Das Interesse an Karten für den Gästeblock bei VfB-Auswärtsspielen ist riesig. Nach welchen Kriterien und an wen vergibt der Verein sein Kontingent? Und auf welchen Wegen kann man an Tickets kommen?
Es geht eng zu auf der Ostalb. Kein Bundesliga-Stadion hat eine geringere Kapazität als das des 1. FC Heidenheim, das gerade einmal 15 000 Fans Platz bietet. Kein Wunder also, dass beim Gastspiel des VfB Stuttgart beim FCH an diesem Sonntag (17.30 Uhr/Liveticker) der Auswärtsblock bis auf den allerletzten Platz gefüllt sein wird. Wobei: Das ist bei VfB-Partien in der Fremde ohnehin regelmäßig der Fall, auch bei weitaus größeren Stadien. Der Stuttgarter Anhang zeigt sich auch in dieser Saison gewohnt reisefreudig, das Interesse an den Tickets ist durch den jüngsten Höhenflug sogar noch ein Stück weit größer als zuvor.
„Bei den zurückliegenden und kommenden Auswärtsspielen war die Nachfrage deutlich höher als das Angebot“, teilt der VfB auf Anfrage mit. Das betraf die Partien bei Union Berlin (3:0), dem 1. FC Köln (2:0) und Mainz 05 (3:1) – aber auch die kommenden Bundesliga-Auswärtsspiele in Heidenheim und bei Eintracht Frankfurt, für die längst keine Tickets mehr zu haben sind. Faktoren wie eine verhältnismäßig kurze Distanz zum Spielort oder eine geringe Kapazität des Stadions, so der VfB, verstärken dabei die Angebot-Nachfrage-Diskrepanz.
Rund 420 Fans besitzen eine Auswärts-Dauerkarte
Was zur Frage führt: Wie läuft die Ticket-Vergabe bei den so stark nachgefragten Auswärtsspielen eigentlich ab? Zunächst: Das Gästekontingent bei einem Bundesliga-Spiel beträgt prinzipiell zehn Prozent der Gesamtkapazität, so legt es die Spielordnung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) fest. Die Tickets gehen zunächst allesamt vom Heimverein an den VfB, in dessen Händen die Weiterverteilung liegt. Zuständig dafür ist übrigens nicht die Ticketing-Abteilung, sondern die Fanbetreuung. Sie soll sicherstellen, dass das Ganze möglichst fair vonstatten geht.
Eine Gruppe hat dabei ihr Ticket von vornherein sicher: die Inhaber einer sogenannten Auswärts-Dauerkarte. Rund 420 davon gibt es beim VfB, sie bekommen ihre Eintrittskarte immer automatisch zugestellt. Der Status ist begehrt, die Warteliste lang. Diese Stammfahrer machen schon mal einen großen Teil aus – vor allem bei kleinen Gästeblocks wie in Heidenheim mit 1500 Plätzen ist damit fast ein Drittel der Kapazität schon belegt, bevor die weitere Verteilung überhaupt begonnen hat.
In einem zweiten Schritt werden dann Karten an die aktive Fanszene und – abhängig von ihrer Größe – an die Offiziellen Fanclubs vergeben. Letztere haben teils einen erheblichen Zulauf: Der größte, die Rot-Weißen Schwaben Berkheim, steht mit 1570 Mitgliedern bei einem Allzeithoch. Alleine seit der Relegation im Juni gegen den Hamburger SV gab es 300 Neueintritte. Der Vorsitzende Joachim Schmid führt das auch auf das Interesse an Eintrittskarten zurück: „Die Nachfrage nach Plätzen für die Auswärtsfahrten hat sich bei den Spielen mit bis zu 250 Kilometern Entfernung im Vergleich zur Vorsaison verdoppelt.“
Die Berkheimer zählen zu den Fanclubs, die zu jedem Auswärtsspiel reisen. Die beim VfB hinterlegte Wunschzahl erhalten aber auch sie längst nicht mehr. „Wir können gerade nicht alle Interessenten bedienen“, sagt Schmid. Bestellungen für Nicht-Mitglieder, und sei es auch in Begleitung eines Mitglieds, werden anders als in der vergangenen Spielzeit momentan nicht mehr aufgenommen.
Der letzte Schritt: Wurden die Kontingente den Fanclubs und der aktiven Fanszene zugewiesen, steht noch eine Verkaufsphase für die rund 85 000 VfB-Mitglieder an. Für diese hält der Verein bei jedem Auswärtsspiel ein Kontingent zurück, dessen Größe von Fall zu Fall abhängig von der Gesamtkapazität des Stadions neu festgelegt wird.
Den Verkaufsstart kommuniziert der VfB über seine Homepage – meist sind die Tickets binnen Minuten vergriffen. Mit der nötigen Portion Glück und einem vorderen Platz in der virtuellen Warteschlange besteht sie aber immerhin, die kleine Chance auf eines der begehrten Auswärtstickets.