VfB-Sportvorstand Reschke über Korkut „Wir hatten direkt das Gespür: Das ist unsere Lösung!“

Von Dominik Ignée 

Michael Reschke (links) und sein neuer Mann: der VfB-Coach Tayfun Korkut. Der schaffte zum Auftakt seines Schaffens immerhin ein 1:1 in Wolfsburg. Foto: dpa
Michael Reschke (links) und sein neuer Mann: der VfB-Coach Tayfun Korkut. Der schaffte zum Auftakt seines Schaffens immerhin ein 1:1 in Wolfsburg. Foto: dpa

Der Sportvorstand des VfB Stuttgart, Michael Reschke, spricht bei „Sport im Dritten“ über die öffentliche Kritik am neuen Trainer und seine Art, damit umzugehen.

Stuttgart - Nach dem Trainerwechsel hat Michael Reschke, der Sportvorstand des VfB Stuttgart, turbulente Tage hinter sich. Die Trennung von Hannes Wolf, aber vor allem die Nachfolge-Lösung mit Tayfun Korkut hat bei zahlreichen Fans eine große Unruhe ausgelöst. Als Gast bei „Sport im Dritten“ am späten Sonntagabend sprach Reschke über die Tage, in denen vor allem auch er ins Kreuzfeuer der Kritik geraten war. „Dass die Leute erst mal emotionalisiert sind, das erlebe ich ja hier in Stuttgart jeden Tag. Die Wucht, die dieser Verein hat, die Bedeutung, die der VfB für die Menschen in der Region hat, die ist außergewöhnlich“, sagt Reschke und stufte damit die lebendig geführte Debatte um den Personal-Wechsel erwartbar ein.

Ihn selbst hat das VfB-Theater persönlich offenbar nicht nachhaltend aus der Bahn geworfen. „Damit muss man zurechtkommen in dieser Position, also wenn man diese Verantwortung hat. Natürlich ist es nicht angenehm, wenn man auch teilweise weit unter der Gürtellinie beschimpft wird, aber ich verstehe diese Emotionalität in dieser Stadt und in der Region, und das muss man ertragen“, sagte Reschke und fügte hinzu: „Aber unsere Entscheidung darf nicht nur von Emotionen getragen werden, sondern auch von sachlichen Erwägungen.“ Seine persönlichen Befindlichkeiten seien ohnehin nur zweitrangig. „Wie ich damit zurechtkomme ist eigentlich völlig uninteressant, es geht darum, dass der VfB am Ende der Saison die Bundesliga hält. Das wird dieses Jahr eine große Herausforderung. Es gibt keinen Club, der schwach ist“, sagte der Sportchef des VfB.

Sehen Sie im Video: Spielrückblick der Partie gegen Wolfsburg.

Korkut hat einen sehr guten Eindruck gemacht

Warum hat sich der Stuttgarter Verein für den Trainer Tayfun Korkut entschieden? Reschke schilderte den Kontakt zum neuen Mann – nur eine Nacht nach der Trennung von Wolf. „Dass ich am Sonntagmorgen Tayfun telefonisch erreicht habe, das spricht für sich. Ich habe ihn in Izmir erreicht und ihm gesagt: Tun Sie mir den Gefallen, dass Sie Flüge erwischen und so schnell wie möglich nach Stuttgart kommen“, sagte Reschke im Rückblick. Ihn und die anderen Verantwortlichen des Vereins habe der neue Mann nach den ersten Treffen auch sofort überzeugt. „Wichtig ist, dass wir einen Trainer haben, der in den ersten Gesprächen schon einen sehr guten Eindruck gemacht hat auf Wolfgang Dietrich, unseren Präsidenten, und mich, und der auch die Vorstandskollegen Stefan Heim und Jochen Röttgermann überzeugt hat“, meinte Reschke – und dass sei es auch, was im Moment zähle.

Womit hat Korkut die VfB-Führungsriege genau überzeugt? „Das Interessante in den Gesprächen mit ihm war, wie sehr und genau er schon unsere Mannschaft analysiert hat und wie viel er wusste. Natürlich ist er Stuttgarter, hat einige Spiele gesehen und den VfB verfolgt“, sagte Reschke, dem die Ideen und Lösungsansätze des neuen Mannes gut gefallen haben. „Er hat das in einer so klar strukturierten, aber auch angenehm selbstbewussten und gelassenen Art rübergebracht, dass Wolfgang Dietrich und ich direkt das Gespür hatten: Das ist unsere Lösung.“ Und wie läuft es bisher? „Er geht das Thema sehr gut an.“

Warum soll ein Trainer immer alles alleine machen?

Gegen den Eindruck, er habe am Ende der Ära Wolf diesem zu sehr in die Arbeit hineingeredet, wehrte sich Reschke. „Das ausgetauscht wird, liegt in der Natur der Sache. Warum soll ein Trainer immer alles alleine machen?“, fragte der Sportvorstand, der sich auch zu den Perspektiven des Clubs äußerte – vor allem im Hinblick auf die ambitionierten Ziele des Präsidenten Wolfgang Dietrich. „Die Vision von Wolfgang Dietrich war, dass der VfB in den nächsten zwei, drei, vier Jahren mal wieder international anklopfen soll“, sagte Michael Reschke, und dass ein Präsident Visionen haben dürfe, das liege ja auch in der Natur der Sache.

Zum Abschluss der Sendung gab es für den Sportvorstand des VfB dann noch eine Pleite, die er im Vergleich zu den Niederlagen in der Bundesliga allerdings durchaus sportlich nahm und nehmen konnte: An der Dartscheibe musste sich der VfB-Mann dem zweimaligen Ski-Olympiasieger Markus Wasmeier klar geschlagen geben – die Partie endete 100:40 für den Wasi.

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