Jamie Leweling (links) und der VfB haben sieben Punkte Vorsprung auf RB Leipzig (rechts David Raum). Foto: Pressefoto Baumann/Volker Müller

Mit seinen 60 Zählern wäre der VfB in anderen Jahren sicher in der Königsklasse gewesen. Nicht dieses Mal. Ein Blick auf die besondere Konstellation der Saison 2024/25 – und eine Hochrechnung bis zum 34. Spieltag.

Für Sebastian Hoeneß gibt es keinen Grund, sich auch nur einen Tick zurückzulehnen. „60 Punkte werden nicht reichen für die Champions League“, betonte der Trainer des VfB Stuttgart nach dem 1:0 bei Borussia Dortmund, durch das er mit seinem Team eben jene stolze Ausbeute vorweisen kann.

 

Den mahnenden Worten des Übungsleiters steht einerseits eine komfortable Ausgangslage gegenüber: Sechs Spieltage vor Schluss haben die drittplatzierten Stuttgarter jeweils sieben Zähler Vorsprung auf RB Leipzig und Borussia Dortmund. Nur eine der beiden Mannschaften müssten sie hinter sich lassen, um sicher das Ticket für die Königsklasse zu buchen. Das klingt angesichts des üppigen Polsters und der eigenen Formstärke mehr als machbar.

Ein Quintett marschiert in der Tabelle vorneweg

Zugleich aber dürfte Hoeneß mit seiner Aussage Recht behalten. 60 Punkte haben zwar meistens gereicht für einen Platz unter den ersten vier Teams, seit Einführung der Drei-Punkte-Regel hatte der Fünftplatzierte im Schnitt 55,1 Punkte Konto, der Viertplatzierte 58,6.

In dieser Saison aber sind die Verhältnisse andere. Der Grund: ein sehr fleißig punktendes Quintett an der Tabellenspitze, das sich weit vom Rest des Feldes abgesetzt hat. Hinter Bayer Leverkusen (76), dem FC Bayern (60), dem VfB (60), RB Leipzig (53) und Borussia Dortmund (53) klafft eine Lücke von stattlichen elf Punkten zum kommenden VfB-Gegner Eintracht Frankfurt (Samstag, 18.30 Uhr/Liveticker).

Führen die Leipziger und die Dortmunder ihren bisherigen Punkteschnitt fort, stehen sie am Saisonende beide bei 64 Punkten. Das wäre ein neuer Rekord, nie seit Einführung der Drei-Punkte-Regel hatte ein Fünfter so viele Zähler. Im Extremfall können es sogar 69 Punkte für beide Mannschaften werden – dann nämlich, wenn RB und der BVB im direkten Duell am 27. April remis spielen und ansonsten ihre restlichen fünf Saisonspiele gewinnen. Kein besonders wahrscheinliches Szenario, aber ob der Qualität der beiden ambitionierten Topteams auch nicht völlig auszuschließen.

Zehn Punkte fehlen dem VfB noch für den sicheren Einzug in die Königsklasse

Um nicht vom Torverhältnis abzuhängen, braucht der VfB in der jetzigen Konstellation also 70 Punkte für einen Platz unter den Top 4. Dann könnte in Sachen Champions League nichts mehr schief gehen, unabhängig von den Ergebnissen auf den anderen Plätzen. Eben jene 70 Punkte würden übrigens auch die Einstellung des Stuttgarter Vereinsrekords aus der Meistersaison 2006/07 bedeuten.

Zuzutrauen? Sind dem VfB drei Siege und ein Remis in der jetzigen Topform ohne jeden Zweifel. Drei Heimspiele und drei Auswärtsspiele stehen noch an – darunter dicke Brocken wie die Partie bei Bayer Leverkusen (27. April), das auf dem besten Weg zu einer Saison ohne Niederlage ist. Es stehen aber auch noch einige Aufgaben gegen Teams aus dem Tabellenmittelfeld an, die in diesem Jahr nicht immer in Topform waren: zuhause gegen Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach, auswärts bei Werder Bremen und beim FC Augsburg.

Und dann ist da ja noch das Duell mit dem punktgleichen FC Bayern, dem der VfB sogar den zweiten Platz streitig machen könnte. Was dafür spricht? Gar nicht so wenig. Zunächst die Leistungskurve – die Stuttgarter haben in der Rückrunde zehn Punkte mehr gesammelt als die Münchner. Zudem die Chance auf Punkte im direkten Aufeinandertreffen am 4. Mai vor heimischem Publikum, wo der VfB erst eine Saisonniederlage hinnehmen musste.

Und schließlich die Doppelbelastung der international noch vertretenen Bayern, die durchaus in den Rückspiegel schauen. „Wir sollten die Arroganz ganz schnell weglassen, dass wir sagen: Ach, ärgerlich, dann werden wir nur Zweiter“, sagte Sportvorstand Max Eberl am Wochenende. „Wir müssen schon schauen, dass wir die Champions League erreichen.“

Kampfansagen aus Stuttgart sucht man aber vergebens. Vizemeister? „Darüber hat noch keiner gesprochen“, sagt Mittelfeldspieler Angelo Stiller und ergänzt: „Unser Ziel ist es, da zu bleiben, wo wir stehen.“ Auf einem Champions League Platz also – der in diesem Jahr mit Blick auf das Punktkonto so hart erarbeitet wäre wie selten zuvor.