Es gibt einen weiteren Kandidaten fürs Amt des VfB-Präsidenten: den Böblinger Unternehmer Claus Vogt. Der 50-Jährige ist glühender VfB-Fan – und als Gründer des „FC PlayFair!“ Kritiker des Turbokapitalismus im Profifußball.
Stuttgart - Wenn die Türe seines Geschäftsführerbüros im Böblinger Industriegebiet offensteht, dann schaut Claus Vogt mitten hinein ins prall gefüllte Rund der Mercedes-Benz-Arena. Ein Panoramafoto des ersten Spiels nach dem Umbau gegen Schalke 04 (3:0) im August 2011 ziert die Wand eines Besprechungszimmers, das mit den Jahren zu einem kleinen VfB-Museum geworden ist: Signierte Mannschaftsfotos aus den späten 70ern, Originaltrikots aus allen Epochen, Klappstühle aus dem Neckarstadion. „Da kommt mit der Zeit einiges zusammen“, sagt Claus Vogt (50).
VfB-Fan in der vierten Familiengeneration
Der Inhaber eines international tätigen Facility-Management-Unternehmens, geboren in Nürtingen, wohnhaft in Waldenbuch, ist VfB-Fan „in der vierten Familiengeneration“. Er hat nicht nur Dauerkarten im Businessbereich, sondern auch in der Cannstatter Kurve; seit Jahren sitzt er zudem im Mitgliederausschuss für Vereinsentwicklung (in dem er „mehrfach den Widerspruch“ des Mitte Juli zurückgetretenen Präsidenten Wolfgang Dietrich zu hören bekam). Künftig aber will er es nicht mehr dabei belassen, seinen Herzensverein nur anzufeuern und zu beraten – Vogt strebt das Amt des Vereinspräsidenten an. „Immer nur reden, ist zu wenig“, sagt er, „ich will versuchen, meinen Teil dazu beizutragen, dass der VfB die Menschen wieder zusammenbringt und die VfB-Werte gemeinsam gelebt werden.“
Claus Vogt will nicht enden wie die drei letzten VfB-Präsidenten
Vogt hat sich diesen Schritt lange überlegt und mit seiner Frau und den drei Kindern besprochen. Natürlich ist auch ihm nicht entgangen, dass Gerd Mäuser, Bernd Wahler und zuletzt Wolfgang Dietrich mit großen Plänen angetreten waren – und nach überschaubarer Zeit scheiterten. Doch ist Vogt der festen Überzeugung, dass es nicht zwangsläufig so laufen muss. Nach dem Schorndorfer OB Matthias Klopfer ist er daher der zweite Bewerber, der vor Ende der Bewerbungsfrist am 15. September offiziell seine Bereitschaft bekundet, Verantwortung zu übernehmen.
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Eine „mindestens zehnjährige Erfahrung in einer hohen Managementposition“, sieht das Anforderungsprofil des VfB vor, zudem die „Wahrnehmung gesellschaftlicher Aufgaben“ sowie die „Förderung des Meinungsaustauschs zwischen Mitgliedern und Verein“. „Ich denke, dass ich diese Anforderungen erfüllen kann“, sagt Vogt, der sich nun daranmachen will, auch die geforderten 50 Unterschriften von Unterstützern zu sammeln.
Die von ihm gegründete Intesia Group hat er zu einem florierenden Unternehmen geformt, das in vielen Ländern vertreten ist. Daneben rief Vogt Anfang 2017 den „FC PlayFair!“ ins Leben, einen „Verein für Integrität im Profifußball“, der sich kritisch mit den Auswüchsen der Turbo-Kommerzialisierung auseinandersetzt. Anlass war das Montagsspiel des VfB in Bremen im Mai 2016 (2:6), bei dem Vogt nicht dabei sein konnte. „Man hatte mir die Möglichkeit genommen, meinen VfB im Abstiegskampf zu unterstützen“, sagt er, „ich musste handeln.“
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Mit einer breit angelegten wissenschaftlichen Studie über die Stimmungslage der Fans hat der Verein bundesweite Aufmerksamkeit erzielt. Im Beirat sitzen der frühere Fifa-Schiedsrichter Urs Meier und Grünen-Politiker Cem Özdemir, zu den prominenten Unterstützern gehören Ex-Nationalspieler Torsten Frings und der frühere DFL-Geschäftsführer und Bundesligamanager Andreas Rettig. Sie alle treibt die Sorge um, dass sich der Profifußball immer weiter von seiner Basis entfernt.
Als unverbesserlichen Romantiker, der als VfB-Präsident die Ausgliederung rückgängig machen würde, sieht sich Claus Vogt aber nicht. Als Unternehmer habe er gegen wirtschaftliche Interessen und Gewinnoptimierung natürlich nichts einzuwenden – aber nicht um jeden Preis. Als „schützenswertes Kulturgut“ sieht er die Fankultur in Deutschland und setzt sich „für ein konstruktives Miteinander zwischen Verband, Verein und Fans“ ein. „Ich glaube, etwas mehr Fairness und Fan-Mitbestimmung kann dem Fußball und dem VfB nur guttun“, sagt Vogt.
Ob er den Verein wieder nach oben führen könnte? Wer weiß das schon. Gesichert dagegen ist, wie Claus Vogt seine Rolle sähe, sollte er vom Vereinsbeirat des VfB zur Wahl vorgeschlagen und von den Mitgliedern am 15. Dezember tatsächlich gewählt werden: „Präsident im Hintergrund, Hüter der VfB-Werte und somit Vertreter aller Mitglieder und Fans.“ Die Arbeit an der Front würde er „jenen überlassen, die vom Fußballgeschäft mehr verstehen als ich“.