Die Karten werden beim VfB wieder neu gemischt: Das gilt auch für die Stürmer Anastasios Donis (re.) und Chadrac Akolo. Foto: Pressefoto Baumann

Der Konkurrenzkampf beim VfB Stuttgart wird unter Markus Weinzierl wieder neu angeheizt – das gilt mit Blick auf das Dortmund-Spiel am Samstag auch in taktischer Hinsicht.

Stuttgart - Das Filmchen vom Trainingsplatz, das im Internet kursiert, schafft immerhin ein kleines bisschen gute Laune inmitten der düsteren Lage, die den VfB als aktuellem Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga mal wieder erfasst hat. „Wenn dein neuer Trainer weiß, dass du es in letzter Zeit nicht leicht hattest“, heißt der Titel des kurzen Streifens, der den Stuttgarter Cheftrainer Markus Weinzierl in einer Endlosschleife dabei zeigt, wie er seinen Abwehrmann Pablo Maffeo ein wenig aufpäppelt. Zunächst richtet Weinzierl die Schultern des jungen Spaniers auf, rückt ihm anschließend mit der rechten Hand das Kinn nach oben, ehe er ihm abschließend aufmunternd auf den Oberkörper klopft, was Maffeo mit einem herzhaften Lächeln quittiert.

Weinzierl hat sich mit den Spielern intensiv beschäftigt

Brust raus! Dieses Motto gilt jetzt nicht nur für den Zehn-Millionen-Euro-Einkauf Maffeo, dem es bisher nicht gelungen ist, den Altmeister Andreas Beck im stallinternen Duell hinter sich zu lassen. Doch ein neuer Trainer bedeutet gerade für die Spieler aus der zweiten Reihe ja gerne auch ein neues Glück. So werden nach der Rochade von Tayfun Korkut zu Weinzierl die Karten im 23-köpfigen Spielerkader zu Teilen neu gemischt – und zwar in personeller wie auch in taktischer Hinsicht. „Man kennt die Spieler, in den letzten Tagen habe ich mich dann höchst intensiv mit ihnen beschäftigt“, sagt Weinzierl, unter dessen Regie es beim Verein für Bewegungsspiele offensiver zugehen soll. „Bei meinen drei Stationen als Trainer war es immer das Ziel, mutig und offensiv zu spielen“, sagt der 43-jährige Straubinger, der zuvor Regensburg, Augsburg und Schalke coachte.

Bisher kann der neue Chef aufgrund der Länderspielabstellungen zwar noch nicht auf sämtliche Spieler zurückgreifen. Klar ist aber schon jetzt: Nur wenige Profis können sich beim VfB dem Club der Unantastbaren zurechnen. Lediglich für den Weltmeister Benjamin Pavard, seinen Abwehrpartner Timo Baumgartl, für Mario Gomez, für den Sechser Santiago Ascacibar und den Torhüter Ron-Robert Zieler gibt es nach aktuellem Stand für das nächste Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen Borussia Dortmund eine Einsatzgarantie.

Doch bereits beim Torhüter mischen sich erste Grautöne ins Stimmungsbild. „Zickzack-Zieler“ wurde der Weltmeister von 2014 vom Boulevard bereits getauft, weil der 29-Jährige, der in der Vorsaison eine ganz starke Einstandsrunde beim VfB spielte, zuletzt zu oft in seinen Leistungen schwankte. Der Torjäger Gomez hat zwar drei der bisher lediglich sechs Stuttgarter Tore erzielt, präsentiert sich aber dennoch nicht in absoluter Topform.

Andere im VfB-Kader kämpfen derweil zunächst gegen einen Stammplatz auf der Reservebank an. Neben Maffeo hatte unter Ex-Trainer Korkut zuletzt auch der Linksverteidiger Emiliano Insua den Anschluss verloren – und musste seinen Platz in der Startelf für den jungen Borna Sosa räumen. Sorgenkind Nummer eins beim Stuttgarter Abwehrpersonal bleibt neben dem Rekonvaleszenten und Freiburg-Neuzugang Marc Oliver Kempf, der noch kein Spiel für den VfB absolvierte, allerdings Holger Badstuber.

Der Ex-Nationalspieler erwischte mit einem Doppelfehler in Rostock und in Mainz einen ganz schwachen Saisonstart – und kommt bisher nicht in Schwung. Nach drei Partien auf der Bank und zwei Teilzeiteinsätzen brachte Korkut den Blondschopf in Hannover als zentralen Spieler einer Dreierkette. Das ging brutal schief – und Badstuber musste zur Pause wieder raus.

Aogo hat an Weinzierl nicht die besten Erinnerungen

Unter Weinzierl hat Badstuber in der Rückrunde der Saison 2016/17 bereits auf Schalke gespielt – und kam dort immerhin auf zehn Einsätze. Dies sind mehr als die sieben Partien, die Dennis Aogo unter dem neuen VfB-Coach einst bei den Königsblauen absolvierte. So wurde Aogo, der sich nach einer Verletzung wieder ans Team heran kämpft, und Weinzierl nicht das beste Verhältnis nachgesagt. Doch auch hier soll es einen Neustart geben. „Ich werde mit den Spielern sprechen, dann werden wir einen Plan festlegen“, sagt der Trainer.

Enger dran ist Weinzierl an seinem Kapitän Christian Gentner – beide haben in dem Remstäler Jürgen Schwab denselben Berater. „Mit ihm verbindet mich eine langjährige Freundschaft. Mit Gentner hat das überhaupt nichts zu tun“, sagt Weinzierl, der sich auch um mehr Tempo im Mittelfeld kümmern muss. Hierbei hat sich Gentner wie der andere Routinier, der Neuzugang Gonzalo Castro, zuletzt allerdings nicht allzu positiv hervorgetan.

Mentales Aufbauprogramm für Gonzalez

Auch taktische Varianten sind denkbar: So könnten Sosa und Maffeo vor Insua und Beck im Mittelfeld spielen, wo auch Erik Thommy zu Hause ist, den der neue Trainer aus seiner Augsburger Zeit kennt. Im Sturm hat Weinzierl ebenfalls ein mentales Aufbauprogramm gestartet, nahm im Training bereits Nicolás González zur Seite. Wie der verletzte Anastasios Donis, der in zweieinhalb Wochen gegen Frankfurt wieder dabei sein will, und wie Chadrac Akolo machte der Argentinier zuletzt einen verunsicherten Eindruck. Jetzt soll es unter Weinzierl aufwärts gehen – und zwar möglichst so, wie das Korkut nach seinem Einstieg beim VfB Ende Januar gelungen war.

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