Jürgen Kramny wird die Roten im Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund betreuen, so viel steht fest. Völlig offen ist dagegen, wie es danach auf der Trainerbank des VfB weitergeht. Mit Video von der Pressekonferenz.

Stuttgart - Nach dem Spektakel, das Alexander Zorniger auf und neben dem Platz meist abzog, hielt am Mittwoch auf dem Cannstatter Wasen die Sachlichkeit Einzug. Personifiziert durch Jürgen Kramny, den Mann der Stunde beim VfB. Am Morgen leitete der 44-Jährige, der tags zuvor von der zweiten Mannschaft zum Interimstrainer der Profis befördert worden war, sein erstes Training.

Zorniger und die Fotografen-Schelte

Um kurz nach 11 Uhr betrat der frühere VfB-Profi (1990–1992) den Platz. Es folgte eine kurze Ansprache, ehe Kramny die Mannschaft mit Fitnesscoach Chima Onyeike Runden drehen ließ. Der Niederländer ist neben dem Teampsychologen Philipp Laux der Einzige, den das weiß-rote Gewitter am Dienstag nicht vom Wasen gespült hat. Neben Zorniger mussten auch die Assistenten Armin Reutershahn und Andre Trulsen sowie Torwarttrainer Andreas Menger ihre Koffer packen. Für sie hat Robin Dutt schnell Ersatz gefunden: Am Mittwoch ­standen Mengers Nachfolger Marco Langner und Kramnys Interims-Co, U-17-Trainer Kai Oswald, auf dem Rasen.

Oswald war es auch, der die Kommandos gab. Die Spieler machten ernste Gesichter, für sie gibt es nichts zu lachen in diesen Tagen. Kramny schlenderte derweil über den Platz, wie man ihn auch von der zweiten Mannschaft kennt: die Hände in den ­Taschen vergraben, mit ernstem Blick. Im Unterschied zu Zorniger war die Einheit auch für Beobachter ohne Fußballlehrerlizenz sofort verständlich: Statt Hütchen und Stangen standen lediglich zwei Tore auf dem Platz, zwischen denen die Spieler den Ball schnörkellos zirkulieren ließen.

Trainersuche hängt auch vom Dortmund-Spiel ab

Ohne Schnörkel präsentierte sich der Neue auch hinterher, bei der offiziellen Vorstellung. Es gelte, der Mannschaft wieder „neues Selbstvertrauen einzuimpfen“, um am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) bei Borussia Dortmund „ein möglichst gutes Resultat einzufahren“, sagte Kramny. Die Aufgabe sei „schwierig, aber reizvoll“, jeder Spieler bekomme eine neue Chance. Was man eben so sagt vor seinem Debüt.

Neben Kramny auf dem Podium saß VfB-Sportvorstand Robin Dutt. Ihm kam die Aufgabe zuteil, seinen Interimscoach an der richtigen Stelle ein wenig einzubremsen. Als nämlich unweigerlich die Frage aufkam, ob eine ähnliche Entwicklung wie mit André Schubert beim Ligakonkurrenten Borussia Mönchengladbach auch mit Kramny und dem VfB vorstellbar sei. Dutt wollte sich nicht festlegen lassen und sprach davon, dass er keinen „unnötigen Zeitdruck“ verspüre. Zugleich betonte er: „Wir werden mit allem Nachdruck an einer langfristigen Lösung arbeiten.“ Das klang dann doch sehr danach, dass Kramny bleibt, was er ist: ein Interimstrainer, der sich, sobald ein neuer Chef gefunden ist, wieder bei der zweiten Mannschaft wird einreihen müssen.

Es sei denn, ihm gelingt es, Schuberts Kunststück zu wiederholen und einen Sieg nach dem anderen einzufahren. Bei Lichte betrachtet ist dies mit dieser VfB-Mannschaft und dem Programm bis zur Winterpause aber reines Wunschdenken. Geht der VfB in Dortmund mit Kramny unter, erhöht dies den Druck auf Dutt, möglichst schnell einen Neuen zu präsentieren. Zieht sich die Mannschaft dagegen gut aus der Affäre und bringt womöglich Zählbares mit, lässt man dem Übergangscoach auch die verbleibenden drei Spiele bis zur Winterpause – und gewänne Zeit.