Christian Gentner gibt auch drei Tage nach dem tragischen Tod seines Vaters die Richtung beim VfB vor. Er spielt in Wolfsburg Foto: Pressefoto Baumann

Der Kapitän Christian Gentner wird auch an diesem Dienstag (20.30 Uhr) die Mannschaft des VfB Stuttgart beim VfL Wolfsburg anführen – trotz des Trauerfalls in seiner Familie.

Stuttgart - Die aus menschlicher Sicht wichtigste Frage vorneweg: Wird Christian Gentner an diesem Dienstag für den VfB Stuttgart auflaufen? Die Antwort: Ja, der Kapitän des Fußball-Bundesligisten hat sich dazu entschieden, das Trikot mit dem Brustring überzustreifen und einen Schritt in die Normalität zu gehen. Nur drei Tage nach dem tragischen Tod seines Vaters in der Mercedes-Benz-Arena und an dessen Geburtstag. 67 Jahre wäre Herbert Gentner geworden. Für Christian Gentner wird die Partie beim VfL Wolfsburg somit wohl die emotionalste seiner Karriere.

363 Bundesliga-Einsätze hat Christian Gentner bisher bestritten, für die Stuttgarter und Wolfsburger. Zur Routine ist da vieles geworden, und in dieses gewohnte Umfeld aus Mannschaft und Abläufen begibt sich der 33-Jährige, um seine Trauer zu bewältigen. Sehr bewusst, wie es beim VfB heißt, da Christian Gentner kein Typ ist, der Dinge vor sich herschiebt. Er weiß, dass dieser Moment kommen wird – zurück in die Öffentlichkeit, zurück auf den Platz.

Gentner erscheint zum Training

Dort spielt sich sein Arbeitsalltag ab, und dorthin hat es den Mittelfeldspieler in diesen schweren Stunden gezogen. Am Montag ist Christian Gentner zum Abschlusstraining an der Mercedesstraße erschienen. Damit war klar, dass er spielen will – noch bevor darüber gesprochen wurde. Wobei Christian Gentner bei Trainer Markus Weinzierl und der Clubführung um Präsident Wolfgang Dietrich natürlich auf vollstes Verständnis gestoßen wäre, wenn er um eine Freistellung gebeten hätte.

Zu frisch sind die Eindrücke vom dramatischen Verlauf am Samstagabend nach dem 2:1-Erfolg des VfB gegen Hertha BSC. Christian Gentners Vater verstarb im Businessbereich des Stadions an einem Herzinfarkt. Respekt bringt Christian Gentner der Entschluss ein, sich trotzdem umgehend in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Noch tieferen als der langjährige Kapitän innerhalb des Teams und des Vereins ohnehin schon genießt. Denn jeder beim VfB schätzt seine Verlässlichkeit sowie Professionalität.

„In einer solch schwierigen Situation handelt jeder Mensch individuell. Es war für uns von Beginn an klar, dass wir im Hinblick auf die Spiele beim VfL Wolfsburg und gegen Schalke 04 jede Entscheidung von Christian respektiert hätten. Es spricht für seine persönliche Identifikation mit unserem Club und die außergewöhnliche Beziehung der Familie Gentner zum VfB, dass Christian in beiden Partien spielen wird“, erklärte der Manager Michael Reschke.

Wie geht die Mannschaft mit der Situation um?

Viele Blicke werden sich nun auf den VfB richten, um zu sehen, wie die Elf die Erlebnisse verarbeitet hat. Einerseits gab es das Glücksgefühl nach dem wichtigen Sieg gegen Berlin, andererseits folgte kurz darauf der Schock durch die erschütternde Nachricht. „Ohne den tragischen Vorfall wäre es eine optimale Erfahrung gewesen“, sagt der Mentalcoach Mirko Irion. Doch jetzt gehe es aus psychologischer Sicht darum, dass die Mannschaft die Überzeugung, ein Spiel gedreht zu haben, in dieser zwiespältigen Situation behält.

Auf einen positiven Effekt in Wolfsburg hofft auch Weinzierl, nachdem es gegen Hertha eine taktische Umstellung, aber ebenso eine emotionale Halbzeitansprache brauchte, um in die Erfolgsspur zu kommen. Ein Ruck ist durch die VfB-Mannschaft gegangen, in der auch an diesem Dienstag Christian Gentner vorneweg geht.

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