Sein Platz ist ihm sicher: VfB-Torhüter Florian Müller im Duell gegen Axel Witsel (Borussia Dortmund). Foto: Baumann

Nach dem Missgeschick gegen Borussia Dortmund sprechen Sportdirektor Sven Mislintat und Trainer Pellegrino Matarazzo ihrem Torwart das Vertrauen aus. In der Kritik steht er dennoch.

Je prekärer die Situation wird, umso wichtiger ist es, hinter dem eigenen Team zu stehen, den Profis den Rücken zu stärken, keine Zweifel an ihrer Leistungsfähigkeit aufkommen zu lassen. So zumindest sieht die Lesart der VfB-Verantwortlichen aus, und entsprechend handeln Sportdirektor Sven Mislintat und Coach Pellegrino Matarazzo. Auch bei Florian Müller.

 

Der Torwart steht schon länger in der Kritik. Das hat mit der Statistik zu tun – Müller hält lediglich 62,9 Prozent der Schüsse auf seinen Kasten. Damit liegt er in der Rangliste der regelmäßig spielenden Keeper auf einem Abstiegsplatz, nur Alexander Schwolow (Hertha BSC/58,5 Prozent) steht noch hinter ihm. Doch es sind nicht nur die Zahlen, es ist auch ein Gefühl: dass Müller zwar selten grobe Schnitzer macht, seinem Team aber auch keine Punkte rettet. Was zur Frage führt, ob der VfB im Tor gut genug aufgestellt ist für den Kampf gegen den Abstieg? Für Mislintat ist die Antwort klar.

Müller im „gesicherten Mittelfeld“

Der Stuttgarter Sportchef erklärte nach dem 0:2 gegen Borussia Dortmund, dass er die Kritik vieler Fans an Müller für „zu heftig“ hält. „Was ihm fehlt, ist vielleicht, mal einen vermeintlich unhaltbaren Ball zu halten“, erklärte Mislintat seinen Rückhalt für den Torwart, „aber was die kassierten Gegentore betrifft, die womöglich in seine Richtung gehen, ist er im Vergleich zu den anderen nicht schlechter als gesichertes Mittelfeld.“ Gregor Kobel steht weiter oben.

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Der frühere VfB-Keeper kehrte am Freitagabend zurück an seine alte Arbeitsstätte, und dass sein neuer Club Borussia Dortmund dabei ohne Gegentor blieb, lag auch an ihm. Der Schweizer hatte zwar etwas Glück, weil Schüsse von Pascal Stenzel und Borna Sosa an die Latte gingen und sich die VfB-Stürmer im Auslassen bester Chancen gegenseitig übertrafen, er lieferte aber eben auch eine außergewöhnliche Parade – bei einem Schlenzer von Borna Sosa, den er spektakulär parierte. „Es war speziell für mich, hier zu spielen“, sagte Kobel (24), nachdem er und Matarazzo sich auf dem Rasen lange umarmt hatten, „der VfB hat mir damals eine Chance gegeben, deshalb habe ich dem Verein viel zu verdanken.“ Ähnlich soll es nun bei seinem Nachfolger laufen.

Ein Torwart mit Entwicklungspotenzial

Florian Müller (24), der im Sommer in Tokio alle drei Spiele für die deutsche Olympia-Auswahl bestritt, kam vor der Saison vom SC Freiburg. Dort hatte er ein starkes Jahr, in dem er immer wieder zeigte, über welches Potenzial er verfügt. In Stuttgart ist ihm das bisher viel zu selten gelungen. Gegen den BVB machte er beim zweiten Treffer von Julian Brandt, einem Schuss aus 18 Metern, nicht die beste Figur. „Da war er nicht fehlerfrei, hat aber davor seine Klasse bewiesen“, meinte Mislintat, „auch Gregor Kobel ist, als er bei uns war, nicht direkt ein ausgereifter Keeper gewesen. Es ist unsere Aufgabe, nun auch Florian Müller weiterzuentwickeln.“ In der Hoffnung, dass die Saison gut ausgeht.

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Denn eines steht fest: In Fabian Bredlow hat Pellegrino Matarazzo zwar eine ambitionierte Nummer zwei auf der Bank sitzen, doch sollte Florian Müller gesund bleiben, wird der Coach für den Rest der Saison an ihm festhalten. „Er sah sicherlich beim zweiten Dortmunder Treffer unglücklich aus“, meinte der VfB-Coach, „unter dem Strich bin ich mit ihm aber zufrieden. Er hat immer wieder ordentliche Leistungen gezeigt.“

Ob das reicht, um in der Bundesliga zu bleiben? Werden die nächsten fünf Spiele zeigen.

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