Voller Muskeln und voller Eifer: Neuzugang Pablo Maffeo gibt im VfB-Training mächtig Gas. Foto: Baumann

Er ist der teuerste Transfer, den der VfB Stuttgart jemals getätigt hat: Pablo Maffeo. Zehn Millionen Euro an Ablöse hat der 20-Jährige gekostet und soll nun die rechte Abwehrseite beackern.

Stuttgart - Pablo Maffeo hat schon mal mächtig Eindruck gemacht. Mit seiner linken Wade. Denn derzeit kursiert ein Bild beim VfB Stuttgart, das besagten Muskel des neuen Abwehrspielers zeigt. In aufgepumptem Zustand. Aufgenommen wurde das Foto beim Trainingsauftakt des Fußball-Bundesligisten, und die Reporterin einer Boulevardzeitung wollte es nun genau wissen. Sie kam mit einem Maßband zur Präsentation des Spaniers.

39 Zentimeter Muskelumfang wurden gemessen. Aber wenn der 20-Jährige entspannt vor einem steht, dann wirkt sein Wadenmuskel gar nicht mehr so imposant. Dennoch: schon nach wenigen Tagen ist klar, dass der Manager Michael Reschke da ein kompaktes Kerlchen verpflichtet hat. Für die VfB-interne Rekordsumme von zehn Millionen Euro beackert jetzt also ein 1,73 Meter großer und bis in die letzte Faser durchtrainierter Jungprofi die rechte Abwehrseite.

Reschke beobachtet Maffeo schon lange

„Pablo Maffeo war unser Wunschspieler auf dieser Position“, sagt Reschke, der erstmals in einem Spiel der Champions-League-Nachwuchsrunde auf den Außenverteidiger aufmerksam wurde. Damals stand Reschke noch als Technischer Direktor in Diensten des FC Bayern und Maffeo trug das Trikot von Manchester City, wohin er mit 16 Jahren gewechselt war. Anschließend wurde er an den FC Girona ausgeliehen, von wo ihn Reschke loseiste, nachdem die VfB-Scouts ihn oben auf der Liste hatten und Reschke den spanischen Kraftwürfel selbst noch zweimal in Augenschein genommen hatte. „Wir sind überzeugt davon, dass Pablo Maffeo schon in der kommenden Saison eine wichtige Rolle einnehmen kann. Mit dem für links verpflichteten Borna Sosa bildet er aber auch einen wichtigen Baustein für die Zukunft“, sagt der Sportchef.

Jeweils mit Routine und Talent hat Reschke die Positionen sowohl auf der rechten wie auch auf der linken Abwehrseite besetzt – Andreas Beck und Pablo Maffeo hier, Emiliano Insua und Borna Sosa dort. Als „Idealkonstellation“ bezeichnet der Manager den Konkurrenzkampf, den Maffeo voller Ehrgeiz und Eifer angeht: „Ich will natürlich jedes Spiel bestreiten.“ Das ist sein Anspruch und Vergleiche braucht er nicht zu scheuen.

32 Mal lief er in der vergangenen Runde für den FC Girona in der Primera Division auf und die Statistiker zählten nur 30 Fouls, die Maffeo beging. Weniger als die Weltklasse-Außenverteidiger Jordi Alba (33/FC Barcelona) und Dani Carvajal (46/Real Madrid). Die Zweikampfquote des neuen Hoffnungsträgers mit der Nummer sieben liegt bei ordentlichen 56,4 Prozent, während seine Tacklings in 73 Prozent der Fälle den Gegner vom Ball trennen. „Taktisch kann ich mich aber noch verbessern“, sagt Maffeo. Auch sein Offensivspiel gilt als steigerungsfähig, da er bisher noch nicht als Flankengott auffällig geworden ist. Maffeo besticht durch seine Schnelligkeit und Aggressivität. Und zu seiner Haltung sagt er nur: „Arbeit ist das Wichtigste.“ Mit diesen Qualitäten ist er zuletzt auch Lionel Messi und Cristiano Ronaldo begegnet. „Nun will ich den nächsten Schritt in meiner Karriere gehen“, sagt Maffeo.

Die Mutter ist Argentinierin, der Vater Italiener

Bundesliga statt La Liga, der von einigen Clubs in Europa umworbene Verteidiger musste nicht lange über die schwäbische Offerte nachdenken. Pep Guardiola empfahl ihm die deutsche Eliteklasse, da der Man-City-Coach im Kader des englischen Meisters keinen Platz für Maffeo sah. Also besprach dieser sich mit seiner Mutter Marisa, einer Argentinierin, und seinem Vater Alfonso, einem Italiener aus Neapel. Beide nicht wirklich fußballbegeistert, so dass den kleinen Pablo (geboren in der Nähe von Barcelona) zunächst der Vater eines Freundes zum Kindertraining mitgenommen hatte.

Levante Las Planas hieß der erste Club, aber schon mit sechs Jahren ging es zu Espanyol Barcelona, wo Maffeo vom Flügelstürmer zum Außenverteidiger umgeschult wurde. Und zuletzt führte – wie Reschke erzählt – Mutter Marisa das Wort, als sich der Sportvorstand der Familie vorstellte und das VfB-Projekt präsentierte, um den Sproß an den Neckar zu locken.

Mit seiner Verlobten Yaiza Soler und zwei Hunden ist der VfB-Zugang gekommen. Gerade wird die neue Wohnung in Bad Cannstatt bezogen und Maffeo, ausgestattet mit einem Vertrag bis 2023, gefällt schon jetzt, dass er es nicht weit zum Clubgelände hat. Zudem zeigt sich Stuttgart anders, als er es angenommen hatte. Viel Grün – und nicht so grau wie Manchester.

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