In zahlreichen Regionalversammlungen haben der VfB und seine Mitglieder über die Ausgliederung diskutiert Foto: Baumann

Eigentlich wollte der VfB Stuttgart am 17. Juli seine Mitglieder über die geplante Ausgliederung abstimmen lassen. Doch nach dem Abstieg und dem Rücktritt von Präsident Bernd Wahler wird daraus wohl nichts mehr.

Stuttgart - Was hat Bernd Wahler in den vergangenen Monaten nicht alles unternommen? Regionalkonferenzen abgehalten. Zukunftswerkstätten moderiert. Workshops noch und nöcher initiiert und besucht. Die Ausgliederung sollte sein großes Projekt werden. Jetzt ist Präsident Wahler Geschichte beim VfB. Und damit auch die geplante Umwandlung des eingetragenen Vereins von 1893 in eine Fußball-AG.

Zumindest fürs Erste. Die geplante außerordentliche Mitgliederversammlung am 17. Juli, wo über die Vereinsentwicklung abgestimmt werden sollte, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit abgesagt. Frühestens im Herbst – ein genauer Termin steht noch nicht fest – werden die Mitglieder dann auf einer ordentlichen Versammlung den neuen Präsidenten wählen. Laut Vereinssatzung müssen sie mindestens drei Monate vor der Hauptversammlung dem Aufsichtsrat Kandidaten vorschlagen können.

Jetzt bräuchte der VfB das Geld dringender denn je

Es steht in den Sternen, ob der Nachfolger Wahlers Idee einer Fußball-AG noch einmal aufgreift oder endgültig beerdigt. Der Verein steckt auch hier im Dilemma. Würde er seine Anteile jetzt, am Tiefpunkt, veräußern, käme das einem Verschleudern gleich. Andererseits ist der Club gerade nach dem Abstieg auf frisches Geld angewiesen, um möglichst schnell wieder nach oben zu kommen. Eine der Haupteinnahmequellen, das Fernsehgeld, bricht in der zweiten Liga nämlich zu großen Teilen weg. Für die abgelaufene Bundesligasaison kassierte der VfB noch knapp 35 Millionen Euro. Eine Etage tiefer dürfte es höchstens noch die Hälfte sein. Anders als im europäischen Ausland fallen die Erstligaabsteiger in Deutschland relativ hart. Auch die Zuschauereinnahmen dürften sich nahezu halbieren. Statt mit 50 000 pro Spiel würde der Verein mit 30 000 kalkulieren. Die Sponsoren haben zugesagt, dem Club die Treue zu halten – allerdings ist auch hier mit Einbußen zu rechnen. Andererseits wird der VfB seinen Personaletat von derzeit 40 auf 25 bis 30 Millionen senken, womit sich noch immer eine Bundesligamannschaft zusammenstellen ließe.

Dennoch käme das Geld einer Ausgliederung – die Rede war stets von 50 bis 80 Millionen Euro – im jetzigen Moment mehr als gelegen. Angesichts der aktuellen Stimmungslage rund um den Club ist die erforderliche Dreiviertelmehrheit aber derzeit nichts als Utopie.

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