Entzaubert: 2008 flog der VfB als Meister gegen Jena aus dem Pokal. Foto: Getty

18 000 Fans, Flutlicht-Atmosphäre und ein hoch motivierter Gegner: Im DFB-Pokalspiel bei Carl Zeiss Jena braucht der VfB Stuttgart einen Auftritt mit Hand und Fuß – weshalb Lukas Rupp nicht dabei sein kann.

Stuttgart/Jena - Christian Gentner und Serey Dié müssen erneut passen, wie die angeschlagenen Filip Kostic und Robbie Kruse sowie die Langzeitverletzten Daniel Ginczek und Mitch Langerak. Damit klaffen auf den Sechser-Positionen wieder zwei Lücken, was kein Problem wäre: Der VfB hat ja noch Lukas Rupp. Besser gesagt: Er hatte. Denn der Ex-Paderborner hat, um im Bild zu bleiben, zwar Hand und Fuß – aber von Ersterer nur eine gesunde. Das ist zu wenig, um sich in Jena ins Getümmel zu stürzen.

Vergangenen Samstag hatte sich Rupp im Bundesligaspiel bei Bayer Leverkusen die rechte Hand gebrochen. Zunächst sollte er mit Manschette in Jena spielen, doch dann entschieden die Ärzte: Rupp muss unters Messer. Am Dienstagvormittag richtete ­Thomas Ebinger im Stuttgarter Olga-Krankenhaus das Gelenk. Rupp fällt auch im ­Bundesliga-Heimspiel gegen Darmstadt 98 an diesem Sonntag (15.30 Uhr/Sky) aus, in der Partie bei Bayern München am 7. November (15.30 Uhr) soll er wieder mitwirken können. In Jena springt für ihn Marvin Wanitzek ein, der gerade erst von einem Ödem am Fuß genesen ist. „Das ist schade für Lukas, aber wir werden trotzdem nicht mit einer A-Jugend-Truppe antreten“, sagt Trainer Alexander Zorniger. Und das ist wichtig.

Denn beim Dritten der Regionalliga Nordost braucht er Männer. Ganze Kerle, die einstecken, sich aber auch wehren können. Mittels Zusatztribünen erwartet Carl Zeiss 18 000 Zuschauer – die größte Nachwende-Kulisse. Die werden ihre Mannschaft nach vorne peitschen, da hat Zorniger keine Zweifel. „Viele unserer Spieler haben international schon eine ähnlich hitzige Atmosphäre erlebt“, sagt er, „es wird definitiv wehtun, wenn du auf den Ball trittst und den Körper reinstellst. Aber das musst du annehmen.“ Damit nicht wieder ein Missgeschick passiert wie am 26. Februar 2008.

Mario Gomez jubelte 2008 im Pokalspiel gegen Jena zu früh

Der VfB war deutscher Meister und hatte Heimrecht, Jena, damals noch zweite Liga, spielte frech mit. Nach 90 Minuten stand es 1:1, nach 120 Minuten 2:2, und am Ende hieß es 7:6 nach Elfmeterschießen – für Jena.

Der VfB war entzaubert.

Noch heute haben sie in Jena die Bilder von damals vor Augen. Wie sich Mario Gomez, der Doppeltorschütze des VfB, nach seinem Treffer zur 2:1-Führung (94.) wie der sichere Sieger auswechseln ließ. Wie Robert Müller (120.) das Elfmeterschießen erzwang. Wie Antonio da Silva den einzigen Elfmeter des Abends verschoss. Wie Jan Simak, der heute im Alter von 37 Jahren beim tschechischen Zweitligisten Dynamo Budweis spielt, traf und sich für den VfB empfahl, der ihn 2008 tatsächlich verpflichtete. Und wie Torsten Ziegner den letzten Elfmeter gegen Sven Ulreich verwandelte. „So eine magische Nacht wünsche ich meinen Jungs diesmal auch“, sagt Jenas Trainer Volkan Uluc.

„Jena wird ekelhaft“, befürchtet Alexander Zorniger, wobei er einzig das Spiel meint, das robust geführt werden wird. Nicht umsonst stellt Jena die beste Abwehr der Regionalliga (fünf Gegentore in zwölf Spielen). Ihr steht die schlechteste Abwehr der Bundesliga (23 Gegentore in zehn Spielen) gegenüber. „Stuttgart hat viel Druck auf dem Kessel“, ahnt Trainer Uluc und spielt damit auf die schon wieder brenzlige Lage beim VfB an, der gewarnt ist: In der ersten Runde kegelte Jena den Hamburger SV mit 3:2 nach Verlängerung aus dem Pokal. „Jena will auch gegen uns mehr, als nur gut auszusehen“, schätzt Zorniger.

Carl Zeiss Jena mietet für 100 000 Euro eine mobile Flutlichtanlage

Für den dreimaligen DDR-Meister und viermaligen Pokalsieger geht es um mehr als den Sieg. Es geht um eine erfolgreichere Zukunft. Deshalb hat der Verein eigens für die Partie gegen den VfB in England eine mobile Flutlichtanlage gemietet – die 39 Jahre alten Masten waren 2013 nach einem Hochwasser aus Sicherheitsgründen abgesägt worden. Drei Viertel der Kosten von 100 000 Euro zahlt die Stadt Jena, die jüngst auch grünes Licht für den Ausbau des Ernst-Abbe-Sportfelds in eine 15 000-Mann-Arena gegeben hat. „Carl Zeiss Jena gehört in die dritte Liga“, sagt Präsident Lutz Lindemann. Und, wenn es nach ihm geht, auch ins Viertelfinale des DFB-Pokals. Selbst schuld, wenn der VfB das zulässt. So wollen sie spielen:Carl Zeiss Jena: Koczor - Eismann, Klingbeil, Gerlach, Krstic - Bär, Krauße, Erlbeck, Schlegel - Jovanovic, Starke. VfB: Tyton - Klein, Sunjic, Baumgartl, Insua - Schwaab, Gruezo - Didavi, Maxim - Harnik, Werner. Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)

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