Endstation: der VfB-Torhüter Ron-Robert Zieler (rechts) schnappt sich den Ball vor Leverkusens Stürmer Karim Bellarabi. Foto: dpa

Der Torhüter Ron-Robert Zieler untermauert seine gute Saison beim VfB Stuttgart mit einer überragenden Leistung in Leverkusen. Bereits elfmal hat der 29-jährige Schlussmann kein Gegentor zugelassen.

Leverkusen - Ron-Robert Zieler hat sich nur eine kurze Geste des Triumphs erlaubt. Er riss beim Schlusspfiff in Leverkusen die Arme nach oben. Ansonsten blieb er ganz bei sich. Dabei hätte die Begegnung in der Bay-Arena für den Schlussmann des VfB Stuttgart ja noch ewig so weitergehen können – im Hochgefühl eines Torwarts. Er hechtete, er faustete, er hielt einfach jeden Ball, der auf sein Tor zuflog. Ein Elfmeter war dabei, und selbst als der eingewechselte Stefan Kießling das Spielgerät einmal kunstvoll per Heber an Zieler vorbeibrachte, drehte sich dieser katzengleich und schnappte sich die Kugel.

„Ich habe einen sehr guten Tag erwischt“, sagte Zieler hinterher über einen Abend, an dem er sich nur hätte selbst bezwingen können. Fast wäre ihm das auch gelungen – per „Querschläger“, wie er das verunglückte Zuspiel nannte. Bei Karim Bellarabi landete der Ball, und der Bayer-Stürmer lief alleine auf ihn zu. Nur: Zieler rettete erneut und ließ am Spielfeldrand nicht nur Michael Reschke aufatmen. „Er hat mir gesagt, er hat es extra für mich noch einmal spannend gemacht, um mir zu zeigen, dass er auch in Eins-gegen-eins-Situationen stark ist“, schmunzelte der VfB-Manager.

Zielers erste Großtat

Im Gegenzug fiel schließlich der 1:0-Siegtreffer durch Christian Gentner. Vielleicht bezeichnend, da die Gastgeber eine Reihe von Chancen vergaben und sich solche Nachlässigkeiten im Fußball gerne mal rächen. Zwölf zu null Torschüsse für die Werkself notierten die Statistiker allein zwischen der 35. und der 65. Minute. Und dabei hätte der Champions-League-Aspirant schon deutlich früher in Führung gehen können. Durch einen umstrittenen Handelfmeter, den der Videoschiedsrichter Jochen Drees initiierte. Er hatte seinen Kollegen Tobias Welz auf dem Platz auf ein Handspiel von Timo Baumgartl aufmerksam gemacht. Mit Verspätung war das geschehen, was zu Irritationen führte.

Doch Zieler parierte den Schuss von Lucas Alario, und alles war gut für den VfB (17.). Es war der zweite Elfmeter, den der 29-Jährige in dieser Saison hielt. Beim ersten gegen den Dortmunder André Schürrle traf jedoch Maximilian Philipp im Nachschuss, beim zweiten klärte anschließend Santiago Ascacibar. „Durch unseren knappen Sieg erhält diese Parade nun eine höhere Bedeutung“, sagte Zieler. Aus sportlicher Sicht für die Mannschaft – aber der starke Auftritt hatte für den gebürtigen Kölner natürlich auch eine persönliche Note. Ein Erfolg beim rheinischen Rivalen ist für Zieler noch immer etwas Besonderes.

Badstubers Erwartungen

Normalität ist es dagegen, dass sich seine Vorderleute auf Zieler verlassen können. „Ehrlich gesagt, erwarte ich eine solche Leistung von ihm“, meinte Holger Badstuber. Der Abwehrchef hatte sich mit seinen Nebenleuten gegen die Leverkusener Angriffswellen gestemmt. „Defensiv gut stehen, kämpfen, als Einheit auftreten – das zeichnet uns aus“, erklärte Zieler die Erfolgsformel.

In Summe ergibt das nun elf Spiele, in denen beim VfB hinten die Null stand. Sechsmal davon unter dem Trainer Tayfun Korkut, fünfmal unter dessen Vorgänger Hannes Wolf. Das ist beeindruckend viel für einen Aufsteiger, und nur Sven Ulreich (FC Bayern München), Roman Bürki (Borussia Dortmund) und Ralf Fährmann (Schalke 04) stehen in der Torhüter-Rangliste „Weiße Weste“ mit jeweils zwölf Zu-null-Einsätzen vor Zieler. Ein weiterer Beleg dafür, wie schwierig es geworden ist, gegen die Stuttgarter ein Tor zu erzielen oder gar zu gewinnen.

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