Wataru Endo möchte immer ein Vorbild sein – auch außerhalb des Platzes. Foto: Baumann

Wataru Endo hat sich zum Stabilisator entwickelt und soll das VfB-Team künftig noch stärker stützen. Ans Derby gegen den KSC hat der Mittelfeldmann gute Erinnerungen.

Stuttgart - Als Wataru Endo noch ein unbekannter, aber verheißungsvoller Spieler in der J-League war, hatte ihn Sven Mislintat schon auf dem Radar – oder besser: in seiner Datenbank. Der Sportdirektor des VfB Stuttgart gehört ja zu den Mitbegründern des Start-up-Unternehmens Matchmetrics – eine Firma, die sich darauf spezialisiert hat, Fußballstatistiken zu ordnen und zu visualisieren, um eine datenbasierte Spielerbeobachtung zu betreiben. Und bereits als damaliger Innenverteidiger der Urawa Red Diamonds wies Endo zwischen 2016 und 2018 ausgezeichnete Werte auf.

 

In der belgischen Provinz

Trotz des detaillierten Scoutings blieben Endos Stärken jedoch weitestgehend im Verborgenen, weshalb der Weg der Defensivkraft zum VV St. Truiden in die belgische Provinz führte und nicht zu einem europäischen Edelclub. Mislintat behielt den Perspektivspieler aus Fernost dennoch im Blick und liebäugelte später als Chefscout des FC Arsenal damit, ihn als Ergänzung nach London zu holen.

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So weit ist es dann nicht gekommen. Doch als sich Mislintat die Gelegenheit bot, lotste der Kaderplaner Endo im vergangenen Sommer nach Stuttgart – zunächst für eine geringe Leihgebühr samt Kaufoption. Diese ist gezogen, die Ablösesumme von 1,75 Millionen Euro gilt als gut investiertes Geld, und den Zuschlag von 500 000 Euro werden die Schwaben im Falle des Aufstiegs ohne jede Bruddelei überweisen. Schließlich gehört Endo, der auch als Alternative zum abwanderungswilligen Santiago Ascacibar (Hertha BSC/zwölf Millionen Euro Ablöse im Winter) verpflichtet wurde, mittlerweile zu den Stützen im Team.

Viel taktisches Gespür

„Er ist wie ein Bodyguard für die ganze Mannschaft“, sagt Mislintat. Eine Einmannschutzzone für die Abwehr und eine Rückversicherung für die Angreifer, da Endo dank seines Antizipationsvermögens bereits vor dem Ball zu wissen scheint, wo dieser hinrollen wird. Der defensive Mittelfeldspieler mit taktischem Gespür ist dann häufig schon da und zieht die Kugel fast magnetisch an.

Zweikampf- und Kopfballstark

„Meine Rolle auf dem Platz ist es, eine gute Balance im Spiel zu halten. Wenn wir angegriffen werden, muss ich bereit sein, den Angriff zu unterbinden, das Duell zu gewinnen. Es ist auch wichtig, dass ich spielerische Akzente setze“, sagt der Fußballsamurai, der viele Bälle im Zweikampf erobert und den weiß-roten Luftraum trotz seiner nur 1,78 Meter Körpergröße mit enormer Kopfballstärke verteidigt.

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Endo macht das so konstant gut, dass ihn Trainer Pellegrino Matarazzo zu „unserem aktuell wichtigsten Spieler“ erklärt hat. Damit wird die Bedeutung des 27-Jährigen für das Stuttgarter Spiel klar, obwohl Matarazzos Vorgänger Tim Walter den vielseitig einsetzbaren Profi zunächst nicht in seinen Reihen haben wollte. Doch dann brachte ihn der frühere Coach doch – im Hinspiel gegen den Karlsruher SC (3:0) erstmals von Beginn an, nachdem er den Neuzugang bis dahin lange Zeit ignoriert hatte.

Gute Derby-Erinnerungen

Seither hat Endo keine Minute verpasst. So schließt sich für ihn mit dem Derby am Sonntag (13.30 Uhr) ein kleiner Kreis. Gegen den Karlsruher SC machte er beim VfB erstmals auf sich aufmerksam, und beim KSC geht es weiter um den Aufstieg. „Er ist für die Stabilität in unserem Spiel verantwortlich und wird dieser Aufgabe voll gerecht“, sagt Mislintat über den Kämpfer mit der Rückennummer drei.

Sperre droht

Endo, dem nun mit vier Gelben Karten eine Sperre droht, ist seit Wochen die zuverlässigste Kraft im VfB-Trikot. Mehr von solchen Typen, die nicht viel Aufhebens um ihre Person machen, wünschen sich die Fans. „Außerhalb des Platzes sehe ich meine Rolle auch darin, den jungen Spielern zu zeigen, was es heißt, professionell zu sein. Ich gehe zum Beispiel vor jedem Training in den Kraftraum, um besser auf das Training vorbereitet zu sein, und nach dem Training gehe ich wieder hin, um mich zu regenerieren“, sagt Endo.

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Als Nationalspieler ist es der vierfache Familienvater aus Yokohama bis zur Corona-Krise zwar gewohnt gewesen, dass ihn kreischende Anhänger in der Heimat am Flughafen empfangen, doch er bleibt zurückhaltend – vielleicht sogar zu still, um voranzugehen, was auch daran liegt, dass er nicht gut Deutsch und Englisch spricht.

Vertrag bis 2022

„Wer so abliefert wie Wataru Endo, der führt schon durch seine Leistung, durch das Beispiel, welches er gibt. In dem Moment, wo er die aktuell noch vorhandenen Sprachbarrieren durchbricht, wird er auch verbal anführen“, sagt Mislintat über den Allrounder, der in Zukunft wohl eine zentrale Rolle spielen wird. Denn der Sportdirektor ist überzeugt davon, dass Endo (Vertrag bis 2022) auch eine Klasse höher seinen Mann steht: „Er wäre in den meisten Bundesliga-Mannschaften auf der Sechserposition ein Stammspieler.“ Und der Hochgelobte selbst meint: „In meiner Karriere einmal in der Bundesliga zu spielen ist einer meiner Träume.“