Daniel Ginczek, Anastasios Donis, Orel Mangala und Holger Badstuber (von li.) standen beim Stuttgarter 4:1-Auswärtssieg am 12. Mai in München allesamt in der Anfangsformation. Foto: Baumann (3), dpa (2), Getty

Holger Badstuber, Orel Mangala, Daniel Ginczek und Anastasios Donis waren Teil der Elf, die zum Abschluss der Vorsaison mit 4:1 beim FC Bayern München siegte. An ihren Beispielen lässt sich aufzeigen, was seitdem beim VfB Stuttgart schiefgelaufen ist.

Stuttgart - Es war der krönende Schlusspunkt einer herausragenden Rückrunde in der Fußball-Bundesliga: Mit 4:1 siegte der VfB Stuttgart beim FC Bayern München, ­bevor die fahrig agierenden Gastgeber die Meisterschale in Empfang nahmen. Platz sieben in der Endtabelle, Platz zwei in der Rückrundentabelle – klar, dass da mancher in Stuttgart zu träumen begann. Das Erwachen war jedoch jäh. Acht Monate später kämpft der VfB wieder gegen den Abstieg.

War der Coup in München letztlich mehr Fluch als Segen? „Ich würde die tolle Rückrunde mit dem 4:1 in München als krönendem Abschluss nicht als Fluch bezeichnen. Zu sagen, dass die aktuelle Saison ohne diesen Triumph anders verlaufen wäre, ist rein hypothetisch“, sagt VfB-Sportvorstand ­Michael Reschke und fügt an: „Der Sieg in München war ein schöner Moment, den alle im Verein inklusive der Fans sehr gerne mitgenommen haben. Ich habe gesagt, lasst uns den Abend genießen, lasst uns Kraft sammeln, es kommen auch wieder andere Zeiten. So ist es dann ja auch leider gekommen.“

Der VfB geht als Tabellen-16. mit nur 14 Punkten in den zweiten Spieltag der Rückrunde am Sonntag (15.30 Uhr/Liveticker) beim FC Bayern. Was seit dem Coup in München am 12. Mai schiefgelaufen ist? Ein Blick auf vier Protagonisten des Triumphs, die damals ­allesamt in der Startelf standen.

Holger Badstuber

15 Jahre lang war Holger Badstuber beim FC Bayern, von 2002 bis 2017. Sechs Meisterschaften, drei Pokalsiege und ein Champions-League-Triumph stehen aus dieser Zeit in seiner Vita. Vor dem Spiel am 12. Mai wurde er offiziell verabschiedet. Badstuber war ein entscheidender Faktor dafür, dass der VfB in der vergangenen Runde nur 36 Gegentore in den 34 Partien bekam. Er ist aber auch ein maßgeblicher Faktor, dass die Stuttgarter in dieser Spielzeit nach 18 Begegnungen bereits zwei Gegentreffer mehr kassiert haben als in der gesamten Vorsaison. Nachdem es mit einem Wechsel zu einem international vertretenen Club nicht geklappt hatte, unterschrieb Badstuber im Sommer einen gut dotierten Dreijahresvertrag beim VfB – und hat seitdem die (eigenen) Ansprüche nicht mehr erfüllen können.

Der 29-Jährige war als Säule der Mannschaft eingeplant, doch er patzte zu Saisonbeginn, fiel eine Weile mit einer Wadenverletzung aus und ist mittlerweile nur noch Ersatz (wenngleich er am Sonntag in der Anfangsformation stehen könnte). Badstuber ist die Symbolfigur dafür, wie die Stuttgarter ihre Defensivstärke eingebüßt haben. „Es ist unheimlich schwer, wenn du so viele Gegentore bekommst wie wir“, sagt VfB-Trainer Markus Weinzierl. „Das muss der erste Schlüssel sein, dass wir das abstellen.“

Orel Mangala

Der größte Gewinner des VfB in dieser Saison spielt zurzeit gar nicht beim VfB. Orel Mangala ist noch bis Saisonende an den Hamburger SV ausgeliehen (ohne Kauf­option), überzeugt Woche für Woche in der zweiten Liga und entwickelt sich prächtig, während die Stuttgarter genau in seinem Wirkungskreis im zentralen Mittelfeld große Probleme haben. Dem 20-jährigen Belgier wurde im Sommer eine tragende Rolle noch nicht zugetraut, stattdessen verpflichtete der VfB Gonzalo Castro für fünf Millionen Euro. Der erfahrene Zugang von Borussia Dortmund enttäuschte bisher und wurde zuletzt auf die Rechtsverteidigerposition verschoben.

