Hat den Durchblick: Huub Stevens Foto: Pressefoto Baumann

Auf den Trainer wartet in der nächsten Saison eine Herkulesaufgabe: Er soll den VfB Stuttgart zu neuen Höhen führen – und vieles spricht dafür, dass Retter Huub Stevens der Auserkorene ist.

Auf den Trainer wartet in der nächsten Saison eine Herkulesaufgabe: Er soll den VfB Stuttgart zu neuen Höhen führen – und vieles spricht dafür, dass Retter Huub Stevens der Auserkorene ist.

Stuttgart - Wer die Strategen des VfB so ­reden hört, dem scheint die Sache mit Huub Stevens längst klar zu sein. „Er hat einen herausragenden Job gemacht“, sagt Präsident Bernd Wahler, „er ist unser erster Ansprechpartner.“ Torhüter Sven Ulreich hofft, „dass Huub Stevens auch in der nächsten Saison noch bei uns ist – er hat mit seiner Art und Weise viel erreicht, er ist der richtige Mann für den Verein“. Und Sportvorstand Fredi Bobic betont, wie sehr er die klaren Ansagen und die Meinung des Trainers schätzt. Alles klar also mit Huub Stevens? Fast!

In 54 Tagen hat der Kämpe aus den Niederlanden den VfB zum Klassenverbleib geführt. Seine Mission ist erfüllt – und wenn es nach Stevens selbst geht, ist sie noch nicht beendet. Nach dem 1:2 gegen den VfL Wolfsburg berichtete er davon, dass er bereits Empfehlungen an den Verein ausgesprochen habe, was in welchen Bereichen zu tun sei.

Stevens ist bereit für die Vertragsverlängerung. Allerdings: Der erfahrene Coach wird sich am Verhandlungstisch nicht mit lobenden Dankesworten für den Klassenverbleib und ein paar Schulterklopfern ­zufriedengeben – Stevens will mehr. Er will mitgestalten, ein Einjahresvertrag dürfte ihm zu wenig sein. Und wer die Gehalts­forderungen des Niederländers aus einen Zeiten beim FC Schalke oder zuletzt bei ­Paok Saloniki kennt, der weiß: Die Verhandlungen werden nicht leicht, denn für ein Butterbrot wird Stevens (60) auch in Zukunft nicht jeden Tag auf dem Trainingsplatz stehen. Zumal die Fortsetzung seiner Tätigkeit beim VfB für sein Renommee nicht mehr entscheidend von Belang ist.

Stevens in komfortabler Verhandlungssituation

Soll heißen: Huub Stevens befindet sich in einer komfortablen Verhandlungssituation. Er kann in Ruhe abwarten, was ihm Fredi Bobic und Bernd Wahler bieten. „Wir werden mit Huub in den nächsten Tagen in aller Ruhe sprechen“, sagt Fredi Bobic.

Trotz der Bekenntnisse zu Stevens sondiert der VfB wiederum weiter den Trainermarkt, das gebieten allein schon Professionalität und Anspruch eines Bundesligisten, der in der neuen Saison wieder für positive Schlagzeilen sorgen will. Allerdings: Potenzielle Wunschlösungen wie Thomas Tuchel vom FSV Mainz oder Robin Dutt von Werder Bremen sind nicht zu haben, weil sie sich ­total mit ihren Aufgaben identifizieren – und der VfB ihnen zurzeit auch nicht den nächsten Karriereschritt bieten kann.

Der Flurfunk meldet deshalb andere mögliche Kandidaten. Armin Veh ist einer davon. Der VfB-Meistercoach von 2007 verlässt Eintracht Frankfurt zum Saisonende. Er betont, dass für ihn in der nächsten Spielzeit nur ein Verein infrage komme. Ist das der VfB? Veh meint vielsagend, dass er ansonsten mal gar nichts mache und eine Pause einlege, sollte die eine bestimmte Sache nicht zustande kommen. Klar ist: Veh hat beim VfB schon bewiesen, dass er ein junges Team zu Höchstleistungen treiben kann, zudem passt seine offensive Fußballphilosophie ins Anforderungsprofil der Clubführung.

Passt Stefan Effenberg ins Raster?

Ob auch Stefan Effenberg ins Raster passen würde, ist offen – auch der ehemalige Kapitän des FC Bayern München wird als möglicher Stevens-Nachfolger gehandelt. Effenberg besitzt die Fußballlehrer-Lizenz, und er stand als Spieler für große Erfolge. Allerdings hat Effenberg noch keine Erfahrung als Coach. Nach der gescheiterten Lösung mit dem ähnlich unerfahrenen ehemaligen Jugendtrainer Thomas Schneider in dieser Saison dürfte diese Lösung also nur schwer zu vermitteln sein, zumal der streitbare Charakterkopf als ehemalige Ikone des FC Bayern für viele VfB-Fans ein rotes Tuch ist.

Sollte Effenberg tatsächlich zum Zug kommen, müsste die Argumentation der Clubspitze um Bernd Wahler und Fredi Bobic hieb- und stichfest sein. Effenberg, der zurzeit als Fernsehexperte für einen Bezahlsender tätig ist, sagte übrigens auf die Frage, ob Huub Stevens in der nächsten Saison noch VfB-Trainer sei, mit einem süffisanten Grinsen nur: „Nein.“

Auch der Name Joachim Löw steht auf der Liste – ob der Bundestrainer nach der WM in Brasilien aber tatsächlich zur Verfügung stehen würde, ist mehr als fraglich. Die Zeit bis zum Start der Bundesliga am 22. August wäre selbst bei einem Ausscheiden der deutschen Elf verdammt kurz. Und ob Löw bei einem möglichen Ende seiner Tätigkeit als Bundestrainer als Coach weitermacht und ob der VfB für ihn überhaupt interessant wäre, ist eher unwahrscheinlich.

Klar ist hingegen, dass der VfB nach der völlig missratenen Saison nicht zur Tagesordnung übergehen kann. Der Jugendstil, den Ex-Trainer Thomas Schneider mit der vollen Unterstützung der Clubspitze ausleben durfte, führte schnurstracks in den Keller. Fakt ist aber auch, dass der Verein für Bewegungsspiele sich weiter zu einer offensiven Jugendphilosophie bekennt. Nach den Erfahrungen mit Schneider in dieser Saison wird man das in der nächsten allerdings nicht mehr so kompromisslos sehen. Der VfB steht vor einem schwierigen Spagat – den der aktuelle Coach in einem Übergangsjahr moderieren könnte. „Unser Jugendstil“, sagt Präsident Bernd Wahler, „steht in keinem Widerspruch zu Huub Stevens.“

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