter Mitte des vergangenen Jahres in finanzielle Schwierigkeiten. Als Ende Juni der Aufstieg gelingt, ist die Erleichterung groß. Alles scheint gut nach einem ordentlichen Start in die Bundesliga. In der AG agiert der Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger, den e.V. vertritt Claus Vogt, beides nach außen hin Sympathieträger.

Vogt verspricht Aufklärung der Datenaffäre

Ende September enthüllt das Fachmagazin „Kicker“ die Datenaffäre beim VfB. Zwischen 2016 und 2018 sollen Zehntausende von Mitgliederdaten an Dritte weitergegeben worden sein, um ein sogenanntes Guerilla-Marketing in Sachen Ausgliederung betreiben zu können. Vogt verspricht den Mitgliedern umgehend eine lückenlose Aufarbeitung der pikanten Angelegenheit. Der Präsident beauftragt ohne Absprache die Berliner Kanzlei Esecon mit den Ermittlungen.

Umgehend werden erste Risse im Verhältnis mit Hitzlsperger und anderen Clubvertretern deutlich. Die Untersuchungen ziehen sich hin, da viele VfB-Angestellte befragt werden, es aber nur wenige konkrete Antworten gibt. Der Umgang mit der Datenaffäre wird zum Politikum – und die Aufklärung kostet mehr als 400 000 Euro. Der Streit über das Geld entzweit Hitzlsperger und Vogt noch stärker; Ende Dezember stellt Vogt indes klar, dass die Kosten über eine Versicherung abgedeckt sind.

Hitzlsperger attackiert Vogt scharf

Doch zu diesem Zeitpunkt ist der Machtkampf im Clubhaus mit dem roten Dach bereits in vollem Gange. Denn Hitzlsperger greift selbst nach der Präsidentschaft beim VfB. Der AG-Boss hat seine Bewerbung beim Vereinsbeirat ebenso wie Vogt fristgerecht eingereicht. Hitzlspergers Bestreben wird schnell öffentlich und löst eine Welle der Empörung bei den Fans aus. Der Ex-Nationalspieler erklärt sich zum Jahresende in einem offenem Brief. Dabei attackiert er Vogt, der auch Aufsichtsratschef ist, in ungeahnter Schärfe. Die Vorwürfe: „Er führt nicht, er informiert nicht, er fällt selten Entscheidungen.“ Zudem habe der Präsident keines seiner Projekte in die Tat umgesetzt.

Vogt wehrt sich. Sein stärkstes Argument: Die Aufklärung der Datenaffäre sei der Ursprung der Führungskrise, und sie werde torpediert. Es gibt weitere Schlichtungsversuche, doch die Situation eskaliert. Vorläufiger Höhepunkt: Vogt will die Mitgliederversammlung, die am 18. März stattfinden soll, eigenmächtig verschieben. Die zwei Präsidiumsmitglieder Bernd Gaiser und Rainer Mutschler intervenieren. Fortsetzung folgt.