Im Dienste der VfB-Sponsoren: Baumgartl, Gentner, Ginczek (v. li.) Foto: Lotto

Im Zentrum steht der Fußball, doch das Drumherum ist nicht minder wichtig. Über seine Sponsoren verdient der VfB Stuttgart rund 40 Millionen Euro pro Saison – und hat noch Luft nach oben.

Stuttgart - Um 17.30 Uhr rollt an diesem Sonntag wieder der Ball beim VfB, manche Besucher steigen aber schon zwei Stunden zuvor in die neue Bundesligasaison ein. Dann öffnen die Logenbereiche in der Mercedes-Benz-Arena, dann ist die Jagd aufs Büfett eröffnet, und so mancher denkt sich später auf seinem (im Winter beheizbaren und gepolsterten) Business-Seat: Schöne Aussichten hier – teilweise bis auf den ­Rotenberg! Jetzt muss nur noch die Mannschaft einen ansehnlichen Fußball bieten, dann ist das Glück der Fans vollkommen.

66 Logen zu Saisonpreisen zwischen 75 000 und 150 000 Euro

Mit dem Glück des Jochen Röttgermann ist das so eine Sache. Der Marketingvorstand des VfB schaut zufrieden ins weite Rund. 66 Logen zu Saisonpreisen zwischen 75 000 und 150 000 Euro sowie 2500 Business-Seats (je 3400 bis 5100 Euro pro Saison) bietet der VfB an. Bei Letzteren liegt die Auslastung bei rund 80 Prozent, bei den Logen bei 75 Prozent. „Damit liegen wir über der Auslastung der vergangenen Saison“, sagt Röttgermann, „das ist eine gute Quote, aber vor allem in der Untertürkheimer Kurve können wir uns noch steigern.“ Das ist eng verknüpft mit dem sportlichen Erfolg. „Wenn wir auf dem Rasen weiter zulegen, kommt uns das auch im Hospitality-Bereich zugute“, weiß Röttgermann.

Zu den Privilegien eines Logenplatzes gehören Parkplätze, ein trockener Zugang zum Stadion, Innen- und Außenplätze in der Arena, Catering, ein Monitor mit Spielübertragung, ein umfangreiches Werbepaket, das Titelrecht „Business-Partner des VfB“ und ein Unterhaltungsprogramm mit Pianobar und Interviews mit ehemaligen und aktuellen VfB-Größen. Im großen Hospitality-Bereich lässt es sich wunderbar fachsimpeln, er ist aber auch eine ideale Bühne für Kundenpflege und Anbahnung lukrativer Geschäfte. Vor Jahren gerieten Unternehmen in den Verdacht, sich mit der Einladung von Kunden in ihre Logen womöglich einen geldwerten Vorteil zu verschaffen. Noch immer ist das eine rechtliche Grauzone, allerdings mit reduziertem Risiko. „Heutzutage kennen die Firmen die Regeln und wissen, wie sie mit dem Thema Compliance (Gesetzestreue in der Wirtschaft) umzugehen haben“, sagt Röttgermann, der die Logen nicht nur zu Fußballspielen vermietet.

300 Veranstaltungen übers Jahr in den Logen

Tagungen, Messen, Firmenveranstaltungen, Geburtstage, Popkonzerte mit Robbie Williams oder Helene Fischer und sogar Hochzeiten – das ganze Jahr über ist Betrieb in der Arena. „Wir kommen auf mehr als 300 Veranstaltungen“, sagt Röttgermann und räumt ein: „Auch da könnten wir noch mehr machen.“ Was für die Sponsoren des VfB nicht unbedingt gilt.

Unter dem Haupt- und Trikotsponsor Mercedes-Benz-Bank, der sich sein Engagement sechs Millionen Euro pro Saison kosten lässt, rangieren fünf Exklusiv-Partner, die je nach Umfang ihres Pakets (Bandenwerbung, Videowand, Stadionheft) zwischen 1,0 und 3,5 Millionen Euro zahlen. Zusammen mit den drei Premium-Partnern (700 000 bis eine Million Euro) und den elf Teampartnern (250 000 bis 750 000 Euro) ist ihnen eine Fernsehrelevanz sicher. Club- und Service-Partner vervollständigen die Sponsoren-Pyramide. 40 Millionen Euro nimmt der VfB über seine Sponsoren ein, mehr ist aus Sicht des Vereins nicht erstrebenswert.

„Die Zahl der Werbeflächen ist endlich, zudem wollen wir die Sache bewusst nicht ausufern lassen“, sagt Jochen Röttgermann, der Sponsoren vor allem im regionalen und lokalen Umfeld sucht und deren Treue lobt: „Unsere Partner gehen mit uns durch dick und dünn, auch wenn es wie in der vergangenen Saison sportlich nicht läuft.“ Dabei profitiert der VfB auch von einer Grundregel der Werbebranche. „Sponsoring zahlt sich häufig auch durch Kontinuität aus“, weiß Röttgermann. Was den VfB aber nicht davon abhalten soll, wieder erfolgreicheren Fußball zu bieten.

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