Wer führt den VfB als Präsident und Nachfolger des gescheiterten Wolfgang Dietrich? Foto: Baumann

Zehn Bewerber haben bei der VfB-Präsidentenwahl ihren Hut in den Ring geworfen. Der Vereinsbeirat hält die Namen unter Verschluss – dabei wäre maximale Transparenz ganz wichtig, kommentiert unser Redakteur Heiko Hinrichsen.

Stuttgart - Mit seinem Entschluss, die Namen der zehn Bewerber für das VfB-Präsidentenamt anonym zu halten, sollten diese sich nicht selbst outen, hat sich der Vereinsbeirat des VfB auf äußerst nebulöses Terrain begeben. Denn maximale Transparenz täte dem Verfahren nach dem kläglichen Ende der Ära Wolfgang Dietrich, einem Meister der Salami-Taktik, dieser Tage extrem gut.

 

Dabei verkennt der Vereinsbeirat die Gemengelage: Mit mehr als 70 000 Mitgliedern ist der VfB nicht irgendein Häkelclub, sondern der größte Verein in Baden-Württemberg. Aufgrund seiner sportlichen, wirtschaftlichen und sozialen Strahlkraft besitzt seine Anhängerschaft ein natürliches Recht darauf, zu erfahren, wer sich denn nun alles das schwierige Amt des Präsidenten zutraut. Der Größe der Aufgabe haben sich auch die Persönlichkeitsrechte der Bewerber unterzuordnen. Wer VfB-Präsident werden will, muss dies von Beginn an mit Haut und Haaren tun. Schließlich besitzt der Verein für Bewegungsspiele im Leben seiner Anhänger eine große bis überragende Bedeutung. Ein bisschen schwanger gehen mit der Verlockung, künftig der VfB-Präsi zu sein, gibt es da nicht.

Zu viel Macht für ein junges Gremium

An die Adresse des Vereinsbeirates sei diese Frage gerichtet: Wie soll die VfB-Mitgliedschaft am 7. November die Kür der beiden letztlich zur Wahl vorgeschlagenen Kandidaten beurteilen, wenn nicht klar ist, wer denn ursprünglich alles im Verlosungstopf gewesen ist? Möglichen Vorwürfen der Vorzugsbehandlung für einen Bewerber wird so Tür und Tor geöffnet. Die eigene Satzung jedenfalls verlangt keine Anonymisierung des Bewerberfeldes. Hinzu kommt, dass der Vereinsbeirat bis zum 7. November eigene Kandidaten ins Rennen schicken kann, die etwa die formale Hürde, 50 Stimmen anderer Mitglieder vorzuweisen, nicht nehmen müssen. Dies ist alles in allem zu viel Macht für ein Gremium, das es vor zwei Jahren noch gar nicht gab.

heiko.hinrichsen@stzn.de