Hennes frisst lieber: Das Maskottchen des 1. FC Köln will nicht mehr hinschauen. Foto: dpa

Im Kampf um den Klassenverbleib erleben die Konkurrenten des VfB Stuttgart ein wechselhaftes Wochenende. Wir bieten einen Überblick.

Stuttgart - SC Freiburg: Nils Petersen erzielte beim 1:0 gegen Werder Bremen sein 50. Tor in der Bundesliga – einen ausgegeben bekommt der Stürmer deshalb aber nicht. „Bei uns kriegen normalerweise nur die was, die Kinder kriegen“, sagte SC-Trainer Christian Streich: „Die kriegen einen Strampelanzug.“ Wenn der Coach nach den Spielen zu kleinen Scherzen aufgelegt ist und nicht mit sich und der Fußballwelt hadert, ist das in der Regel das beste Zeichen rund um den SC Freiburg. Die Laune ist in diesen Wochen bestens an der Dreisam – aus guten Gründen. Der Sportclub ist im Kampf um den Klassenverbleib obenauf, weil er, das vergangene Auswärtsspiel bei Hannover 96 ausgenommen, seit Ende November nicht mehr verloren hat. Und weil er die Grund­tugenden des Existenzkampfes in der ­Bundesliga verinnerlicht hat.

Der SC kämpft, kratzt und beißt, und da er nebenher auch wie gewohnt einen gepflegten Ball spielen kann, hat er mittlerweile fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Beim bisher letzten Abstieg 2015 spielte der SC oft passabel, vergaß aber das Kämpfen und kassierte etliche Tore in der Schlussphase. Das hat Christian Streich nicht vergessen. Der Coach weiß: Nur schön spielen reicht auch in Freiburg nicht.

Werder Bremen: Die Reise in den Schwarzwald war für die Bremer eine zum Vergessen. Nach dem 0:1 beim SC Freiburg konnte der Tross aufgrund des starken Schneefalls den geplanten Rückflug am Samstagabend nicht antreten. Bei der Spontan-Übernachtung in Freiburg hatten die Werder-Profis dann ­genügend Zeit, um sich über ihren Auftritt gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg Gedanken zu machen. Stürmer Max Kruse wusste das Geschehene schon kurz nach dem Abpfiff einzuordnen. „Die erste Halbzeit“, sagte der Stürmer, „war grottenschlecht.“ Weil es in der zweiten auch nicht viel besser wurde, erlitt Werder nach starken Auftritten in den vergangenen Wochen einen Rückschlag. Mehr aber auch nicht, wie es der Trainer ­Florian Kohfeldt betonte: „Wir werden am Ende mit dieser Mentalität und weiteren ­Lösungen diesen Abstiegskampf bestehen.“ Die nächste Chance, das zu beweisen, haben die Bremer am Samstag. Dann kommt der HSV zum Abstiegs-Nordderby an die Weser.

VfL Wolfsburg: Der Sportdirektor Olaf Rebbe gab sich schmallippig. „Das kann ich nicht bewerten“, sagte er auf die Frage, ob das nächste Spiel ein Endspiel für den Trainer Martin Schmidt sei. Das klingt verdächtig nach einer baldigen Entlassung des Schweizers – nach den Fanprotesten und der 1:2-Niederlage gegen den FC Bayern München jedenfalls wird es für den Coach immer ungemütlicher. Nur noch ein Punkt trennt den VfL Wolfsburg vom Relegationsrang – und das mögliche Endspiel steigt nun am Freitag beim Tabellen-16. FSV Mainz 05. Bei jenem Club also, bei dem Schmidt vor seinem Engagement in Wolfsburg tätig war.

