Die neue Sturmhoffnung hat sich bereits in die Herzen der VfB-Fans gespielt: Neuzugang Carlos Mané. Foto: Pressefoto Baumann

Der Neuzugang Carlos Mané verkörpert beim VfB Stuttgart schon nach kurzer Zeit die Hoffnung auf bessere Tage – und da der Portugiese erst 22 ist, steht er auch für die neue Transferstrategie.

Stuttgart - Die Macht der Bilder hat auch Carlos Mané ergriffen. Das stimmungsvolle Stadion hat er in dem Imagefilm des VfB Stuttgart zu sehen bekommen, das Vereinsgelände, auch die glorreiche Geschichte scheint ­darin auf. Alles, um den Portugiesen von einem Wechsel zu überzeugen. Doch dabei wollte es Jan Schindelmeiser Ende August nicht bewenden lassen. Um Mané weiter zu verdeutlichen, dass der VfB kein gewöhn­licher Zweitligist ist, setzte der Manager noch ein paar bewegte Bilder obendrauf: Szenen aus dem Sieg beim Saisonauftakt gegen St. Pauli – vor 60 000 Zuschauern.

Mané war nach den Vorführungen sichtlich beeindruckt: VfB oder nix, beschied er – obwohl Sporting Lissabon den Fußballer lieber nach England transferiert hätte. Jetzt, sieben Wochen, ein Pflichtspiel und zwei Tore später, ist der Stürmer nicht nur in Stuttgart angekommen, sondern er ­verkörpert bereits die Hoffnung auf eine verheißungsvolle Zukunft. Weil er sich als idealtypischer Transfer erweisen könnte.

1,5 Millionen Euro an Leihgebühr

Mané ist ja noch 22 Jahre jung. Also ein Spieler, der schon gut ist, der aber immer noch besser werden kann – und mit ihm die Mannschaft. Mané ist aber auch schon 22 Jahre alt. Also ein Spieler, der nicht nur auf nationale Erstliga-Einsätze in Portugal zurückblickt, sondern ebenso auf internationale in Europa. „Grundsätzlich entspricht so ein Spieler wie Carlos Mané unseren Vorstellungen für die Zukunft“, sagt ­Schindelmeiser über die Transferstrategie. Zwischen 18 und 23 sollen sie sein, Fußball spielen und schnell laufen sollen sie können. Doch entscheidend wird sein, ob sich der VfB den Spieler finanziell leisten kann – oder will. 1,5 Millionen Euro an Leihgebühr kostet Mané, und falls ihn die Stuttgarter nach zwei Jahren kaufen wollen, sind 15 Millionen Euro an Ablöse fällig.

Eine Summe, die im Falle Manés schon einmal aufgerufen war. Vor eineinhalb Jahren, als englische Clubs um ihn buhlten. Doch Sporting sagte „no“, da sie in in ihrem Eigengewächs das Potenzial zu mehr erkannten. Gekommen ist es jedoch anders, weil der Handel mit Fußballtalenten ein Spekulationsgeschäft bleibt. Der neue Trainer Jorge Jesus sah in Mané einen ­reinen Flügelspieler, der aber nicht in sein System passt. So nahmen die Einsatzzeiten ab, die Entwicklung stockte – und der VfB bekam über Schindelmeisers Netzwerk die Chance zuzugreifen, da Sporting Mané nicht innerhalb Portugals ­abgeben wollte.

Carlos Mané kommt aus dem Sporting-Nachwuchs

Dennoch weiß Schindelmeiser, dass er nicht immer das Glück haben wird, einen Mané zu bekommen. Weshalb er weiter denkt: „Wir müssen früher am Markt sein als andere.“ Sprich: junge, nicht ausgereifte ­Spieler holen. Das ist sein Ansatz, um der Konkurrenz mit den besser gefüllten Bankkonten ein Schnippchen zu schlagen. Allerdings auch mit dem Einwand: „Je früher wir die Entscheidung einer Verpflichtung treffen, desto höher ist das Risiko, dass sich der Spieler nicht wie erhofft entwickelt.“

Bei Mané ist Schindelmeiser das Wagnis voller Überzeugung eingegangen. „Wir ­sehen in ihm auch nicht nur einen Außenstürmer“, sagt der Manager. Vielmehr eine Offensivkraft, die flexibel einsetzbar ist und somit die taktischen Möglichkeiten von Cheftrainer Hannes Wolf deutlich erweitert. Links, rechts, Mitte. Als zweite Spitze oder dritter Angreifer. Mit seinem Tempo, seiner Ballfertigkeit und seinem Spielwitz kann Mané das zu Saisonbeginn träge Stuttgarter Spiel beschleunigen.

Tore und Torvorlagen bietet er, aber ebenso Dribblings und Eins-gegen-eins-Situationen. „Und eine Stärke ist noch gar nicht so sehr zutage getreten“, sagt Schindelmeiser: Manés Explosivität aus dem Stand. Das befähigt ihn zu schnellen Bewegungen und raschen Richtungswechseln.

Zufall ist diese Klasse nicht und auch keine reine Frage der Begabung. Schließlich ist Mané in der Academia Sporting groß geworden. Eine Kaderschmiede, in die Sporting jährlich acht Millionen Euro in die Ausbildung des Nachwuchses steckt – und die die Risikobereitschaft im Umgang mit dem Ball vermittelt. Durch eine Art Straßenfußballambiente, das dem Individualismus kaum Grenzen setzt. Traditionell bringt diese Schule dann auch viele Flügelstürmer hervor. Paolo ­Futre, Luis Figo, Cristiano Ronaldo, zuletzt Nani und Ricardo Quaresma. Sie alle trugen in jungen Jahren das Sporting-Trikot.

Verglichen mit den Großen seines Heimatclubs wirkt Mané in Stuttgart aber noch wie ein Zauberlehrling. „Er hat erst ein Spiel absolviert“, sagt Schindelmeiser: „Da werden noch viel schwierigere Aufgaben kommen.“ Zum Beispiel an diesem Samstag in Dresden. Doch wenn der Stürmer so weitermacht, wie er beim Sieg gegen Greuther Fürth begonnen hat, dann werden sie beim VfB nicht umhinkönnen, ihren Werbestreifen schon bald mit ein paar Mané-Sequenzen anzureichern.

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