Glücksmoment in der 88. Minute: Omar Marmoush trifft für den VfB Stuttgart zum 1:1 bei Eintracht Frankfurt. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Der VfB Stuttgart rettet nach einem späten Gegentor und einem Platzverweis noch einen Punkt in Frankfurt. Das soll nun Auftrieb für das Spiel gegen Bayer Leverkusen geben.

Frankfurt - Die Rückkehr des Orel Mangala ist beinahe total missglückt. Monatelang fiel der Belgier im Mittelfeld des VfB Stuttgart aus. Sehnsüchtig wurde der 23-Jährige zurückerwartet, um mit Wataru Endo wieder einen starken Mittelblock beim Fußball-Bundesligisten zu bilden. Doch dann lief die 79. Minute im Spiel bei Eintracht Frankfurt. Der eingewechselte Mangala leistete sich eine unsaubere Ballannahme, rutschte weg – und Filip Kostic profitierte.

 

Der umstrittene Eintracht-Profi erzielte mit links das 1:0. „Das war eine Kopie des Treffers, den er letztes Jahr gegen uns erzielt hat“, meinte der Verteidiger Marc Kempf. Doch der VfB schlug unerwartet noch einmal zurück. Omar Marmoush traf zum 1:1-Endstand (88.). Und das in Unterzahl. Denn kurz zuvor hatte Waldemar Anton die Rote Karte wegen einer Notbremse gesehen (82.).

Viel Aufregung in der Schlussphase

Viel Aufregung gab es also in der Schlussphase einer Partie, die für die Gäste nur anfangs wie geplant lief: geordnet. Zu Ende ging die Begegnung glücklich. Ein Schuss von Rafal Borré in der Nachspielzeit knallte an die Unterseite der Latte, ehe sich der Torhüter Florian Müller den Ball schnappte.

Zu diesem Zeitpunkt hoffte Mangala auf dem Platz und Anton außerhalb, dass die Stuttgarter wenigstens einen Punkt retten würden. Denn ansonsten hätten sie in diesem kleinen Drama die tragischen Rollen besetzt, obwohl Anton nur versuchte, einen schrägen Einwurf von Hiroki Ito auszumerzen. Jetzt wird der Abwehrchef nach seiner Aktion unmittelbar vor dem Strafraum gegen Borré dem VfB am Samstag gegen Bayer Leverkusen gesperrt fehlen.

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In Frankfurt schickte der VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo eine Startelf auf den Platz, zu der Omar Marmoush zählte, aber nicht Philipp Förster. Marmoush, die Leihgabe vom VfL Wolfsburg, verdrängte Hamadi Al Ghaddioui aus dem Sturmzentrum. Den Mittelfeldspieler plagte ein Infekt. Für ihn rückte Philipp Klement nach vorne und Atakan Karazor bildete mit Wataru Endo die Doppelsechs. Die Stuttgarter kontrollierten anfangs auch ordentlich das Zentrum. Denn der Coach hatte den VfB gut auf die Gastgeber eingestellt.

„Die Eintracht war zwar spielbestimmend, aber sie hatte nicht viele hochkarätige Chancen“, sagte Kempf, „diesmal war jedem bei uns anzumerken, dass wir hinten die Null halten wollten. Das ist die Basis. Danach können wir anfangen, Fußball zu spielen.“ Und auf diese Weise wollte sich der VfB nach zuletzt zwei Niederlagen und insgesamt acht Gegentoren in drei Spielen stabilisieren. „Mit der Defensivarbeit bin ich sehr zufrieden. Aber vielleicht haben wir durch diesen Fokus etwas vergessen, unseren Offensivfußball zu spielen“, sagte Matarazzo.

Glück bei zwei Lattentreffern

Spielfluss entstand aus der Mitte des Stuttgarter Spiels jedenfalls nicht. Abschlüsse durch Marmoush (17.) und Roberto Massimo (32.) – mehr gab es im ersten Abschnitt nicht vor dem Tor von Eintracht-Keeper Kevin Trapp zu vermerken. Doch auch sein Gegenüber Müller bekam nicht alle Hände voll zu tun. Gegen Daichi Kamada musste der Torhüter aber einiges riskieren, um gemeinsam mit Konstantinos Mavropanos zu retten (40.).

Die Teams neutralisierten sich mit ihrer körperbetonten und energischen Spielweise. Wobei der VfB, wie der Sportdirektor Sven Mislintat in der Halbzeit anmerkte, nach einer halben Stunde im Spielaufbau „wilder“ wurde. Mit der Folge, dass es viele Ballverluste und Ungenauigkeiten gab. Einen Fehlpass verursachte Mavropanos, aber der Eintracht-Neuzugang Sam Lammers nutzte die Möglichkeit nicht (40.).

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Die Gastgeber blieben jedoch am Drücker. Und nach einer Stunde rückte Müller in den Blickpunkt. Zunächst parierte der Schlussmann gegen Lammers und Kostic (61.). Unmittelbar danach schätzte er einen Eckball falsch ein – doch der Kopfball von Martin Hinteregger ging an die Latte. Es war eine Phase, in welcher der VfB weiter keine Ruhe in seine Aktionen bekam.

Zerfahren wirkte das Spiel und wenig strukturiert. Weshalb Matarazzo mit zwei Wechseln reagierte. Tanguy Coulibaly ersetzte Massimo auf dem rechten Flügel und der hochgelobte Ömer Beyaz versuchte es an Stelle von Mateo Klimowicz. Auch der lange verletzte Mangala kam wenig später zu seinem Comeback. Die mangelnde Spielpraxis war ihm jedoch anzumerken. Nach einer Nachlässigkeit erhielt er die Gelbe Karte. Kurz darauf folgte der Patzer vor dem 0:1.

Doch es zeichnet den VfB aus, dass er nicht aufgibt. Selbst nach gruseligen drei Minuten und mit zehn Mann nicht. Die Gäste griffen mit dem Mut der Verzweiflung an – und wurden belohnt. „Dieses Unentschieden ist extrem wichtig für uns“, sagte Matarazzo, „da es mehr als der Punkt wert sein könnte.“ Der VfB hat den Abwärtstrend gestoppt und hofft nun, das nächste Mal im eigenen Stadion wieder mehr das eigene Spiel durchbringen zu können.