Schal, dicke Jacke und Mütze sind auf den Rängen Trumpf – ansonsten erwärmen Siege wie der des VfB gegen Leipzig die Herzen der Fans. Foto: Pressefoto Baumann/Volker Müller

Die Winterpause ist stark verkürzt – dafür gilt es für den VfB, in den kalten Monaten Januar und Februar ein Rekordpensum zu absolvieren. Frierende Fans inklusive. Doch der Rahmenterminkalender von Fifa und Uefa ist unerbittlich.

Der Höhepunkt der sportlichen Eiszeit war am 19. Dezember 2009 erreicht, als der VfB in einem wahren Kälteschocker bei minus 17 Grad Außentemperatur die TSG Hoffenheim auf, trotz Rasenheizung, leicht gefrorenem Boden mit 3:1 besiegte. Kalte Glieder gab es für die Fans beim Fußball also auch zu Zeiten, in denen es in der Bundesliga noch eine längere Winterpause gab.

 

Doch auch jetzt ist wieder bibbern im Akkord angesagt, sind Schal, Mütze, Stiefel, lange Unterhose oder Wärme-Pads Trumpf: Denn dieser Tage erlebt der Fußball on Ice bei tief winterlichen Temperaturen einen neuen Höhepunkt: Schließlich ging es nicht nur für das Stuttgarter Team von Trainer Sebastian Hoeneß nach nur 22 Tagen Spielpause am vergangenen Sonntag mit dem 1:0-Sieg in Augsburg bei Minusgraden nach nur kurzer Unterbrechung wieder los.

„So voll war der Januar noch nie“, klagte der Münchner Routinier Thomas Müller nach dem 5:0-Kantersieg über Hoffenheim. Immerhin ging es für die gesamte Liga nach dem Kaltstart gleich in eine englische Woche. Mit Minusgraden bei Anpfiff spät am Abend um 20.30 Uhr. So wartet auf die Bayern, den VfB und die Topteams in den Kältemonaten Januar und Februar gleich ein Rekordpensum. Zwölf Pflichtspiele in der Bundesliga, der Champions League und im DFB-Pokal sind etwa für die Stuttgarter in Summe bis zum 28. Februar, wenn der FC Bayern im Neckarpark aufkreuzt, im pickepackevollen Terminkalender notiert.

Sepp Blatter findet kein Gehör

Schließlich fand der Plan des ehemaligen Fifa-Präsidenten Sepp Blatter, auch die Meisterschaften der großen europäischen Ligen ähnlich wie die in Norwegen oder Russland von März bis November auszuspielen, nie eine Mehrheit.

Schuld am aktuellen Schockfrosten auf den Stadionrängen ist allerdings der Rahmenterminkalender, den die beiden Dachorganisationen, die europäische Uefa sowie die weltweit agierende Fifa, vorgeben. „Wir sitzen nicht überall im Fahrersitz“, sagt Marc Lenz, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), die den Bundesligabetrieb verantwortet.

So beendet die Liga bereits am 17. Mai, wenn langsam T-Shirt-Wetter angesagt ist, ihren Spielbetrieb. Schuld daran ist die Masse an Spielen, die es abseits des heimischen Wettbewerbs noch zu absolvieren gilt. So stehen im Juni noch Länderspiel-Partien der Uefa-Nations-League an, während im Juli erstmalig die Club-WM der Fifa in neuem, mit den Bayern und dem BVB auf 32 Teams aufgeblähtem Rahmen über die Bühne geht.

Zwischen Saisonstart und -ende der Bundesliga bleibt so immer weniger Zeit: In der Champions League stehen im neuen Modus diesmal 189 statt wie früher 125 Spiele an. Das bedeutet mehr englische Wochen – und somit einen Anstieg der Spiele zu späten Anstoßzeiten, wo es gerade im Winter ungemütlich kalt ist. Vor dem VfB-Sieg gegen RB Leipzig gab es daher trotz 117 000 vorzugsberechtigten Mitgliedern erstmals nach längerer Zeit wieder bis kurz vor Anpfiff Karten im freien Verkauf.

Sollte der VfB wie die Bayern, Leverkusen und der BVB in der Champions League bleiben – und die Spiele der K.o.-Zwischenrunde erreichen –, geht es für den Club bis Ende Februar mit diversen englischen Wochen weiter. Die Fans hoffen bei eiskalten Temperaturen auf Spiele wie das gegen Leipzig, die immerhin das Herz erwärmen.

Wurde in den 60er und 70er Jahren im Winter durchgespielt, änderte sich dies mit der Einführung der Winterpause in der Saison 86/87, die zwei Jahre später ihre Rekordlänge von 77 Tagen bis Ende Februar erreichte. Zu viele Spielausfälle waren damals in den noch schneereichen Wintern der Grund. Seit der Saison 2008/09, als eine Rasenheizung für alle Bundesligisten Pflicht wurde, ist dieses Thema weitgehend obsolet.