Torjubel in Rot und Weiß: Gotoku Sakai, Alexandru Maxim, Moritz Leitner und William Kvist (v. li.) freuen sich mit Christian Gentner (re.) über dessen Treffer zum 1:0 Foto: Pressefoto Baumann

Begeisternder Offensivfußball sieht anders aus. Aber sei’s drum: Der VfB Stuttgart hat beim 1:0 (0:0) bei Hertha BSC den zweiten Sieg unter Trainer Thomas Schneider eingefahren. Mann des Abends war Keeper Sven Ulreich.

Berlin - Es ist noch nicht lange her, da trotteten die Spieler des VfB Stuttgart ziemlich bedröppelt aus dem Berliner Olympiastadion. Das war nach dem Pokalfinale gegen den FC Bayern München – als das Motto galt: Gut gespielt, nichts gewonnen. Am späten Freitagabend nun war in Berlin wieder eine Partie unter Beteiligung des VfB zu Ende ­gegangen – und diesmal war alles anders.

Die Jungs in den roten Trikots hatten ein Lachen im Gesicht, ihre Mienen spiegelten Erleichterung wider – und auch eine gewisse Dankbarkeit. Demjenigen gegenüber, der in den 90 Minuten zuvor diesen hart erkämpften Sieg gegen Aufsteiger Hertha BSC gerettet hatte: Torhüter Sven Ulreich.

Der hatte zuletzt den Eindruck vermittelt, auch schon mal stabiler und souveräner seinen Kasten gehütet zu haben. Am Freitagabend aber zeigte der 25-Jährige derart starke Paraden, als wolle er mit jeder einzelnen wuchtig alle Zweifel vom Tisch wischen. 51. Minute: Hertha-Angreifer Adrian Ramos passt nach innen, Per Skjelbred zieht ab – und Sven Ulreich reißt instinktiv die rechte Hand nach oben. Gehalten. 59. Minute: Ramos passt auf Hajime Hosogai, der plötzlich allein vor dem VfB-Keeper steht. Ulreich bleibt aufrecht – gehalten. 64. Minute: Wuchtiger Kopfball von Hertha-Verteidiger John Anthony Brooks, Ulreich springt, bringt die Hände an den Ball. Gehalten. So ging das noch zweimal in den darauffolgenden zwei Minuten – und spätestens da war klar: Der Torhüter des VfB ist der Mann des Abends. Weil er die Führung festhielt, für die kurz nach der Pause Christian Gentner ­gesorgt hatte. Und zwar auf recht simple Art und Weise.

„Eine Standardsituation entscheidet das Spiel“

Man hat diese Art der Schlichtheit früher schon gekannt: Ecke, Kopfball, Tor. So war das auch in der 51. Minute der Partie des VfB in Berlin. Kurz vor der Pause führte eine beinahe identische Situation noch nicht zum Erfolg, weil Hertha-Keeper Thomas Kraft klasse parierte. Nun legte sich Alexandru Maxim den Ball an die Eckfahne, flankte nach innen, Gentner war per Kopf zur Stelle: 1:0. „Eine Standardsituation entscheidet das Spiel“, klagte Hertha-Sportdirektor Michael Preetz, „das ist bitter.“ Und umso schöner für den VfB – auf dessen Sieg eigentlich gar nicht viel hingedeutet hatte.

Schon zu Beginn der Partie fanden die Jungs von Trainer Thomas Schneider kaum ein Mittel, selbst in die Offensive zu gelangen. „Wir sind schwer ins Spiel gekommen“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic. „Hertha hat richtig Druck gemacht“, erklärte Thomas Schneider, der auch „viele Ballverluste“ zu beklagen hatte. Erst nach 30 Minuten wurde es besser, kurz vor und kurz nach der Pause hatten die Roten dann ihre besten Phasen. Die Belohnung: Ganze zwei Schüsse aufs Tor reichten dem VfB für einen spielentscheidenden Treffer.

Nach der Führung nämlich war in der Offensive erneut nicht viel zu sehen von den Herren in Rot. „Das war ein bisschen schade“, fand Christian Gentner, der gerne das 2:0 nachgelegt hätte. Die Realität aber sah anders aus.

Die Hertha kombinierte munter weiter, kam zu zahlreichen Chancen – verzweifelte aber am Ende an einem Sven Ulreich in Topform. „Wir haben einen überragenden Torwart gehabt“, freute sich Fredi Bobic, „das war Weltklasse.“ Thomas Schneider lobte: „Das war eine absolute Topleistung.“ Und selbst Hertha-Coach Jos Luhukay musste anerkennen: „Der VfB-Torhüter war in einigen Momenten überragend.“ Was auch ­Joachim Löw nicht entgangen sein wird.

Der Bundestrainer saß im Olympiastadion auf der Tribüne, und für den Fall, dass er doch die eine oder andere Parade Ulreichs verpasst haben sollte, fasste Fredi Bobic am Ende noch einmal zusammen: „Sven ist ­jemand, der durch Leistung beeindruckt.“

Beeindruckend ist auch die bisherige Bundesligabilanz von Trainer Thomas Schneider, der nun zwei Siege in Folge zu Buche stehen hat. „Jetzt haben wir den Anschluss ans Mittelfeld geschafft“, freute er sich, „das gibt uns die Möglichkeit, in Ruhe weiterzuarbeiten.“ Was nötig ist, damit Sven Ulreich am nächsten Sonntag (17.30 Uhr) gegen Frankfurt nicht ganz so oft den Retter ­spielen muss.

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