Chancenlos: Georg Niedermeier (mit Trainer Alexander Zorniger) Foto: Baumann

VfB-Verteidiger Georg Niedermeier pendelt zwischen Bank und Tribüne, Chancen auf einen Einsatz hat er unter Trainer Alexander Zorniger keine. Dagegen spielt Neuzugang Toni Sunjic spielt trotz Patzern permanent.

Stuttgart - Bei allem Ärger über die 3:4-Niederlage – es gab auch Erfreuliches für den VfB Stuttgart beim Spiel in Leverkusen. Die forsche Art, wie die Mannschaft von Trainer Alexander Zorniger den Gegner lange Zeit bearbeitete, die 2:0- und die 3:1-Führungen – und das Treffen mit Rudi Völler. „Ändert nichts, macht weiter wie bisher“, sagte Leverkusens Sportdirektor. Was Zorniger als Bestätigung seiner Arbeit wertet: „Rudi Völler ist ein ausgewiesener Fachmann. Wenn er so etwas sagt, freut mich das.“ Georg Niedermeier dagegen wird das nur ungern hören.

Auch für ihn bleibt alles gleich. Wobei er bei Alexander Zorniger ohnehin keine Chance hat. „Es ist nicht so, dass ich auf meiner Insel lebe“, versichert der Trainer, „aber alles, was von außen gefordert wird und für mich keinen Sinn ergibt, wird nicht geändert.“ Also auch nicht die wackelige Abwehr, die in zehn Bundesligaspielen schon 23 Gegentore kassiert hat. Georg Niedermeier (29) bleibt somit auch im DFB-Pokalspiel beim Viertligisten Carl Zeiss Jena an diesem Mittwoch (20.30 Uhr/Sky) auf der Bank – bestenfalls. Fünfmal saß er schon dort, die anderen fünf Spiele erlebte er auf der Tribüne oder zu Hause. Spielpraxis: null Minuten. „Das ist eine sportliche Entscheidung“, sagt Zorniger, „Georg muss dranbleiben.“

Als Mitglied des Mannschaftsrates gehört Niedermeier, der sich nicht äußern mag, zu den Führungsfiguren beim VfB – nur nicht auf dem Rasen. Er steht in der Hierarchie weit oben, ist im Mannschaftskreis beliebt und auch nicht für Ego-Trips bekannt, dennoch ist er sportlich nur ein Mitläufer – auch schon bei Zornigers Vorgängern. „Wir haben vier Innenverteidiger, und ich habe mich auf Timo Baumgartl und Toni Sunjic festgelegt. Dahinter haben wir noch Adam Hlousek und Daniel Schwaab, der das in Hoffenheim zuletzt gut gemacht hat“, sagt Zorniger. Vom fünften Innenverteidiger redet er erst gar nicht – weil Georg Niedermeier tatsächlich nur das fünfte Rad am Wagen ist. Gut, er ist nicht übermäßig dynamisch und schnell, dennoch könnte der 1,90-Meter-Mann dem VfB in dessen prekärer Lage – schon wieder Platz 16! – mit seiner kompromisslosen Spielweise und seiner Kopfballstärke womöglich mehr helfen als Neuzugang Sunjic (26), der immer wieder durch Patzer auffällt.

Trainer Zorniger preist Neuzugang Sunjic trotz dessen Patzern

„Wenn die ganze Mannschaft eine Situation falsch einschätzt, leidet er darunter“, sagt Zorniger, „immerhin war Sunjic unser zweitschnellster Spieler in Leverkusen.“ Schnell bedeutet aber nicht handlungsschnell: Der Neuzugang aus Krasnodar kommt zuweilen zu spät, weil er dem Tempo nicht folgen kann. Zorniger hält trotzdem an ihm fest, weil er mit Niedermeier offenbar gar nichts anzufangen weiß. „Wir haben nicht so brutale 1:1-Monster auf der Bank“, hatte Zorniger neulich gewohnt offen gesagt und sich damit den Mund verbrannt, „da braucht mir jetzt keiner mit Georg Niedermeier zu kommen.“ Was der Spieler und sein Berater als Glattstrich empfanden. Nun äußert sich Zorniger diplomatischer, was an der Sache nichts ändert: Sunjic bleibt gesetzt. „Mit seinen 1,92 Metern stabilisiert er uns unglaublich in der Luft“, sagt der Coach. Was freilich nur bedingt hilft, solange er ab und zu den Boden unter den Füßen verliert.

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