Erst mit 25 gab Daniel Elfadli sein Profidebüt. Am Sonntag trifft der VfB auf den HSV – seinen heutigen Club. Sein ehemaliger Trainer erinnert sich an seine Anfänge in der Landesliga.
Die Karriere von Bundesliga-Profi Daniel Elfadli wirkt wie ein Gegenentwurf zum durchstrukturierten Profifußball. Mit 25 Jahren gab er sein Profidebüt. Während andere Talente früh Leistungszentren durchlaufen, stand der gebürtige Leonberger noch mit 21 Jahren für die SKV Rutesheim in der Landesliga auf dem Platz – gegen Ludwigsburg, Backnang oder Brackenheim. An einen Profivertrag dachte damals niemand. Und doch begann genau dort jene stetige Entwicklung, die ihn schlussendlich zum HSV in die Bundesliga führen sollte. Heute heißen die Gegner Bayern und Dortmund – und an diesem Sonntag der VfB (15:30). Gegen Stuttgart wird der Defensivspieler verletzungsbedingt allerdings fehlen. Trotzdem: Elfadlis Weg zeigt, dass es manchmal nicht zu spät ist, um große Ziele zu erreichen.
Rolf Kramer, sein damaliger Trainer bei der SKV, hat diese Jahre intensiv miterlebt. Zwei Spielzeiten lang begleitete er Elfadli – und erinnert sich an einen Spieler, der zunächst wenig Aufmerksamkeit erregte, dafür aber umso beharrlicher arbeitete. „Im ersten Jahr ging es für ihn überhaupt erst darum, bei uns Stammspieler zu werden“, sagt Kramer. Oft kam Elfadli von der Bank, manchmal half er sogar in der zweiten Mannschaft aus.
Was andere vielleicht entmutigt hätte, wurde für ihn zum Antrieb. Kramer beschreibt es so: „Er hat immer wieder geschluckt und trotzdem weitergemacht. Nie schlechte Laune, nie nachtragend. Das beeindruckt mich bis heute.“ Und er fügt hinzu: „Er war mit Abstand der fleißigste, ehrgeizigste Spieler, den wir hatten. Vor dem Training, nach dem Training – er hat wahnsinnig viel investiert.“
„Einfach weitermachen, Schritt für Schritt“
Gerade dieses stetige Weiterarbeiten, sagt Kramer, sei der Kern seiner Entwicklung: „Man sieht an ihm, wie weit man kommen kann, ohne ständig an das große Ganze zu denken. Einfach weitermachen, Schritt für Schritt.“
Nach zwei Jahren in Rutesheim war klar, dass Elfadli bereit war für einen nächsten dieser Schritte. Aber nicht überall sofort erkannt wurde. „Ich habe hier noch eine Mail von einem Club, der ihn angeschaut und abgelehnt hat“, erzählt Kramer. „Aber das war ja nicht das einzige Mal in seiner Karriere.“ Dennoch kam die Entwicklung ins Rollen: der Wechsel zum SSV Reutlingen klappte. Von dort nahm Elfadlis Lauf an Tempo auf – über Nöttingen und Aalen bis zum 1. FC Magdeburg, wo er mit 25 Jahren sein Profidebüt feierte. Ein spätes Alter, aber ein logischer Punkt auf seinem Weg.
Zwei erfolgreiche Jahre in Magdeburg später folgte 2024 der Wechsel zum Hamburger SV. Dort entwickelte er sich nicht nur zu einem wichtigen Leistungsträger, sondern war Teil der Mannschaft, die den lange ersehnten Wiederaufstieg schaffte. Charakterlich aber ist er derselbe geblieben, sagt Kramer: „So bodenständig und nahbar, wie er jetzt ist so war er schon immer. Es gibt keinen, der es ihm nicht gönnt.“
Am Sonntag hätte für Elfadli eine besondere Partie steigen können: Der HSV trifft in Hamburg auf den VfB Stuttgart (15:30) und damit auf den größten Club jener Region, in der seine unwahrscheinliche Karriere einst begann und in der seine Familie noch heute lebt. Aufgrund seiner Adduktorenverletzung, die er sich beim 1:1 gegen den BVB zuzog, wird der 28-Jährige jedoch nicht spielen können. In der vergangenen Woche konnte Elfadli zwar bereits wieder am Training teilnehmen, doch HSV-Trainer Merlin Polzin erklärte am Freitagvormittag auf der Pressekonferenz, dass die Entwicklung noch nicht so weit fortgeschritten sei, um ihn für das Spiel zu nominieren: „Das heißt, er wird nicht zur Verfügung stehen.“ Polzin betonte jedoch, dass es sich nicht um einen Rückschlag handele: „Er fühlt sich eigentlich gut. Wir werden ihn Schritt für Schritt weiter belasten“. Wann genau mit einem Comeback zurechnen ist, lässt der Trainer noch offen: „Wir wollen nicht zu sehr ins Risiko gehen, das Ziel ist aber, ihn schnellstmöglich zurückzubekommen.“