Auch die jungen Sommereinkäufe Pablo Maffeo (zehn Millionen Euro), Nicolas Gonzalez (8,5 Millionen Euro) und Borna Sosa (sechs Millionen Euro) haben ihre üppigen Preisschilder bisher nicht rechtfertigen können. Daniel Didavi (vier Millionen Euro) konnte in der Hinrunde aufgrund von Achillessehnenbeschwerden nicht weiterhelfen. Einzig Marc Oliver Kempf (ablösefrei) ist unumstrittener Stammspieler. Im Transfer-Halbjahreszeugnis von Michael Reschke steht somit eine Fünf – Versetzung stark gefährdet. Ob die Nachhilfe in Form der Wintertransfers Alexander Esswein, Steven Zuber und Ozan Kabak genügt, um das Klassenziel zu erreichen?

Daniel Ginczek

Der VfB hat im Sommer nur einen Stammspieler abgegeben: Daniel Ginczek, der beim 4:1 in München zweimal traf. Der Stürmer wechselte zum VfL Wolfsburg, dem er aufgrund einer Bandverletzung im rechten Fuß allerdings jetzt rund zwei Monate fehlen wird. Er hat beim VfB eine Lücke hinterlassen, die noch immer klafft. Weil Daniel ­Didavi aufgrund seiner anhaltenden Verletzungsthematik nicht als Torschütze in die Bresche springen konnte oder auch der 20 Jahre junge Nicolas Gonzalez nach seiner Ankunft aus Argentinien lange auf einen Treffer warten musste. Und weil mit Daniel Ginczek offenbar mehr verloren gegangen ist als nur ein Stürmer mit guten Abschlussqualitäten. „Ich habe schon vor der Saison gesagt: Der VfB hat Qualität geholt und Mentalität gehen lassen“, sagte bereits im September Ginzcek-Kumpel Matthias ­Zimmermann, der seinerseits im Sommer zu Fortuna Düsseldorf gewechselt war. Zuletzt gegen den FSV Mainz 05 (2:3) hat den Stuttgartern definitiv auch Mentalität gefehlt, auch wenn sie nach dem 0:3-Rückstand noch einem Punktgewinn nahe kamen.

Anastasios Donis

Nur 19 Prozent Ballbesitz, lediglich 58 Prozent Passgenauigkeit und sieben Torschüsse – das hat dem VfB zu seinem 4:1-Erfolg in München genügt. Weil Anastasios Donis zeigte, was er drauf hat. Es war sein Spiel, das Spiel seines Lebens. Er bereitete das 1:0 vor und erzielte – nach seinem Fehler vor dem 1:1 – dank eigenem Ballgewinn und furiosem Solo das 2:1 selbst. Später leitete er auch noch das 4:1 ein. Manchmal rennt der Grieche mit den außergewöhnlichen individuellen Fähigkeiten allen Gegenspielern einfach im Stile eines Weltklassemanns davon, wie in jener Partie – manchmal steht er sich aber auch selbst amateurhaft im Weg.

Im Winter-Trainingslager in La Manga verpasste er einen Termin und wurde von Markus Weinzierl mit Nichtberücksichtigung für ein Testspiel und Einzeltraining abgestraft, was ihn im Kampf um die Stammplätze zurückwarf. Dabei war Donis nach seinem Muskelbündelriss im Oberschenkel am Ende der Hinrunde sehnsüchtig zurückerwartet worden – und erzielte gegen den FC Augsburg (1:0) auch das entscheidende Tor. Doch er ruft nicht konsequent und konstant genug ab, was in ihm steckt, womit er symbolisch für die gesamte VfB-Mannschaft in dieser Saison steht.

In unserer Bildergalerie blicken wir nochmal auf den Stuttgarter 4:1-Triumph in München zurück.

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