Das EM-Viertelfinale in Stuttgart im Vorjahr: VfB-Profi Maximilian Mittelstädt und Spaniens Shootingstar Lamine Yamal kämpfen um den Ball. Nun finden wieder zwei Länderspiele in Stuttgart statt. Foto: imago/Sportfoto Rudel

Die Verpachtung des Stadions und die Nominierung der deutschen Nationalspieler bringen dem Bundesligisten Millionen. Um diese Beträge geht es.

Gut drei Wochen liegt das letzte Heimspiel des VfB Stuttgart inzwischen zurück – und seitdem hat sich einiges getan rund um die Heimspielstätte des Fußball-Bundesligisten. Große blaue Banner weisen auf das Final Four in der Nations League hin, an allen Ecken und Enden prägt das anstehende Turnier das optische Erscheinungsbild, selbst der Schriftzug des Stadion-Namensgebers MHP ist an vielen Stellen überdeckt: Die Arena befindet sich fest in den Händen des europäischen Fußballverbandes Uefa, der zwei von vier Partien des Finalturniers in der Nations League in Stuttgart ausrichtet: das Halbfinale zwischen Frankreich und Spanien am Donnerstag (21 Uhr) sowie das Spiel um Platz drei am Sonntag (15 Uhr).

 

Vorübergehend ist der Stuttgarter Erstligist also nicht mehr der Herr im Haus – was sich aber finanziell lohnt. Als Betreiber der MHP-Arena zahlt der VfB einerseits eine Pacht an die Stadiongesellschaft, erhält aber zugleich eine ebensolche von Veranstaltern wie der Uefa für die im Stadion stattfindenden Events. Seit der Modernisierung der Arena und der Fertigstellung der neuen Haupttribüne vor zwei Jahren hat die Vermarktung von Drittveranstaltungen nochmals an Bedeutung gewonnen, auch das dafür zuständige Team beim VfB ist gewachsen.

DFB-Prämie für nominierte VfB-Profis

Die Höhe der Einnahmen hängt dabei maßgeblich von der Größe der Veranstaltung ab. Denn: Nicht immer ist das gesamte Stadion belegt, eine Wirtschaftskonferenz oder Firmenfeier kann ja auch nur in einem Teilbereich stattfinden und ist entsprechend günstiger. Das ergibt bei einem Fußballspiel natürlich keinen Sinn, die Uefa belegt in diesen Tagen das gesamte Stadion. Gleiches gilt bei großen Konzerten wie jenen des britischen Popstars Ed Sheeran, der am 28. und 29. Juni zweimal in der MHP-Arena auftritt. Bei einer solchen Veranstaltung kommt rund eine halbe Million an Einnahmen für den VfB zusammen, der damit von der Uefa für die beiden Partien in der Nations League rund eine Million Euro erhält.

An der Überführung zur Haupttribüne der Stuttgarter Arena prägt bereits das Final Four das Bild. Foto: red

Es ist nicht die einzige Einnahmequelle in den kommenden Tagen. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zahlt eine finanzielle Kompensation für die Spieler, die im Aufgebot der A-Nationalmannschaft stehen. Schließlich starten sie später in den Urlaub und fehlen ihren Vereinen, von denen sie ja auch während ihrer Zeit bei der Nationalelf das Gehalt beziehen. Beim VfB gilt das momentan für ein Quartett: Torhüter Alexander Nübel, Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt, Stürmer Deniz Undav und Neuling Nick Woltemade wurden von Bundestrainer Julian Nagelsmann in den deutschen Kader für das Final Four berufen – einzig der FC Bayern ist mit insgesamt fünf Spielern noch stärker vertreten.

Nach Informationen unserer Redaktion beträgt die Höhe der Abstellungsentschädigung durch den DFB 80 000 Euro – pro Spieler und Spiel. Diese Summe fließt unabhängig davon, ob ein Profi in der Startelf steht, eingewechselt wird oder gar nicht zum Einsatz kommt. Auch die Anzahl der Tage beim Nationalteam ist irrelevant, die bei der vergangenen EM für die Ausschüttung durch die Uefa (10 000 Euro pro Spieler und Tag) noch maßgeblich gewesen war.

Stattdessen bemessen sich die DFB-Gelder schlicht an der Anzahl der Länderspiele, die in einer Abstellungsperiode angesetzt sind. Für den VfB kommen so durch die beiden Länderspiele des Final Four 160 000 Euro pro nominiertem Spieler zusammen – und in Summe damit aufgrund der vier Nominierungen 640 000 Euro.

Die Summe hätte noch höher ausfallen können, da in Person von Angelo Stiller ursprünglich ein fünfter VfB-Profi nominiert gewesen war. Aufgrund seiner nicht ganz ausgeheilten Fußverletzung hat der Mittelfeldspieler die Reise aber nicht angetreten, sodass hier kein Geld an den VfB fließt. Gleiches gilt im Fall der anderen Nationalspieler wie Ermedin Demirovic (Bosnien-Herzegowina): Einzig der DFB zahlt für A-Länderspiele besagte Abstellungsprämien, die ansonsten noch bei großen Turnieren wie Welt- und Europameisterschaften von den Ausrichtern Fifa und Uefa fließen.

Durch die Nominierung der vier deutschen Nationalspieler und die Verpachtung der Arena sind es aber dennoch lukrative Tage für den VfB, die in Summe gut 1,6 Millionen Euro in die Kassen spülen.