Keine Angst vor großen Namen: Finn Jeltsch (links) gegen Bayerns Jamal Musiala. Foto: Pressefoto Baumann/Volker Mueller

Der Youngster erhält gegen die Bayern Szenenapplaus und im Anschluss viel Lob – wobei er das Stuttgarter Spiel vor allem mit einer Fähigkeit bereichert. Dennoch muss Sebastian Hoeneß seine Innenverteidigung umbauen.

Übermäßig oft kommt es nicht vor, dass Sebastian Hoeneß auf der Pressekonferenz im Vorfeld eines Spiels explizit Startelf-Plätze vergibt. Im Fall von Finn Jeltsch legte sich der Trainer des VfB Stuttgart aber schon am Tag vor der Partie gegen den FC Bayern fest – und konnte sich im Nachhinein bestätigt fühlen. „Er hat auch heute wieder ein richtig gutes Spiel gemacht“, lobte Hoeneß den 18-jährigen Innenverteidiger, der erst in der Vorwoche bei der TSG Hoffenheim sein Debüt in der Anfangsformation gegeben hatte.

 

Während er gegen die Kraichgauer ob des dominanten VfB-Auftritts nicht im Minutentakt defensiv gefordert war, bildete die Partie gegen das Star-Ensemble des Rekordmeisters schon einen größeren Härtetest. Jeltsch bestand ihn. Im eigenen Ballbesitz wurde er auch unter Druck im Spielaufbau selten hektisch und hatte am Ende die beste Passquote aller Stuttgarter Startelf-Spieler (93 Prozent), gegen den Ball agierte er robust mit einer Zweikampfquote von 66 Prozent. Für seine Klärungsaktion per Grätsche gegen Leroy Sané direkt vor der Cannstatter Kurve gab es in der 26. Minute Szenenapplaus.

Im Innenverteidiger-Duo mit Jeff Chabot

„Der Junge macht Spaß“, so Hoeneß, „er macht Freude mit seiner Unaufgeregtheit, seinem Mut, seiner Courage.“ Und auch der Stuttgarter Sportvorstand Fabian Wohlgemuth hatte wie in der Vorwoche gegen die TSG erneut „einen mutigen, entschlossenen Auftritt“ der U-17-Weltmeisters von 2023 gesehen.

Nun ist die Entwicklung natürlich noch einer sehr frische, das Fazit deshalb zwangsläufig ein vorläufiges: Der Winter-Neuzugang vom 1. FC Nürnberg hat gerade einmal drei Bundesliga-Einsätze auf dem Konto und wird den ersten guten Eindruck bestätigen müssen. Und dennoch ist schon jetzt zu erahnen, warum der Youngster mit seinen 18 Jahren und sieben Monaten und ohne jede Erstliga-Erfahrung den Stuttgartern immerhin acht Millionen Euro wert war.

Klärungsaktion: Finn Jeltsch (links) hindert in der 26. Minute Bayerns Leroy Sané am Abschluss. Foto: Pressefoto Baumann/Volker Mueller

Insbesondere durch seine Fähigkeiten im Spielaufbau bildet er zusammen mit Zweikämpfer Jeff Chabot ein sich ergänzendes Duo in der Innenverteidigung, wo sich Jeltsch in der momentanen Rangordnung schon nach wenigen Wochen in Bad Cannstatt an mehreren Konkurrenten vorbeigeschoben hat. An Luca Jaquez beispielsweise, der ebenfalls im Winter zum VfB gekommen war vom FC Luzern. Oder an Ramon Hendriks, der zu Jahresbeginn des Öfteren von der Position des Außenverteidigers auf die des Innenverteidigers gerückt war.

Im kommenden Bundesliga-Spiel bei Holstein Kiel am nächsten Samstag (15.30 Uhr/Liveticker) wird Jeltsch dem VfB aber fehlen – nicht etwa aufgrund einer Verletzung, sondern wegen einer Sperre. Der Hintergrund: In der Hinrunde hatte er im Trikot des FCN vier Gelbe Karten gesehen – und diese verfallen innerhalb einer Saison auch bei einem Vereinswechsel im Winter nicht. Da Jeltsch gegen die Münchner in der 39. Minute nach einem rustikalen Einsteigen an der Seitenauslinie gegen Alphonso Davies verwarnt wurde, steht er nun bei fünf Gelben Karten. Und muss ein Spiel aussetzen.