Der VfB-Angreifer Nick Woltemade (rechts) kommt bei Trainer Sebastian Hoeneß bisher als Teilzeitkraft zum Einsatz. Foto: Baumann

Der Offensivspieler kehrt an diesem Samstag nach Bremen zurück. Ob er von Anfang spielt, verrät Sebastian Hoeneß nicht – dafür geht der Chefcoach auf dessen sportliches Profil ein.

Nick Woltemade kehrt in seine Heimatstadt zurück. Erstmals seit seinem Wechsel zum VfB Stuttgart. Vorher hat es der Offensivspieler schlichtweg nicht geschafft, nach Bremen zu kommen. Jetzt führt in eine Dienstreise dorthin, wo er vor 22 Jahren geboren wurde und wo er aufgewachsen ist. Zehn Minuten vom Weserstadion entfernt. „Das ist definitiv ein besonderes Spiel für mich. Schließlich habe ich 14 Jahre lang für Werder gespielt. Gefühlt kenne ich dort alles und jeden. Das ändert aber natürlich nichts daran, dass ich die drei Punkte am liebsten wieder mit in den Süden nehmen möchte“, sagt Woltemade vor dem Aufeinandertreffen mit alten Bekannten an diesem Samstag (15.30 Uhr).

 

Die sportliche Ausgangslage ist dabei herausfordernd. Der VfB hat zwar in der Bundesliga zuletzt gegen den VfL Bochum 2:0 gewonnen, wenige Tage später aber in der Champions League mit 1:5 bei Roter Stern Belgrad verloren. Die Stuttgarter ringen darum, ihre Leistungen zu stabilisieren. Diese schwanken zwischen internationalem Format und nationalem Durchschnitt. „Die Niederlage in Belgrad war deutlich. Wir müssen dieses Ergebnis schnell abhaken. Das Gute an unserem Rhythmus ist ja unter anderem, dass wir wenige Tage später gleich wieder die Chance erhalten, es besser zu machen. Darauf fokussieren wir uns“, sagt Woltemade, der in Serbien aufgrund der Regularien nicht dabei war.

Natürlich wäre Woltemade gerne in der Königsklasse am Ball. Die Entscheidung, ihn nicht zu melden, nimmt er jedoch sportlich. Jetzt fühlt sich der Schlaks ausgeruht und voller Tatendrang. Am liebsten möchte er gegen Werder wieder einen Platz in der Startelf erobern. Gegen die Bochumer war das in der Liga erstmals der Fall. Insgesamt stehen bisher sechs Teileinsätze mit einem Tor in Woltemades Saisonstatistik. Im DFB-Pokal kam er besser zum Zug. Da lief er zweimal von Beginn an auf und erzielte zwei Treffer.

An den Auftritten des 1,98 Meter großen Stürmers scheiden sich dabei die Geister. Er ist spielstark, schwer vom Ball zu trennen und bewegt sich gut zwischen den Linien. Sebastian Hoeneß hält ihn aufgrund seines sportlichen Profils für „super interessant“ und ist überzeugt davon, die bisherige Abschlussschwäche (zuvor zwei Treffer und eine Torvorlage in 51 Bundesliga-Einsätzen für die Bremer) zu verbessern. „Er hat bei uns jetzt schon eine gute Quote und wir arbeiten daran, dass er verstärkt in torgefährliche Räume kommt“, sagt der Trainer. In der U-21-Auswahl klappt es ja auch mit dem Toreschießen.

Doch es gibt zudem diese andere Seite, wenn Woltemades Aktionen eher unglücklich aussehen und auch laufen. Das mag an seiner Statur liegen – aber nicht nur. Woltemade hat Zeit gebraucht, um sich in das VfB-System einzufügen. Nun bildet er eine stärker werdende Alternative, zumal Deniz Undav, Jamie Leweling und El Bilal Touré verletzt ausfallen. „Ich war mir meiner Rolle als junger Spieler von Anfang an bewusst und kann die sportliche Situation einschätzen. Die Aufgabe beim VfB ist anspruchsvoll, da ich zum Vizemeister gekommen bin. Gerade auf meiner Position herrscht ein großer Konkurrenzkampf. Mittlerweile habe ich mir eine Position erarbeitet, in der ich die Möglichkeit habe, auf mehr Einsatzminuten zu kommen. Diesen Weg will ich fortsetzen“, sagt Woltemade.

In Bremen sah sich der Angreifer am Ende eines Kapitels. Er wollte etwas Neues wagen und entschied sich für den ablösefreien Wechsel im vergangenen Sommer – obwohl ihn Werder unbedingt halten wollte. „Mit seiner Entscheidung, uns zu verlassen, muss man leben. Ich hätte allerdings gerne mit ihm weitergearbeitet“, sagt der Werder-Coach Ole Werner und vergisst nicht anzumerken: „Ich wünsche ihm alles Gute, nur nicht am Samstag.“

Darüber kann Woltemade sicher schmunzeln. Er will gegen Werder auftrumpfen, sich aber nicht unter Druck setzen. „Ich fühle mich sehr wohl in der Mannschaft, im Verein und in der Stadt. Ich denke, dass ich ein Mensch bin, der sich schnell mit vielen anderen Leuten versteht. Es passt sehr gut für mich beim VfB“, sagt Nick Woltemade, für den Stuttgart die zweite Heimat werden soll.