Karim Haggui, damals noch bei Hannvoer 96 und jetzt der neue Innenverteidiger des VfB Stuttgart, im Zweikampf mit Vedad Ibisevic. Foto: dpa

Nach dem Transfer von Karim Haggui stehen beim VfB Stuttgart nun fünf zentrale Abwehrmänner im Kader – das sollte von der Anzahl her genügen. Doch die große Frage lautet: Reicht die Qualität in der Abwehr für den Anspruch, ins internationale Geschäft einzuziehen?  

Stuttgart - In Karim Haggui, Daniel Schwaab, Antonio Rüdiger, Benedikt Röcker und dem zurzeit an einem Innenbandriss laborierenden Georg Niedermeier, der noch rund drei Wochen lang ausfallen wird, hat der Trainer des VfB Stuttgart, Thomas Schneider, nun fünf zentrale Abwehrmänner im Kader – das sollte von der Anzahl her genügen. Doch die große Frage lautet: Reicht die Qualität in der Abwehr für den Anspruch, ins internationale Geschäft einzuziehen? Und kommen die heutigen Innenverteidiger an die Fähigkeiten vergangener großer Abwehrspieler beim VfB heran? Karlheinz Förster, Frank Verlaat, Thomas Berthold, Fernando Meira, Marcelo Bordon – das sind nur einige Ex-Profis mit klingenden Namen, die allesamt für Kontinuität und Stabilität sorgten.

Nun sind die Zeiten der ganz großen Namen vorbei – mittlerweile ist der VfB aufgrund ­finanzieller Zwänge darauf angewiesen, kleinere Brötchen zu backen. So spielte Neuzugang Daniel Schwaab zuletzt bei Bayer Leverkusen keine Rolle mehr, und Karim Haggui war bei 96 ebenfalls nur Ersatz. „Ich habe immer wieder betont, dass wir keine elf Stammspieler mehr haben, sondern mehr“, sagt Fredi Bobic: „Karim muss sich bei uns auch erst mal durchsetzen, das ist klar. Aber uns war es wichtig, dass wir reagieren können, wenn ein Innenverteidiger ausfällt, und dass wir generell flexibel bleiben. So kann Antonio Rüdiger bei Bedarf zum Beispiel auch mal wieder hinten rechts spielen.“

Zweifel bei Schwaab oder Haggui

Thomas Berthold dagegen sieht den Transfer von Karim Haggui mit gemischten Gefühlen. „Das muss man sich schon fragen, warum ein Club wie Hannover, der auch wieder ins internationale Geschäft will, bereit war, den Jungen abzugeben“, sagt der Ex-Profi, einer der besten Abwehrspieler, die der VfB bis heute hatte.„Gleichzeitig frage ich mich, ob sich der VfB mit solchen Transfers wirklich zufriedengeben kann.“

Berthold ist überzeugt, dass man für den Einzug ins internationale Geschäft Abwehrmänner von internationaler Klasse braucht. Bei Daniel Schwaab oder Karim Haggui hat er Zweifel. „Die Position des Innenverteidigers war immer schon die wichtigste“, meint der Weltmeister von 1990: „Es steht und fällt alles mit einem stabilen Defensivblock. Der VfB braucht wieder ein paar Klasse-Leute in der Abwehr, um seinen Ansprüchen gerecht werden zu können.“

Hannover begeistert von Haggui

Bertholds Kritik hin oder her – wer sich in Hannover umhört, bekommt nur positive Rückmeldungen über Neuzugang Haggui. Technisch beschlagen, elegant, kopfball-und zweikampfstark und torgefährlich sei der Tunesier, heißt es. Zudem war er stets anerkannt im Team und gehörte für lange Zeit dem Mannschaftsrat an – obwohl er auch mal für einen Aussetzer gut war und wegen einer Tätlichkeit vom Platz flog. Und auch Thomas Berthold hat bemerkt, „dass Haggui einer der Eckpfeiler war, als das Team 2010/2011 in die Europa League einzog“.

Nun aber setzt Trainer Mirko Slomka auf die Neuzugänge Marcelo und Salif Sané in der Innenverteidigung, und der VfB scheint allmählich eine Filiale von Hannover 96 zu werden. Nach Konstantin Rausch und Mohammed Abdellaoue kommt nun auch Haggui – ob er der Abwehr weiterhelfen kann, wird sich zeigen.

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