Ein erster Blick in den Kabinengang: Noch finden die allerletzten Arbeiten statt, am Samstag werden hier die VfB-Profis an den LED-Wänden entlang auf den Platz laufen und nach rechts in Richtung Feld abbiegen – beobachtet von den VIP-Gästen auf der anderen Seite der Glasscheibe im Tunnelclub. Foto: Südwest Media Network/Günther

Am Samstag öffnet beim VfB Stuttgart erstmals der spezielle VIP-Bereich – mit Blick in den Spielertunnel und etlichen weiteren Extras. Ein Blick auf das hochpreisige Prestigeobjekt der neuen Haupttribüne und den Stand des Ticket-Verkaufs.

Fünf Minuten vor Anpfiff den Profis ganz nah sein? Mimik, Gestik, Blicke aufsaugen? Was normalerweise allenfalls den Ballkindern vorbehalten ist, verspricht beim VfB Stuttgart künftig ein nagelneuer VIP-Bereich in der MHP-Arena. Von Grund auf wurde der Tunnelclub in den vergangenen beiden Jahren während des Umbaus der Haupttribüne hochgezogen – und schon sein Name verweist auf den speziellen Reiz: Wer sich ein Ticket gönnt, hat freie Sicht auf den Spielertunnel.

 

Riechen kann man den Schweiß durch die dicke Glasscheibe zwar nicht, auch etwaige pikante Wortgefechte zwischen Schiedsrichter und Trainer bleiben allenfalls geübten Lippenlesern vorbehalten. Zu sehen, so verspricht es die Marketing-Abteilung des VfB, soll es aber fast alles geben: die Ankunft der Mannschaften mit dem Bus, den Gang aufs Feld, die Interviews nach Spielende. Alles nur in eine Richtung, versteht sich: Die Spieler ihrerseits haben keinen Einblick in den VIP-Bereich, eine einseitige Verglasung macht´s möglich.

Shuttle-Service im Porsche vor die eigene Haustüre

In Deutschland gibt es das Ganze kein zweites Mal, in dieser Form eigentlich nicht einmal in Europa. Die englischen Erstligisten Manchester City und Tottenham Hotspur locken zwar ebenfalls mit solchen Einblicken aus den Logen, dort aber bleibt es bei einem kurzen Blick auf die vorbeihuschenden Spieler. Beim VfB sei man dagegen „von Anfang bis Ende mittendrin im Geschehen“ und habe fast einen 360-Grad-Umblick, betont Marketing-Vorstand Rouven Kasper.

Die Perspektive ist längst nicht alles. Den Gaumen der Gäste verwöhnt bereits vor Anpfiff ein Catering des Stuttgarter Gastronomen Michael Wilhelmer, das sich nochmals von dem in den anderen VIP-Bereichen der Arena abhebt. Im Stadion selbst sitzt man dann gepolstert und zentral auf Höhe der Mittellinie oberhalb des Spielertunnels. Nicht zu weit unten, aber auch nicht zu weit weg – die Plätze sollen die beste Sicht auf das Feld gewährleisten.

Und wer nach dem Spiel etwas zu oft an der Bar auf einen VfB-Sieg angestoßen hat, muss auch nicht mehr unbedingt selbst heimfahren. Der VfB bietet bei ausgewählten Partien wie jener gegen den FC Bayern am 4. Mai einen Shuttleservice im Wagen des neuen Investors Porsche, der auch Namensgeber des Tunnelclubs ist. Bis vor die eigene Haustüre, sofern die sich nicht gerade in Hamburg befindet: Für Stuttgart und das nähere Umland gilt das Angebot, zudem nach Voranmeldung. Im Preis ist der Service inbegriffen.

Apropos Preis. Ohne das nötige Kleingeld ist nichts zu machen, der Tunnelclub zielt auf eine zahlungskräftige Kundschaft ohne Berührungsängste mit dem Hochpreissegment. 17.000 Euro sind fällig für eine Dauerkarte, was bei 17 Bundesliga-Heimspielen genau 1000 Euro pro Ticket macht. Wer sich ein einzelnes Spiel herauspickt, muss nochmals tiefer in die Tasche greifen. Im Tageskarten-Verkauf starten die Preise bei 1200 Euro, bei Topspielen sind es sogar 1300 – zuzüglich Mehrwertsteuer.

Die verbleibenden Partien sind fast ausverkauft

Die Hälfte der 200 Plätze des Tunnelclubs ist bereits mit Dauerkarten verkauft. Rechnet man die Tageskarten-Käufer mit ein, sind die verbleibenden drei Heimspiele dieser Saison fast ausverkauft. Aber eben noch nicht ganz. Beim VfB kann man gut damit leben. „Manche Interessenten wollen sich das erstmal anschauen, das ist völlig nachvollziehbar“, sagt Kasper – und ist sich sicher: „Sie werden begeistert sein.“ Den Großteil der Eintrittskarten will er als Dauerkarten vergeben, ein Teil soll aber immer für den Tageskarten-Verkauf zurückgehalten werden. Zehn Prozent, also 20 Plätze. Die sind online mit ein paar Mausklicks zu erwerben über die Plattform Official VIP, das meiste aber läuft hier über etablierte persönliche Beziehungen mit Geschäftspartnern.

Von der Strahlkraft des Prestigeprojekts sind sie in Bad Cannstatt überzeugt. „Der Porsche Tunnel Club wird für uns als VfB, aber auch für die ganze Bundesliga ein absoluter Mehrwert und Gewinn sein, wie wir Sport-Entertainment in Verbindung mit Exklusivität interpretieren“, sagt Kasper, „man muss sich gegenseitig inspirieren und herausfordern, auch abseits des Platzes.“ Und hier werde der VfB mit seinem neuen VIP-Bereich die neue Benchmark im Jahr 2024 legen.

Nicht zuletzt ist er auch eine wichtige Einnahmequelle für den Verein. Bei halbwegs voller Auslastung winkt durch den Tunnelclub nächste Saison ein hoher einstelliger Millionen-Betrag alleine durch Ticket-Einnahmen – in 17 Bundesliga-Partien und den internationalen Heimspielen, von denen mindestens vier zu erwarten sind.

Das ist Zukunftsmusik, in der Gegenwart steht zunächst die Premiere an: Am Samstag wird der Tunnelclub zur Partie gegen Eintracht Frankfurt (18.30 Uhr/Liveticker) seine Tore erstmals öffnen. Und vielleicht ja auch den einen oder anderen Blick auf interessante Gesten von VfB-Trainer Sebastian Hoeneß oder Toptorjäger Serhou Guirassy gewähren.