Gregor Kobel zeigt in Leipzig famose Paraden – auch gegen Amadou Haidara. Foto: dpa/Andersen

Beim 0:2 in Leipzig hat der überragende Gregor Kobel ein mögliches Debakel verhindert. Im „Nachschuss“ meint unser Sportredakteur: Einen derart kompletten Torhüter hat der VfB Stuttgart schon sehr lange nicht mehr gehabt.

Stuttgart - Knapp 14 Jahre ist es her, dass Timo Hildebrand nach der deutschen Meisterschaft mit dem VfB Stuttgart auszog, um sein sportliches Glück in der Fremde zu suchen. Er sollte es leider nicht finden, vergab mit seinem Abschied die Chance, zu einer der großen VfB-Legenden zu werden – und eröffnete gleichzeitig muntere Wechselspiele im Tor seines Heimatvereins, für den es ebenfalls zusehends bergab ging.

 

Sein Nachfolger Raphael Schäfer war schon untendurch, bevor er überhaupt da war, weil er als Schlussmann des 1. FC Nürnberg im DFB-Pokalfinale eine Rote Karte für VfB-Stürmer Cacau gefordert hatte. Jens Lehmann zeigte anschließend zwei Jahre lang meist gute Leistungen – bestätigte aber auch regelmäßig die These, dass Torleute sehr spezielle Zeitgenossen sind. Sven Ulreich war zwar immer wohltuend bodenständig und ein VfBler durch und durch – irgendwann war das Eigengewächs den Verantwortlichen aber nicht mehr gut genug und wurde vom Hof gejagt.

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Mit dem glücklosen Polen Przemysław Tyton zwischen den Pfosten ging es in die zweite Liga, mit dem Australier Mitch Langerak wieder nach oben, dann wurde in Ron-Robert Zieler ein prominenter deutscher Vertreter seine Fachs verpflichtet, von dem allerdings schnell klar wurde, dass auch ehemalige Nationaltorhüter nur Menschen sind und Fehler machen. Wieder stieg der VfB ab. Dann kam Gregor Kobel.

Gregor Kobel verhindert in Leipzig ein Debakel

Als verlässlicher Rückhalt hat sich der Schweizer schon in der Aufstiegssaison erwiesen – nun ist er auf dem besten Weg, zu einem großen Torhüter zu reifen. Der bislang eindrucksvollste Beweis: seine herausragende Leistung bei der 0:2-Niederlage bei RB Leipzig am Sonntagnachmittag. Ohne mehrere verletzte Leistungsträger und früh in Unterzahl geraten hatte der Aufsteiger beim Tabellenzweiten naturgemäß nichts zu bestellen – am überragenden Kobel lag es, dass das ungleiche Duell nicht im Debakel endete.

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Der Mann aus Zürich dirigierte gekonnt die Abwehrschlacht seiner Vorderleute und zeigte famose Paraden, wenn die Sachsen trotzdem vor sein Tor kamen, was regelmäßig der Fall war. Kobel, das wurde diesmal besonders deutlich, besitzt alles, was ein starker Torhüter benötigt: Ausstrahlung, Antizipationsvermögen, Reflexe, ein stabiles Nervenkostüm und die Fähigkeit, den Ball auch mit den Füßen gekonnt behandeln zu können. Einen derart kompletten Schlussmann hat der VfB schon lange nicht mehr gehabt – und das Gute ist: Er ist erst 23 und könnte in Stuttgart eine Ära prägen, womöglich sogar als Kapitän und Nachfolger von Gonzalo Castro.

Das Dumme ist nur: Torhüter seiner Klasse und seines jungen Alters sind international sehr begehrt, nicht zuletzt von Clubs, die deutlich mehr Geld haben. Es mag naiv sein, davon auszugehen, dass Gregor Kobel noch jahrelang für den VfB spielt. Zumindest hoffen darf man es aber.