Der VfB Stuttgart plant die Zukunft – nicht nur im sportlichen Bereich. Zahlreiche Innovationen könnten in den nächsten Jahren das VfB-Erlebnis verändern. Einige davon waren nun erstmals erlebbar.
Der kleine Kerl ist agil, permanent unterwegs und hat auf das Geschehen auch noch einen positiven Einfluss. Allerdings: Er kickt an diesem Nachmittag nicht im Trikot des VfB Stuttgart gegen Werder Bremen – sondern hat einen anderen Auftrag. Er soll den Menschen im Businessbereich der MHP-Arena behilflich sein. Mal als mobile Getränkebar, mal mit einem riesigen Bildschirm mit wichtigen Informationen.
So ein Roboter kann eine feine Sache sein, ein Hingucker ist er auf jeden Fall. Da der moderne Mensch sich jedoch nicht nur längst an seinen Saug- oder Mäh-Roboter gewöhnt hat, ist der technische Helfer im Innern der Haupttribüne der MHP-Arena nicht zwingend die größte Attraktion. Der VfB hat dafür anderes vorbereitet.
„Innovation Matchday“ hat der Club den vergangenen 29. Spieltag der Fußball-Bundesliga genannt – um zu zeigen, wie er auch abseits des Rasens stets auf der Suche nach neuen Entwicklungen und Verbesserungen ist. Mehr noch: Der VfB will zeigen, dass er vorangeht. „Wir sind das Schaufenster, um Technik und Innovation sichtbar zu machen“, sagt Christian Ruf, der VfB-Direktor Digital und Innovation, vor Firmenvertretern, die mit dem VfB schon die Zukunft gestalten – oder es womöglich bald tun. Der Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle betont: „Innovation gehört zur DNA des VfB.“
Die VfB AG ist daher auch vor einigen Wochen dem IPAI in Heilbronn beigetreten, einer Plattform für angewandte Künstliche Intelligenz. Nun wird erstmals während eines Heimspiels präsentiert, was sich daraus rund um das Stadionerlebnis entwickeln kann. Und schon entwickelt hat.
Die VfB-Smartphone-App soll noch mehr Service – auch rund um die Ticketkäufe – an einem digitalen Ort vereinen. Es gibt Fantasyspiele, die am Sonntag von Mitarbeitern via Hologramm-Rucksäcken präsentiert wurden, und digitale Sammelerlebnisse. Die VfB-Legende Cacau soll es bald als Avatar geben, der dann die Menschen im Stadion begrüßt – und mit dem auch Interaktion möglich ist. Dank Künstlicher Intelligenz sollen Besucherströme besser geleitet und Schlangen an Toiletten und Verpflegungsständen minimiert werden. Die Gäste im Rollstuhl sollen bald auch die Bestellung am Platz per App testen können.
Von der Arena, die als eine der modernsten in Europa Basis vieler Innovationen ist, gibt es schon jetzt einen digitalen Zwilling, der das Zurechtfinden leichter macht. Und in der Gegengerade wird ein „Real-Labor“ eingerichtet. Dort, wo am Spieltag ein Businessbereich seine Heimat hat, können unter der Woche dann unterschiedlichste Start-up-Unternehmen die Zukunft planen.
Ganz neue Perspektiven für die Zuschauer
Vieles ist rund um die Partie gegen Werder Bremen erstmals erlebbar – auch das, was die Welt der Fußballkonsumenten künftig bereichern oder gar verändern könnte.
Es gibt ja mittlerweile Rapper, die stets mit einer Skibrille vor den Augen auftraten. So ähnlich sehen auch jene aus, die im VfB-Businessbereich die Virtual-Reality-Brillen testen. Und die das Spiel aus einer Perspektive erleben, die sie als Zuschauer normalerweise nicht einnehmen können. Nötig ist dafür modernste Technik.
Am Sonntag steht eine von mehreren 360-Grad-Kameras direkt neben dem Spielertunnel im Innenraum der Arena. Von dort liefert sie Bilder für den Livestream, der über die Brillen verfolgt werden kann. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat beim Spiel des VfB gegen Werder den Probebetrieb möglich gemacht – zum zweiten Mal nach dem Supercup zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem VfB zu Saisonbeginn. Im Tunnelclub ist eine weitere Kamera angebracht, wer will, kann sich also auch in diesem exklusiven Vip-Bereich umschauen. Das Gerät vor der Umkleidekabine der Stars zeichnet die Bilder auf, streamt aber (noch) nicht.
Wohin das führt? Da ist nach umfangreichen Testläufen einiges denkbar. Eine Ergänzung zum Live-Erlebnis vor Ort – wie am Wochenende. Oder aber auch eine ganz neue Zuschauerrolle auf der heimischen Couch mit einem Tagesticket für diesen besonderen Stream. Voraussetzung wäre dann eine eigene VR-Brille. Ein Getränke liefernder Roboter für zu Hause würde das Angebot dann abrunden.