Foto: Pressefoto Baumann

Daniel Schwaab begann in der Jugend des SC Freiburg einst als defensiver Mittelfeldspieler, dann ging es weiter nach hinten. Heute ist Schwaab ein vielseitig einsetzbarer Abwehrmann – beim VfB plant er jetzt den Großangriff.

Stuttgart - Dass Trainer Christian Streich ein gutes Auge für Talente hat, ist spätestens seit dem Höhenflug der Rasselbande des SC Freiburg in der vergangenen Saison bundesweit bekannt. Im Breisgau kennen sie die Qualitäten Streichs freilich schon länger. Denn er schaffte es einst als Jugendtrainer und Leiter der Fußballschule oft innerhalb von Minuten, die Karriere von Jugendspielern vorauszusehen. So wie damals bei Daniel Schwaab.

Der Neuzugang des VfB kickte von 2000 bis 2006 in der Jugend des Sportclubs, und als er nach dem Sprung von der B- in die A-Jugend unter Streich spielte, blieb schnell nichts mehr so, wie es war. „Eigentlich hat kaum jemand damit gerechnet, dass ich mal in der Bundesliga spielen werde“, sagt Schwaab (24) im Rückblick. „Ich war in der Jugend nie wirklich herausragend, zudem habe ich auf der Sechserposition vor der Abwehr gespielt.“ Doch dann war zu Beginn der Saison hinten rechts Not am Mann, Streich stellte Schwaab in der A-Jugend dorthin. Und sagte nach wenigen Spielminuten zu seinem Co-Trainer auf der Bank: „Der kickt bald in der Bundesliga.“

Fortan ging es schnell, Streich formte Schwaab, und der spielte tatsächlich bald ganz oben bei den Profis unter SC-Trainer Robin Dutt. Er entwickelte sich zu einem vielseitig einsetzbaren Abwehrmann, der sich auch in der Zentrale wohlfühlt. Er wurde U-21-Europameister 2009, wechselte zu Bayer Leverkusen und erlebte zwei gute Jahre unter Trainer Jupp Heynckes, die Schwaab „als extrem wertvoll“ bezeichnet.

„Mit der vergangenen Saison war ich nicht zufrieden“, sagt Schwaab

Es ging aufwärts, und nicht wenige prophezeiten dem Verteidiger eine Karriere im Nationalteam. Doch aus dem großen Durchbruch wurde nichts. Schwaab sta­gnierte, verlor seinen Stammplatz. Zuletzt kam er nicht mehr an den Innenverteidigern Ömer Toprak und Philipp Wollscheid vorbei und auch als Rechtsverteidiger kaum zum Zug. „Mit der vergangenen Saison war ich nicht zufrieden“, sagt er, „es gab ein zu großes Auf und Ab bei mir, was auch mit Verletzungen zu tun hatte. Ziel muss es sein, wieder Konstanz in meine Leistungen zu bekommen.“

Dass Schwaab es besser kann als zuletzt, hat er in Freiburg und zu Beginn in Leverkusen bewiesen – genau deshalb hält Fredi Bobic große Stücke auf ihn. „Er kann auf konstant hohem Level spielen“, sagt der VfB-Sportvorstand, „er ist kopfballstark, schießt als Abwehrmann auch Tore – und charakterlich passt er perfekt zu uns.“ In Leverkusen galt Schwaab als Inbegriff der Bodenständigkeit. „Ich bin nicht bekannt dafür, um die Häuser zu ziehen“, hatte er schon kurz nach seinem Wechsel im Sommer 2009 gesagt. Kenner der Szene bestätigen diese Grundhaltung bei Schwaab, der einen einjährigen Sohn hat. Nett, höflich und bescheiden sei der junge Mann, heißt es am Rhein.

Ehrlichkeit und Bodenständigkeit sind ihm wichtig

Und wer sich mit Schwaab unterhält, der spürt schnell, was damit gemeint ist. Er spricht von Werten wie Ehrlichkeit und Bodenständigkeit, die ihm wichtig sind. Von der Familie und Freunden, die „mir über alles gehen“. Und weil es für einen grundsoliden jungen Mann dazugehört, die Zukunft langfristig zu planen, absolviert Schwaab, der ablösefrei zum VfB wechselte und einen Vertrag bis 2016 unterschrieb, ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Fern-Uni Hagen. 14 von 16 Klausuren hat er geschrieben, Abschlussprüfung und Bachelor-Arbeit fehlen noch. „Dafür braucht es aber einen hohen Aufwand, und deshalb steht das jetzt erst mal hinten an – ich bin vor zwei Wochen umgezogen, zudem hält mich mein Sohn auf Trab, und jetzt zählt ohnehin erst mal nur der VfB“, sagt Schwaab.

Der Verteidiger plant den Neustart. „Ich werde in der Abwehr da spielen, wo ich gebraucht werde, das ist mit Trainer Bruno Labbadia besprochen“, sagt Schwaab, der im Test gegen die Stuttgarter Kickers (2:0) als rechter Verteidiger ran durfte. Sein Auftritt war solide, ohne grobe Fehler.

Kritiker bemängelten in Leverkusen zuletzt, dass Schwaab nicht bissig genug war und in der Offensive kaum Akzente setzte. Das soll sich wieder ändern. „Ich kann ein Spiel lesen, Situationen gut antizipieren und das Spiel von hinten heraus mit sauberen Pässen ankurbeln“, sagt Schwaab über seine Stärken. Beim VfB hätte niemand etwas dagegen, wenn er sie auf den Platz bringt.

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