Zu den Krisenherden in Wolfsburg gehört neben der Trainerdiskussion auch der Stimmungsboykott mehrerer Fangruppen. 19 Minuten und 45 Sekunden mussten die Spieler des 1945 gegründeten VfL gegen Bayern auf die Anfeuerung von ihren treuesten Anhängern verzichten. Aus Ärger über die schlechten Leistungen der Mannschaft hatten sie protestiert. Die Geduld ist am Ende. Nach der miserablen vergangenen Saison (Platz 16) gibt es keinen Fortschritt. Wieder ein teurer Kader, der eigentlich für die internationalen Plätze ausgerichtet ist und nun gegen den Abstieg kämpft – in Wolfsburg herrscht Tristesse pur.

FSV Mainz 05: Ein Hauch von Versöhnung lag in der Luft, als die Spieler des FSV nach dem so ersehnten Auswärtscoup buchstäblich auf ihre Fans zugingen. Fast etwas zögerlich schlenderten sie nach dem 2:0 bei Hertha BSC in Richtung der 500 mitgereisten Anhänger, die aus voller Kehle „Auswärtssieg, Auswärtssieg“ skandierten. Nach der 2:4-Niederlage in Hoffenheim und den Schmähgesängen der Fans am Wochenende zuvor, als die Mainzer nach dem Abpfiff den Gang in die Kurve verweigert hatten, hatten die Spieler in einem offenen Brief für Zusammenhalt und Unterstützung geworben – mit Erfolg. Damit die Bande hält, braucht es nun weitere Erfolge. Am besten gegen die direkte Konkurrenz. Am Freitag empfängt der FSV den VfL Wolfsburg und reist dann acht Tage später zum HSV.

Hamburger SV: Nach dem sportlichen Offenbarungseid schlug das Entsetzen in blanke Wut um. Aufgebrachte HSV-Anhänger versuchten den Innenraum zu stürmen und ihrem Frust über den deprimierenden Auftritt beim 1:2 (0:1) gegen Bayer Leverkusen Luft zu machen. Schon während des so wichtigen Duells hatten einige Chaoten ihrem eigenen Team mit einem geschmacklosen Plakat gedroht: „Bevor die Uhr ausgeht, jagen wir euch durch die Stadt.“

Vieles wirkte im Volksparkstadion so, als sei das düsterste Szenario bereits eingetreten. „Wir dürfen uns nicht zerfleischen“, sagte der bislang glücklose HSV-Trainer Bernd Hollerbach nach der zehnten Partie in Folge ohne Sieg und dem nächsten großen Schritt in Richtung des ersten Abstiegs. Sportchef Jens Todt sah wie Vorstandsboss Heribert Bruchhagen durch das Plakat „eine Grenze überschritten“. Die große Enttäuschung der Fans konnten die HSV-Verantwortlichen allerdings nachvollziehen. Zum Relegationsplatz klafft mittlerweile eine Lücke von sechs Punkten.

1. FC Köln: Timo Horn wäre am liebsten direkt über die Deutzer Brücke gerannt und hätte Marco Fritz auf der anderen Rheinseite persönlich die Meinung über die schreiende Ungerechtigkeit gegeigt. Nur wenige Kilometer vom Rhein-Energie-Stadion entfernt hatte der Videoassistent zuvor in allerletzter Sekunde dem abgeschlagenen Schlusslicht einen Sieg verwehrt, indem er Schiedsrichter Markus Schmidt auf eine Abseitsstellung von Marcel Risse hinwies.

Der Referee aus Stuttgart nahm den vermeintlichen Siegtreffer zum 2:1 durch Claudio Pizarro zurück. Nicht zum ersten Mal waren die Kölner die Leidtragenden bei umstrittenen Entscheidungen des Video-Assistenten. „Unfassbar, einfach unfassbar“, sagte Horn nach dem 1:1 gegen Hannover. Der Torwart zweifelte nicht die richtige Abseitsentscheidung der Unparteiischen an, kritisierte aber wie Trainer Stefan Ruthenbeck die „offensichtliche Willkür“ bei der Anwendung des Videobeweises. „Es gibt nach wie vor keine klaren Richtlinien, das kotzt nicht nur mich, sondern auch die Fans an.“

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