Der 27-jährige Spielführer des VfB ist zu einem gestandenen Bundesligaspieler gereift – und wird bald für die Türkei debütieren. Zuvor aber geht es an diesem Sonntag (19.30 Uhr) gegen die TSG Hoffenheim und Ex-VfB-Coach Pellegrino Matarazzo.
Mit einem Marktwert von zwölf Millionen Euro gehört er fußballerisch gesehen zu den 15 wertvollsten türkischen Profis. Nun ist auch klar, dass Atakan Karazor, geboren in Essen, künftig im Dienste der Nationalelf des Heimatlandes seiner Eltern spielen wird. So steht der Kapitän des VfB Stuttgart wie erwartet im 27-köpfigen Aufgebot der türkischen Nationalmannschaft für die Länderspiele im Oktober. Trainer Vincenzo Montella geht mit ihm in die Duelle mit Montenegro und Island in der Nations League.
Zuvor hatte sich Karazor mit den Spitzen der Türkischen Fußball-Federation (TFF), dem Präsidenten Ibrahim Haciosmanoglu sowie dem Manager der Nationalmannschafts, Ceyhun Kazanci, getroffen. Der 27-Jährige, der in seiner Jugend weder für Deutschland noch die Türkei in einem Auswahlteam gespielt hatte, betonte aber, „dass es sich um eine rein sportliche Entscheidung handelt“. Schließlich hätte Karazor auch für die DFB-Elf auflaufen können, sieht aber im Dress der Türkei für sich offensichtlich bessere Chancen auf einen Stammplatz.
„Was seine Torgefahr angeht, muss sich Ata noch verbessern“, sagte der VfB-Cheftrainer Sebastian Hoeneß mit einem Augenzwinkern in Richtung seines Kapitäns, dem in 110 Erstligaspielen für den VfB noch kein Treffer gelungen ist: „Seine Nominierung freut mich riesig, weil er schon lange sehr gute Leistungen bringt. Dass er sich für die Türkei entschieden hat, ist für mich schlüssig. Dort hat er größere Chancen zu spielen.“
Gemeinsam geht es an diesem Sonntag (19.30 Uhr) in der heimischen MHP-Arena gegen die schwächelnde TSG Hoffenheim. Karazor begann seine fußballerische Karriere bei Schwarz-Weiß Essen, wechselte 2012 in die Jugend des VfL Bochum. Über die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund II ging es in den hohen Norden zu Holstein Kiel in die zweite Liga.
Im Doppelpack von Holstein Kiel zum VfB
Nach dem Abstieg des VfB im Sommer 2019 kam Karazor im Doppelpack mit dem Trainer Tim Walter von Kiel nach Stuttgart. Während der Cheftrainer nach sechs Monaten gehen musste und inzwischen den englischen Zweitligisten Hull City trainiert, zählt der 27-Jährige in Stuttgart zu den dienstältesten Spielern – und ist als Spielführer einer der Leitwölfe beim VfB. Nun geht Karazor mit der Nominierung für die türkische Nationalelf den nächsten Schritt.
Einen Anteil an der Entwicklung des Sechsers vom Wackelkandidaten, dem noch zu Tim Walters Zeiten häufiger grobe Schnitzer unterliefen, hin zu einem gestandenen Bundesligaprofi, trägt auch Pellegrino Matarazzo. Der trainierte Karazor zu seiner Stuttgarter Zeit zwischen Januar 2020 und Oktober 2022 – und gab dem Deutsch-Türken Stabilität in sein Spiel.
Nun steht Matarazzo mit seinen Hoffenheimern gegen den VfB unter Druck, ist man in der Bundesliga mit drei Punkten aus den ersten fünf Spielen doch nur Drittletzter. Daher wackelt der Stuhl des TSG-Cheftrainers, der von seinem Torwart Oliver Baumann Rückendeckung bekommt: „Ich sehe schon viele Kriterien, die zeigen, dass es zwischen Trainer und Mannschaft stimmt.“