Harmonisches Duo bis Sommer in Frankfurt: Armin Veh (li.) und Bruno Hübner Foto: Getty

Bruno Hübner und Armin Veh haben miteinander Eintracht Frankfurt weiterentwickelt. An diesem Samstag sehen sie sich wieder – und schmieden womöglich neue gemeinsame Pläne.

Stuttgart - Es war keine einfache Zeit für Bruno Hübner (53) in diesem Sommer. Trainer Armin Veh war weg, Säulen der Mannschaft wie Sebastian Jung, Sebastian Rode und Pirmin Schwegler waren auch weg, das Umfeld bei Eintracht Frankfurt wartete auf neue Namen. Nur: Hübner lieferte erst mal keine. Dafür lieferte Wilhelm Bender Schlagzeilen. „Wir brauchen Lösungen“, wetterte der Aufsichtsrat gegen den Sportdirektor, „wir werden nicht für Bemühungen bezahlt, sondern für Erfolge.“

Peng, das saß! Hübner aber ließ sich nicht beirren und lieferte dann doch noch Namen. Er holte Thomas Schaaf als Trainer und Spieler wie Haris Seferovic, der ganz genau weiß, wo das gegnerische Tor steht. „Den hätte ich auch gern“, sagt Armin Veh, der inzwischen beim VfB Stuttgart angeheuert hat, über den Schweizer Nationalstürmer. Hübner holte auch Makoto Hasebe. Der Japaner, der 2009 deutscher Meister mit dem VfL Wolfsburg war, tut Frankfurt mit seiner Erfahrung aus 81 Länderspielen gut, genauso wie andere Neuzugänge auch.

Den kantigen Spruch des Aufsichtsrats Wilhelm Bender tut Bruno Hübner inzwischen ab als „Äußerung eines Menschen, der in das Gremium gewählt werden und sich vielleicht profilieren wollte“. Er weiß, er hat gute Arbeit geleistet – wieder mal. Als Tabellen-Achter hat die Eintracht einen guten Start hingelegt. Dennoch mahnt Hübner: „Aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel ist es uns in Frankfurt nie gelungen, den zweiten Schritt zu machen. Jetzt ist uns zum dritten Mal im dritten Jahr der Umbruch in der Mannschaft gelungen. Aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht jedes Mal bei null anfangen.“

Denn die Gefahr ist groß, dass das irgendwann einmal schiefgeht.

Da ist es nachvollziehbar, dass da eine Sehnsucht nach einem Umfeld aufkommt, in dem es sich anscheinend leichter arbeiten lässt. Beim VfB ist die Gefahr, dass es schiefgeht, zwar mindestens genauso groß, wie der Blick auf die Tabelle mal wieder erkennen lässt. Dennoch hört Bruno Hübner ganz genau hin, wenn Armin Veh über seinen neuen Arbeitgeber redet. Und was er da hört, scheint ihm zu gefallen: „Der VfB ist ein Riesenverein und liegt von seinen Möglichkeiten her weit vor der Eintracht, hat mir Armin gesagt.“

Der Verein muss sich schütteln und neu ordnen

Veh hat offenbar noch mehr Positives über den VfB gesagt, denn auch Hübner sagt noch mehr Positives über den VfB – Worte, die auch im direkten Bewerbungsgespräch um das Amt des entlassenen Fredi Bobic auf Gefallen stoßen würden. Bis er sich innerlich zur Ordnung ruft und flugs hinterher schiebt: „Ich habe mich nicht detailliert mit dem VfB beschäftigt. Nach der Trennung von Fredi Bobic muss sich der Verein schütteln und neu ordnen. Und ich will nicht zusätzlich Unruhe reinbringen.“

Andererseits hätten Armin Veh und er immer betont, „dass wir eines Tages wieder zusammenarbeiten wollen“ – warum also nicht demnächst wieder beim VfB? „Wir haben das gesagt, aber wann der richtige Zeitpunkt ist, müssen wir sehen“, sagt Bruno Hübner. Eine Absage klingt anders. Und zumindest indirekt hat sich Hübner erst kürzlich mit dem VfB beschäftigt.

Die langwierige Spielersuche in Frankfurt habe etwas mit dem „überhitzten Markt nach der WM“ zu tun gehabt, sagt Hübner, „gute Spieler waren da erst mal nicht finanzierbar. Nehmen Sie doch Filip Kostic, was der den VfB gekostet hat.“ Rund sechs Millionen Euro nämlich, was durchaus als Kritik an Fredi Bobic zu verstehen ist, der dieses Geld für Kostic lockergemacht hat. Hübner hätte das wohl nicht getan, ist seinen Worten zu entnehmen: „Du musst ruhig bleiben und im entscheidenden Moment zuschlagen“, sagt er. So hat er Haris Seferovic für vergleichsweise günstige 3,2 Millionen Euro bekommen, obwohl italienische und englische Vereine Interesse gezeigt und dadurch die Ablöse für den Schweizer WM-Angreifer erst mal in die Höhe getrieben hatten. Mit vier Toren und zwei Vorlagen in neun Pflichtspielen hat Seferovic die Erwartungen in Frankfurt voll erfüllt.

Mit den jüngsten Transfers hat sich Hübner ein Stück weit von Armin Veh emanzipiert, doch die erfolgreiche Transferpolitik, die beide seit 2011 betrieben haben, wirkt nach. Hübner schwärmt, sie hätten gleich nach dem Abstieg gezielt nach Spielern gefahndet, die „genug Qualität für die Bundesliga mitgebracht haben und gleichzeitig die Mentalität hatten, erst einmal die zweite Liga anzunehmen“. Wobei Veh stets als Antreiber und Macher galt und Hübner als derjenige, der die Transfers unter Dach und Fach brachte. Mehr als 80 Spieler sind so seit 2011 bei der Eintracht ein- und ausgegangen, aber in den meisten Fällen ist die Rechnung aufgegangen. Was umso wichtiger ist, als die Frankfurter mit 33 Millionen Euro einen deutlich kleineren Etat als der VfB (42 Millionen Euro) haben, da muss nahezu jeder Transfer sitzen.

Hübner und Veh haben also bei jeder einzelnen Personalie genau hingeschaut, was angesichts der personellen und finanziellen Ausstattung der vereinseigenen Scoutingabteilung wohl auch dringend geboten war. Hübner mag nur verschämt darüber sprechen: Zwei Mitarbeiter sind für die Analyse des jeweiligen Gegners zuständig, und zwei Mann waren unterwegs, um Spiele(r) zu beobachten. Erst vor dieser Saison hat sich der Verein zusätzlich einen Leiter für das Scouting und zwei weitere Mitarbeiter geleistet. „Armin Veh und ich haben fantastisch gut zusammengearbeitet, vertrauensvoll und auf einer Wellenlänge, sowohl fachlich als auch menschlich“, schwärmt Bruno Hübner.

Einsilbig wird er nur bei der Frage, ob er die Eintracht inzwischen so gut aufgestellt hat, dass er sie guten Gewissens in der Winterpause verlassen und beim VfB anfangen könnte: „Dazu will ich nichts sagen.“ Das klingt eher wie: Bruno Hübner und der VfB – sag niemals nie!

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