Didi bei seinem Bundesligadebüt für den VfB im Hamburger Volksparkstadion, das nur 20 Minuten dauerte. Foto: Imago

Serhou Guirassy ist beim Medizincheck in Dortmund vorerst durchgefallen. Wie wichtig eine ärztliche Untersuchung bei Transfers ist, weiß der VfB aus bitterer Erfahrung: Im Sommer 1999 setzte der Club für den Brasilianer Didi vier Millionen Mark in den Sand.

Diese Meldung kam überraschend: Der Transfer von VfB-Stürmer Serhou Guirassy zu Borussia Dortmund ist von den Westfalen am Mittwochabend vorerst auf Eis gelegt worden. Das Außenband des Guineers im rechten Knie ist offenbar lädiert. Wie stark, dass soll nun eine weitere Untersuchung seitens der BVB-Ärzte mit Beginn der kommenden Woche klären.

 

Dabei tun die Westfalen gut daran, genau hinzuschauen, ehe sie den Deal womöglich endgültig über die Bühne bringen. Schließlich schnüren die Schwarz-Gelben im Falle eines Guirassy-Transfers mit Handgeldern (15 Millionen Euro), Ablöse (19 Millionen) sowie einem Gehalt von bis zu zwölf Millionen Euro pro Saison, und dies über vier Jahre, in Summe ein 82-Millionen-Euro-Paket.

Wie wichtig ein akribischer Medizincheck im Vorfeld einer Spielerverpflichtung ist, davon kann der VfB Stuttgart seinerseits ein ganz bitteres Lied singen. Denn im Sommer 1999 leistete sich der Club einen gleichsam fatalen wie kostspieligen Fehltritt auf dem Transfermarkt – und wurde so zur Lachnummer der Liga. Die Hauptrolle besetzte damals der Brasilianer Didi, der letztlich als der Mann ohne Kreuzband in die Geschichte einging.

Rückblickend ist die Sache mit Didi ein echter Schenkelklopfer an jedem Stammtisch. Doch vor 25 Jahren war den Club-Oberen um den Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder und seinem Vorstandsmitglied Ulrich Schäfer gar nicht zum Lachen zu Mute. Schließlich hatten sie sich in der Causa Didi böse verdribbelt – und unterm Strich die für damalige Verhältnisse äußerst stattliche Summe von vier Millionen Mark in den Sand gesetzt. Dies für einen Spieler, der letztlich nur 35 Bundesligaminuten in zwei Kurzeinsätzen für den VfB absolvieren sollte. Denn dann streikte das rechte Knie.

Im Juli 1999 hoben zunächst der damalige Stuttgarter Trainer Ralf Rangnick und sein Teammanager Karlheinz Förster nach diversen Spielbeobachtungen und einem Probetraining ihre Daumen: Der Stürmer Sebastiao Pereira do Nascimento, kurz Didi, vom Esporte Club San André aus Sao Paulo sei eine Verstärkung – und solle doch für eine Saison ausgeliehen werden, so die Absprache der Sportlichen Leitung mit dem Management.

Schäfer geht gleich aufs Ganze

Doch der Vorstand Schäfer machte gleich Nägel mit Köpfen, verpflichtete Didi für vier Millionen Mark und gab ihm einen Dreijahresvertrag. Als sich der Brasilianer letztlich der sportmedizinischen Untersuchung in Tübingen unterzog, war der Vertrag schon unterschrieben. Weil der Spieler versicherte, mit ihm sei gesundheitlich alles in Ordnung und das Knie aufgrund der guten Muskulatur auch einen stabilen Eindruck machte, wurde auf eine Kernspintomografie verzichtet. Ein zweiter verhängnisvoller Fehler, wie sich bald herausstellte.

Das Knie schmerzt – und im Herbst 1999 ist klar: Didis vorderes Kreuzband im rechten Knie fehlt. Foto: Imago/Rudel

Denn nach seinem zweiten Kurzeinsatz in der Bundesliga gegen Bayer Leverkusen klagte Didi über Kniebeschwerden – und fehlte daraufhin im Training. Dann brachte eine Untersuchung im Herbst 1999 durch die VfB-Vereinsärzte Edgar Stumpf und Thomas Frölich Klarheit – und sorgte für Verblüffung. Dem Spieler fehlte das rechte vordere Kreuzband. Denn eine Verletzung aus dem Jahr 1994 war lediglich konservativ behandelt worden – und Didi hatte so über die Jahre gespielt.

Der VfB fühlte sich vom Spieler und dessen Berater arglistig getäuscht, verlor aber einen anschließenden Rechtsstreit – und musste so mit der Erkenntnis leben, sich den größten Transferflop in seiner Clubgeschichte geleistet zu haben. Um ein wenig Wiedergutmachung zu betreiben, vermittelte die Didi-Agentur PSEM dem VfB sechs Jahre später den Spieler Elson, mit dem der VfB aber auch nicht glücklich wurde.

Dem Stürmer Didi wurde derweil von den Stuttgarter Ärzten eine Ersatzplastik ins Knie eingesetzt. Zudem wurden Teile des lädierten Innenmeniskus entfernt – und so setzte der Stürmer seine Karriere noch zwölf Jahre lang mit Stationen in der Schweiz, in Brasilien und Mexiko fort.