So kennen und mögen ihn die Fans in Stuttgart – Simon Terodde salutiert nach einem Tor für den VfB. Doch er trägt sich mit Abwanderungsgedanken. Foto: AFP

Bleibt er – oder geht er? Simon Terodde hat sich noch nicht entschieden, für welchen Club er in Zukunft Fußball spielen will. Der VfB Stuttgart versucht aber vieles, um den Torjäger zu halten.

Stuttgart - Simon Terodde ist dann mal weg. Für ein paar Tage hat sich der Stürmer aus Stuttgart verabschiedet – nach Ibiza. Mit einem Großteil der Aufstiegsmannschaft des VfB Stuttgart sowie dem Trainerteam um Hannes Wolf will er bis Freitag auf der Partyinsel kräftig weiterfeiern und sich auch vom Fußball erholen. Doch so ganz werden ihn die beruflichen Angelegenheiten nicht loslassen. Denn ­Terodde hat auch ein paar schwere Gedanken im Gepäck. Er muss entscheiden, wo er in Zukunft spielen will.

VfB oder Borussia Mönchengladbach – das war bisher die große Frage. Doch nun meldet die „Sport-Bild“, dass der Bundesligist vom Niederrhein dem Torschützenkönig der zweiten Liga abgesagt haben soll. Zu teuer, heißt es. Sieben Millionen Euro an Ablöse stehen im Raum. Allerdings soll ein weiterer Club um Terodde buhlen. Jedoch nicht der 1. FC Köln. „Das ist für uns kein Thema“, sagt der FC-Manager Jörg Schmadtke.

Dennoch machen die Verantwortlichen des VfB in der Causa Terodde ein so ernstes Gesicht, dass die Fans weiter bangen müssen, ob ihr neuer Liebling auch künftig im Trikot mit dem Brustring auf Torejagd geht. Klar ist nur, dass Terodde beim VfB über einen bis 2019 laufenden Vertrag mit Ausstiegsklausel verfügt. Diese kann für einen möglichen Wechsel genutzt werden.

Sehen Sie den Empfang des VfB-Kaders im Stuttgarter Rathaus im Video.

Schindelmeiser verhandelt mit Teroddes Berater

„Ob der Spieler bleibt, liegt nicht komplett in unserer Hand“, sagt der VfB-Sportchef Jan Schindelmeiser. Aber die Stuttgarter kämpfen um den Angreifer. Schindelmeiser verhandelt gerade mit Teroddes ­Berateragentur Sportstotal darüber, ob von der Ausstiegsklausel Gebrauch gemacht wird. Zeitnah soll es eine Entscheidung geben. „Wir werden uns sehr bemühen, dass er auch in der nächsten Saison und darüber hinaus bei uns spielt“, sagt der Manager.

Jedoch nicht um jeden Preis. Denn dem Spieler soll ein Angebot über einen lukrativen Vierjahresvertrag vorliegen. Mit einem Jahresgehalt von drei Millionen Euro. Das wäre doppelt so hoch wie das Salär, das ihm der VfB in der ersten Liga überweist. Eine Dimension, in welcher der Bundesliga-Rückkehrer nicht mitpokern will. Schon aus grundsätzlichen Erwägungen, da die Stuttgarter dabei sind, eine Mannschaft perspektivisch aufzubauen, und das Gehaltsgefüge nicht gesprengt werden soll.

Trotz – oder gerade wegen der am 1. Juni anstehenden Abstimmung über die umstrittene Ausgliederung der Profiabteilung. Viel Geld würde diese bringen. Aber nach den Irrungen und Wirrungen der vergangenen Jahre wollen die Vereinsoberen um den Präsidenten Wolfgang Dietrich neuen Kredit bei den Mitgliedern erhalten und nicht wieder in den alten Mustern handeln. Dazu gehörte, einem Profi schon nach einer guten Saison den Vertrag schön zu verlängern.

VfB will keinen Vertrag bis 2021 bieten

Nun war Terodde jedoch nicht nur wegen seiner 25 Tore überragend. Er gehört zum Führungskreis der Mannschaft, auf den der Trainer Hannes Wolf hört. Zudem wirkt sich der Umgang mit der Personalie atmosphärisch aus. Und ein Verkauf des Torjägers würde die Stimmung vor der Abstimmung sicher nicht heben. Allerdings ist der Stürmer auch schon 29 Jahre alt – was einerseits dazu führt, dass der VfB keine vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2021 anbieten will, sondern eine angemessene Gehaltserhöhung. Andererseits ist selbst unter dem roten Clubdach an der Mercedesstraße das Verständnis dafür groß, dass Terodde noch einen großen Vertrag unterschreiben will.

Vielleicht wieder mit einer Ausstiegsklausel. Wie im vergangenen Sommer, als der VfB und Terodde übereinkamen und sich die Situation vereinfacht so darstellte: Der VfB wollte nach dem Abstieg unbedingt Terodde verpflichten – als Torgaranten für die Aufstiegsmission. Und Terodde wollte unbedingt die Möglichkeit haben, sein ­Engagement in Stuttgart zu überprüfen. Aus leidiger Erfahrung. Einerseits strebte er nach oben, andererseits hatte er trotz zahlreicher Tore mit seinen vorherigen Arbeitgebern genau dieses Ziel verfehlt.

Also handelten der damalige Restvorstand Stefan Heim und Jochen Röttgermann (Präsident Bernd Wahler und Sportvorstand Robin Dutt waren dem VfB im Mai 2016 ja abhandengekommen) sowie der frisch verpflichtete Trainer Jos Luhukay schnell und entschlossen. Sie holten den auch damals begehrten Terodde für drei Millionen Euro vom VfL Bochum – was sich sportlich voll ausgezahlt hat.

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