Neuer Trainer, neuer Kapitän: Für Bernd Wahler überstürzen sich die Ereignisse. Foto: Pressefoto Baumann

Die Aufbruchstimmung beim VfB Stuttgart soll sich bis in die Nationalelf auswirken. „Ich bin zuversichtlich, dass wir ein paar Talente heranführen können“, sagt Präsident Bernd Wahler.

Stuttgart - Die Aufbruchstimmung beim VfB Stuttgart soll sich bis in die Nationalelf auswirken. „Ich bin zuversichtlich, dass wir ein paar Talente heranführen können“, sagt Präsident Bernd Wahler.

Herr Wahler, so rasant wie Sie ist noch kein VfB-Präsident ins Amt gestartet. Noch bevor Sie angetreten sind, musste Bruno Labbadia gehen. Ist das Ihr normales Arbeitstempo?
Der Trainerwechsel war sicher nicht der Plan bei meiner Wahl. Aber bald darauf drängte das Thema leider. Als klar war, dass der Wechsel unausweichlich wurde, waren wir uns einig, dass er so schnell wie möglich über die Bühne gehen sollte.
Als der Trainer weg war, ging auch noch Kapitän Serdar Tasci von Bord.
Es ist nie schön, wenn ein verdienter Spieler den Verein verlässt. Er ist ja noch verletzt. Ich wünsche ihm, dass er gesund wird und bei Spartak Moskau schnell Tritt fasst.
War Tascis Abgang finanziell notwendig, um den Einnahmeverlust durch das Aus in der Europa League auszugleichen?
Nein, die wirtschaftliche Seite war sicher nicht der wichtigste, aber einer von ­mehreren Aspekten.
Es ging Schlag auf Schlag, dabei wollten Sie erst einmal Eindrücke sammeln und das Innenleben des Vereins besser kennenlernen.
Das mache ich auch. Ich habe mir zum Beispiel vergangene Woche die Zeit genommen, durch alle Abteilungen zu gehen. Jetzt werden noch viele Gespräche folgen.
Ihr Vorgänger Gerd Mäuser fiel durch eine recht ruppige Art auf. Wie ist Ihr Führungsstil?
(Lacht) Ich habe noch nie unter mir gearbeitet. Aber im Ernst: Ich versuche, ich selbst zu sein, und ich interessiere mich für Menschen. Ich will verstehen, was die Leute machen, wie sie denken und fühlen. So bekomme ich am meisten zurück. Wir wollen gemeinsam mit Freude die Dinge angehen. Lachen ist dabei durchaus auch erlaubt.
Am Montag haben Sie alle überrascht, als Sie, völlig ungewohnt, eine Krawatte trugen.
Es war der 120. Jahrestag der Vereinsgründung. Das war mir die Krawatte wert.
Sie haben sie aber schnell abgelegt.
(Lacht) Ja, nicht dass die Leute denken, ich sei overdressed. Außerdem ist der VfB ein Sportverein, ich bin ein sportlicher Typ – da gehören dann auch sportliche Kleidung und ein sportlicher Ton dazu.
Keine Angst, dass die Hierarchie verwischt?
Es geht einzig um respektvollen Umgang miteinander. Das mache ich nicht abhängig von Kleidung, Titel oder dem Du in der ­Ansprache.
Wie tasten Sie sich jetzt in Ihr Amt? Was nehmen Sie sich als Erstes vor?
Ich will mir zwei Monate Zeit nehmen, um tiefer in die Materie einzusteigen. Wir werden neben den aktuellen Themen dann sicher auch einen Plan für die nächsten drei bis fünf Jahre erarbeiten.
Wo soll der VfB dann sportlich stehen?
Ein Ziel für diesen Zeitraum sollte die Champions League sein.
Ein klarer Auftrag an den neuen Trainer Thomas Schneider. Wie schätzen Sie ihn ein?
Das ist kein Auftrag an Thomas Schneider, sondern unser aller Ziel im Verein. Thomas Schneider ist ein guter Typ, kompetent, locker und sehr realistisch. Er spricht die Sprache der Spieler, das ist wichtig.
Wie bewerten Sie das 6:2 gegen Hoffenheim?
Das war sicher eine Befreiung für alle. So viel Spielfreude, so viel Spielwitz – was da rüberkam, war sagenhaft. Alexandru Maxim, Timo Werner und Moritz Leitner haben zum Beispiel viel Kreativität ins Spiel gebracht. Dazu war die Mannschaft insgesamt stabil. Es war toll zu sehen, was mit unserer Mannschaft alles möglich ist.
Schneider hat die Mannschaft auf einigen Positionen umgekrempelt. Überrascht?
Nach dem Spiel habe ich zu ihm gesagt: Diese Aufstellung war aber mutig! Er hat geantwortet: Das war überhaupt nicht mutig, mir war völlig klar, dass wir so aufstellen mussten. (Schmunzelt) Er hat es mir erklärt. Ich habe verstanden, dass es weniger mit Mut zu tun hatte als mit seinen Eindrücken aus dem Training.
Timo Werner ist ein Riesentalent. Wird er der nächste deutsche Nationalspieler des VfB?
Das würde uns natürlich freuen, aber wir tun nach seinem ersten Bundesligaspiel sicher gut daran, ihn behutsam und verantwortlich weiterzuentwickeln. Wir haben ein paar Talente, die in den Jugend-Nationalmannschaften eine gute Rolle spielen. Unser Ziel muss es auch sein, ein paar von ihnen an die A-Mannschaft heranzuführen. Ich bin diesbezüglich recht zuversichtlich.
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