Der offensive Mittelfeldspieler Tunay Torun kommt ablösefrei ... Foto: dpa

Trainingsbeginn mit nur zwei Neuzugängen: Tunay Torun ablösefrei und Tim Hoogland als Leihgabe.

Stuttgart - Es hört sich himmlisch an: Sechs Wochen Urlaub am Stück. Es gibt fürwahr schlechtere Jobs als Profi beim VfB Stuttgart zu sein. „Wir haben diese Pause gebrauchen können“, relativiert Co-Trainer Eddy Sözer den Eindruck, „die vergangene Saison war sehr intensiv.“ Und die neue Spielzeit wird der Mannschaft eher noch mehr abverlangen. Europa-Liga, DFB-Pokal, Bundesliga. „Wir müssen von Beginn an topfit sein, wenn wir diese Aufgaben erfolgreich anpacken wollen“, sagt Sözer, „in den Monaten August, September und Oktober werden wir sehr viele Spiele haben.“

Teil eins der Saisonvorbereitung beginnt schon an diesem Montag. Für die Spieler ist es der Tag der Wahrheit. Jeder bekam einen Trainingsplan mit in den Urlaub. Jetzt werden die Profis auf Herz und Nieren getestet. „Mal sehen, ob sich alle an ihren Plan gehalten haben“, sagt Sözer. Seit Tagen feilt er gemeinsam mit Fitnesscoach Christos Papadopoulos und Chefcoach Bruno Labbadia an den Details der Saisonvorbereitung. Auf neues Personal müssen sie sich nur bedingt einstellen. Der offensive Mittelfeldspieler Tunay Torun kommt ablösefrei vom Absteiger Hertha BSC, Tim Hoogland als Leihgabe vom FC Schalke 04. Der Defensivspezialist, der zuletzt mit etlichen Verletzungen zu kämpfen hatte, muss zunächst noch den sportmedizinischen Check überstehen, ehe er zu seiner neuen Mannschaft stößt.

„Wir sind nicht heiß darauf, noch jemanden abzugeben“, sagt Bobic

Von Beginn fest zum Profi-Kader zählen die Nachwuchskräfte Antonio Rüdiger (Abwehr), Raphael Holzhauser, Kevin Stöger (Mittelfeld) und André Weis (Tor). An viele neue Gesichter müssen sich die VfB-Fans vorerst nicht gewöhnen. „Man kann ja auf dem Transfermarkt nie wissen“, sagt Präsident Gerd Mäuser, „aber vorerst war es das mal.“ Der neue VfB ist also fast wieder der alte. Sofern der Berg bis zum Ende der Transferperiode am 31. August nicht doch noch ins Rutschen kommt. Attraktive Offerten für Cacau, Cristian Molinaro, Zdravko Kuzmanovic oder Serdar Tasci könnten das Bild plötzlich ändern. „Wir haben unseren Kader beisammen“, sagt Fredi Bobic, „wir sind nicht heiß darauf, noch jemanden abzugeben. Und bis jetzt gibt es noch nicht ­einmal einen Ansatz in diese Richtung.“

Zumal die Zahlen wieder stimmen. Zehn Millionen Euro musste der Manager aus dem Lizenzspieler-Etat quetschen, damit unter dem Jahresergebnis 2012 die schwarze Null steht, die der Aufsichtsrat um Dieter Hundt hartnäckig fordert. Wahrscheinlich kann Finanzdirektor Ulrich Ruf die Club-Bosse schon vor dem öffentlichen Schauspiel der Mitgliederversammlung beruhigen, die am 23. Juli (18 Uhr) zum ersten Mal in der Mercedes-Benz-Arena über die Bühne geht. Rund sechs Millionen Euro überweist Borussia Dortmund für den Transfer von Stürmer Julian Schieber, eine Million Euro gibt es aus Nürnberg für Mittelfeldmann Timo Gebhart. Die restlichen drei Millionen Euro spart der VfB an Gehältern. Die Verträge der Topverdiener Matthieu Delpierre und Khalid Boulahrouz wurden nicht verlängert.

Andererseits: Weil der neue Hauptsponsor, die Mercedes-Benz Bank, ziemlich exakt die sechs Millionen Euro überweist, die in den vergangenen zwei Jahren Gazi die Werbepartnerschaft mit dem VfB wert war, ist mit nennenswerten zusätzlichen Einnahmen nicht zu rechnen.

Bobic kann seinem Trainer also nicht viel mehr bieten als eine eingespielte Mannschaft, „die auf allen wichtigen Positionen doppelt besetzt ist“ (Mäuser). Bruno Labbadia, sagt der VfB-Präsident, müsse nun das Optimale aus dem Kader herausholen. Eine Forderung, die den Coach nicht überraschen wird. „Es ist ein Vorteil, wenn man eine Mannschaft weiterentwickeln kann, die man schon sehr gut kennt“, sagt der Trainer.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: