VfB Stuttgart, das magische Dreieck, 1997: Giovane Elber, Krassimir Balakov, Fredi Bobic Foto: dpa

Dem VfB Stuttgart wird er immer verbunden bleiben. Und seinem Stammverein ist er bis heute dankbar. Jetzt will Krassimir Balakov FK Etar Veliko Tarnovo vor dem Abstieg retten. Als Manager und als Trainer.

Stuttgart - Der Anruf aus der alten Heimat kam zwischen den Jahren. „Krassimir, kannst du uns helfen?“ Er kann. Seit vergangener Woche ist Krassimir Balakov (51) in Amt und Würden. Dort, wo für ihn alles begann: Bei FK Etar Veliko Tarnovo. Seine Rolle: Feuerwehrmann. „Der Club kämpft gegen den Abstieg, da wollte ich nicht nein sagen“, erzählt der Bulgare, der acht Jahre für den VfB Stuttgart spielte (1995 bis 2003). Jetzt ist er beim Tabellendrittletzten Sportdirektor und Trainer. Eine Art Teammanager. „So ähnlich wie in England.“ Nur, dass beim Club aus der Mitte des Landes ein gewisser Optimierungsbedarf besteht. „Es ist im Prinzip alles vorhanden, aber es muss alles noch viel besser werden“, sagt der Spielmacher, Mitte der neunziger Jahre Dreh- und Angelpunkt des legendären magischen VfB-Dreiecks mit Giovane Elber und Fredi Bobic. Der Coach: Joachim Löw. Der größte Erfolg: DFB-Pokalsieg 1996, Endspielteilnehmer 1997 beim Europacup der Pokalsieger (0:1 gegen den FC Chelsea).

Namen aus großen Zeiten

FK Etar stieg vergangene Saison in die erste Liga auf. Ein Plan, der früher aufging als erhofft. Jetzt gibt es Probleme. Der Verein ist im Vergleich mit den Größen der Liga so arm wie eine Kirchenmaus. Da kann es nicht schaden, wenn ein Name an der Spitze steht, der mit ein Sinnbild ist für die großen Zeiten des bulgarischen Fußballs. 1994 bei der Weltmeisterschaft in den USA wurde das kleine Land Vierter. Im Viertelfinale kegelte die Mannschaft überraschend Deutschland aus dem Turnier (2:1). Die Namen klingen im bulgarischen Fußball bis heute wie die Hymne an die Freude: Ivanov, Kostadinov, Letschkov, Stoitschkov – und eben Balakov. „Einen Sponsor habe ich schon mit an Land gezogen“, sagt der Mann, der den Ball stets zum Freund hatte. Als nächstes will der Club ein Trainingscamp bauen, die Nachwuchsarbeit soll verbessert werden. „Ich führe Gespräche mit allen gesellschaftlichen Gruppen hier in der Stadt. Das ist wichtig, ich kann mit meinem Namen viele Türen öffnen.“

Außerdem im Video: Sehen die den Spielrückblick von der Partie gegen Hertha BSC.

Balakov: Coach und Führungsfigur

Fürs Erste will er als Feuerwehrmann aber mithelfen, dass FK Etar erstklassig bleibt. Der junge Trainerstab ist geblieben, Balakov steht mit all seinem Wissen und seiner Erfahrung künftig an dessen Spitze. Wie stark sein Team ist? Er druckst ein wenig herum. „Na, ja. In Deutschland wäre es wohl eher zweite Liga.“ Der bulgarische Fußball lebt von drei, vier Spitzenteams, Titelträger Ludogorez Rasgrad setzte sich in der Europa League immerhin gegen 1899 Hoffenheim durch. Der Rest der Liga aus 14 Mannschaften hat zum Ziel, möglichst ungefährdet die Klasse zu halten. Anders als in der Bundesliga gibt es Play-Offs. Die Spitzenteams spielen vom Frühjahr an den Titel unter sich aus, die anderen den einzigen Absteiger. Am 16. Februar startet die Rückrunde.

Den VfB und die Stadt im Herzen

Bis zum Sommer wird Krassimir Balakov auf jeden Fall in der Stadt bleiben, in der für ihn alles begann. „Danach sehen wir weiter.“ Um seine Fußballschule in Reutlingen kümmert sich sein Sohn, die Tochter hält die Wohnung in Stuttgart in Schuss. „Ich bleibe dem VfB und Stuttgart auf jeden Fall verbunden“, sagt Krassimir Balakov. Er belegt mit seiner Familie ein paar Plätze in einer Loge in der Mercedes-Benz-Arena. „Der VfB macht wieder Spaß und nimmt seit dem Abstieg eine gute Entwicklung.“ Aber Triumphe wie damals mit dem magischen Dreieck werde es so schnell nicht mehr geben. „Ich bin damals mit 29 Jahren zum VfB gekommen“, sagt er und lacht, „da ist heutzutage für einen Spieler schon das meiste vorüber. Der Fußball legt nicht mehr diesen Wert auf Individualisten.“ Schade, eigentlich.

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