Die Zukunft von Robin Dutt ist noch offen. Foto: Pressefoto Baumann

Nach dem Abstieg in die zweite Liga bereitet der VfB den personellen Neuanfang vor. Der Präsident Bernd Wahler ist zurückgetreten, der Trainer Jürgen Kramny hat seinen Platz geräumt. Sportdirektor Dutt will bleiben, trotzdem wird als möglicher Nachfolger ein alter Bekannter gehandelt.

Stuttgart - Nach dem Abstieg in die zweite Liga haben beim VfB Stuttgart die Aufräumarbeiten begonnen. Am Samstagabend ist die Mannschaft aus Wolfsburg zurückgekehrt und hat sich umgehend in alle Windrichtungen verabschiedet – für sie ist die Saison beendet, ein Wiedersehen wird es mit vielen Spielern nicht mehr geben. Die Vereinsführung jedoch hat sich umgehend daran gemacht, die notwendigen Entscheidungen vorzubereiten. Noch am Flughafen zogen sich die Vorstände Bernd Wahler, Stefan Heim und Jochen Röttgermann zu ersten Gesprächen zurück – ohne den Sportchef Robin Dutt.

Beschlossene Sache war es zu diesem Zeitpunkt bereits, dass der Präsident Wahler sein Amt niederlegen wird. Noch im Laufe dieses Sonntags könnte diese Entscheidung auch offiziell verkündet werden. Bereits in Wolfsburg hatte Wahler die Verantwortung für den ersten Abstieg des VfB seit 41 Jahren übernommen. Als gescheitert sieht er seine Mission an, den Verein in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Bis zur Mitgliederversammlung, die am 17. Juli stattfinden soll, würden Heim und Röttgermann die Geschäfte führen.

Keine Überraschung ist es auch, dass die Tage von Jürgen Kramny auf der Trainerbank des VfB mit dem Abstieg gezählt sind. Sein Vertrag galt ohnehin nur für die Bundesliga. Kein Mittel hatte der im November als Nachfolger von Alexander Zorniger zum Chefcoach beförderte Trainer in den vergangenen Wochen gefunden, den freien Fall zu stoppen. Hilflos musste er zuletzt miterleben, wie sich die Mannschaft aufgab. Nun greift wieder Kramnys alter Vertrag als Trainer des ebenfalls abgestiegenen VfB II. Dass er dort seine Arbeit fortsetzen wird, dürfte allerdings auch für ihn selbst schwer vorstellbar sein.

Lauter Ruf nach kompletten Neuanfang

Offen bleibt vorerst auch die drängendste Frage beim VfB: die Zukunft des Sportchefs Robin Dutt, für den ein freiwilliger Rücktritt keine Option ist. Nach dem Spiel in Wolfsburg hatte er darauf verwiesen, dass dem Abstieg „eine Entwicklung von vier, fünf Jahren“ vorausgegangen sei. Er selbst habe zwar auch seinen Anteil, „doch bin ich erst seit gut einem Jahr dabei“.

Dutt will um seinen Job kämpfen, doch sind die Widerstände auch innerhalb des eigenen Vereins zuletzt immer größer geworden. Letzte Sympathien bei den Mitarbeitern und Spielern hatte er in der Vorwoche dadurch verspielt, dass er die Vertragsverlängerungen von Christian Gentner und Daniel Ginczek zu eigenen PR-Zwecken genutzt hatte.

Beim weiten Teilen des Anhangs gilt Dutt als Hauptverantwortlicher für den Abstieg. Sie legen ihm unter anderem eine falsche Zusammenstellung der Mannschaft zu Last – vor allem in der Defensive. Laut ist daher der Ruf nach einem kompletten Neuanfang in der VfB-Führung, zu dem auch die sofortige Trennung von Dutt gehören soll. Eine positive Grundstimmung, so lautet der Tenor auch innerhalb des Clubs, sei nur zu erzeugen, wenn vom Abstieg unbelastete Personen den bitteren Gang in die zweite Liga und den erhofften sofortigen Wiederaufstieg vorbereiten.

Aufsichtsrat muss Managerfrage beantworten

Am Aufsichtsrat liegt es nun, die Entscheidung in der Managerfrage zu treffen. In Telefonkonferenzen beraten sich seit dem Abstieg der Aufsichtsratschef Martin Schäfer (Würth) mit Hartmut Jenner (Kärcher) und Winfried Porth (Daimler), den beiden weiteren Mitgliedern des Kontrollgremiums. Gespalten waren dort zuletzt die Meinungen über Dutt. Der Manager selbst hat am Samstag eine schnelle Entscheidung gefordert.

Viel Zeit hat der VfB tatsächlich nicht zu verlieren – dem Verein stehen große Aufgaben bevor. Ein neuer Trainer muss gefunden werden, Spieler müssen verkauft, Neuzugänge verpflichtet werden. Dutt verweist darauf, dass er die bereits in die Wege geleiteten Vorbereitungen zum Abschluss bringen könnte – allerdings würde ihm der ewige Makel anhaften, den VfB in die zweite Liga geführt zu haben. Als möglicher Kandidat für seine Nachfolge gilt unter anderem jener Mann, mit dem der VfB 2007 Meister geworden ist: Horst Heldt, der bei Schalke von Christian Heidel ersetzt wird.

Nichts scheint in diesen stürmischen Tagen beim VfB unmöglich – auch nicht eine Rückholaktion des Meistermanagers.

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