Das Knie schmerzt: Rüdiger (Mi.), VfB-Arzt Striegel (li.), Physio Wörn Foto: Bm

Der wechselwillige Innenverteidiger des VfB Stuttgart wird erneut am Knie operiert und fällt vier Wochen lang aus. Das könnte die Kaufinteressenten abschrecken oder die Ablöse drücken.

Stuttgart - Er spürte den Schmerz, doch Antonio Rüdiger presste im Training die Zähne zusammen und hielt durch bis zum bitteren Ende. Das kam für den Nationalspieler wenige Minuten später. In der Kabine ließ er sein operiertes Knie untersuchen, und dann stand schnell fest: Der Innenverteidiger muss wieder unters Messer. Sieben Monate nach dem ersten Eingriff im Dezember bei Ulrich Boenisch in Augsburg hat sich am genähten Meniskus ein Erguss gebildet, der zuletzt einen Gelenkreiz ausgelöst hatte. Die Folge waren wiederkehrende Schmerzen, nun geht erst mal nichts mehr. An diesem Donnerstag muss sich Rüdiger (22) einer Arthroskopie unterziehen. „Bis das operierte Gelenk sein altes Niveau erreicht hat, dauert es eine ganze Weile. Ab und zu stören die Naht und das Fadenmaterial, das im Knie steckt. Das ist bei Toni der Fall“, sagt Mannschaftsarzt Raymond Best. Der gelenkspiegelnde Eingriff soll erhellen, in welchem Zustand sich die Naht befindet. Ist sie gut und fest, wovon Best ausgeht, wird das Gewebe geglättet, indem ein kleiner Teil des Meniskus entfernt wird. Ein solcher zweiter Eingriff ist nicht die Regel, kommt aber auch nicht gerade selten vor. „Auf diesem hohen sportlichen Niveau, auf dem sich Toni befindet, lässt sich das ohnehin nur schwer mit Freizeitsportlern vergleichen“, sagt Best.

Für Rüdiger und den VfB könnte die Verletzung weitreichende Konsequenzen haben. Auf jeden Fall fällt der Nationalspieler in den verbleibenden drei Wochen der Saisonvorbereitung aus. Das wäre er womöglich ohnehin, wenn seine Suche nach einem neuen Verein erfolgreich gewesen wäre. Dann aber hätte Trainer Alexander Zorniger einen Nachfolger einlernen können. So aber bleibt vieles im Ungewissen.

Die Ablöseforderung des VfB steht bei 18 Millionen Euro

Das gilt auch für Robin Dutt. „Es handelt sich um einen kleinen Eingriff, der keine lange Ausfallzeit zur Folge hat. Alle Beteiligten sind sich darüber einig, dass die Gesundheit des Spielers und dessen schnelle Genesung im Vordergrund stehen“, sagt der Sportvorstand. Darüber hinaus hat Dutt keinen Grund, sich durch Rüdigers Wechselabsichten kirre machen zu lassen. Die Ablöseforderung des VfB steht bei 18 Millionen Euro. Bisher hat sich kein Verein gefunden, der bereit wäre, diese Summe in Rüdiger zu investieren – weder der VfL Wolfsburg noch der FC Chelsea, Atletico Madrid oder Juventus Turin, denen allen mehr oder weniger großes Interesse nachgesagt wird.

Rüdigers Verletzung dürfte den Anreiz dieser Clubs nicht eben beflügeln, auf die VfB-Forderung einzugehen. Es sei denn, einer der Bewerber geht den Weg des VfB, der Daniel Ginczek im vergangenen Sommer im Vorgriff auf dessen erhoffte Genesung verpflichtet hatte. Damit zu rechnen ist aber nicht, viel eher bekommt bei den genannten Vereinen einer von Rüdigers (gesunden und sofort einsetzbaren) Konkurrenten den Zuschlag. Nicht nur deshalb ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass Rüdiger (Vertrag bis 2017) in der neuen Saison beim VfB am Ball sein wird. Denkbar ist zwar auch, dass ein interessierter Club zu dem Transfer bereit ist, aber nur gegen einen Risiko-Abschlag bei der Ablöse. Darauf aber wird Robin Dutt kaum eingehen, ebenso wenig auf eine mögliche Nachzahlung nach einer festgelegten Anzahl von Einsätzen.

Ein Verbleib auf dem Cannstatter Wasen ist für Antonio Rüdiger und den VfB aber auch nicht vergnügungssteuerpflichtig. Zum einen sind Transfers bis Ende August möglich, was bedeutet, dass Rüdiger nach seiner Genesung erneut seine Wechselgelüste befeuern könnte. Falls dann ein Verein die 18 Millionen Euro in Aussicht stellt, würde das den VfB so kurz vor dem Saisonstart zeitlich in Bedrängnis bringen – es sei denn, er legt dann sein Veto ein und verzichtet auf den Geldregen. Zum anderen nervt das wochenlange Wechseltheater um Rüdiger immer mehr Anhänger. So wird es aus Vereinssicht zunehmend schwieriger, den ­Verteidiger und seinen möglichen Verbleib gegenüber den Fans zu vermitteln. Andererseits wäre dann aber wohl klar, mit welchem Abwehrpersonal der VfB in die neue Runde geht. In Rüdiger, Timo Baumgartl, Georg Niedermeier und Stephen Sama stünden vier echte Innenverteidiger im Kader, zudem könnten die auf den Außenbahnen eingeplanten Daniel Schwaab (rechts) und Emiliano Insua (links) auch zentral einspringen.

Info

Am 6. Dezember 2014 verletzte sich Antonio Rüdiger im Heimspiel gegen Schalke 04 (0:4), als er den Ball mit dem linken Fuß aus dem Strafraum drosch. Dabei knickte das rechte Standbein ein.

Nach der Operation bei Ulrich Boenisch in Augsburg und der Reha bei Klaus Eder in Donaustauf stieg der Verteidiger Ende März ins Mannschaftstraining ein.

Am 12. April 2015 feierte er im Heimspiel gegen Werder Bremen (3:2) sein Bundes-liga-Comeback. Im Endspurt der vergangenen Saison bestritt er insgesamt fünf Spiele über jeweils 90 Minuten. In zwei weiteren Partien musste er wegen eines grippalen Infekts aussetzen. (StN)

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