Huub Stevens bewahrte den VfB Stuttgart vor dem Abstieg. Wir zeichnen die Laufbahn des Niederländers in unserer Bildergalerie nach. Foto: Bongarts

Huub Stevens wird 65. Vor allem mit dem FC Schalke 04 feierte der Trainer Erfolge, der UEFA-Cup-Sieg 1997 ebnete ihm den Weg zur großen Karriere. Doch auch den VfB Stuttgart bewahrte er vor dem Abstieg.

Eindhoven - Knurrer, Disziplinfanatiker: Zweieinhalb Jahre nach seinem Rücktritt als Bundesliga-Trainer trägt Huub Stevens noch immer dieselben Etiketten. Doch der Niederländer, der am Donnerstag (29. November) seinen 65. Geburtstag feiert, sieht sich anders - als Pionier. „Vielleicht war ich der erste Laptop-Trainer“, sagt er im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) mit einem Schmunzeln und zeigt auf den mobilen Computer vor sich im Arbeitszimmer in seinem Haus in Eindhoven. „Damals auf Schalke hatte ich auch einen - und ich hatte nicht nur die Elfmeter drin.“

Das klobige Gerät, das Stevens 1997 mit sich herumschleppte, steht heute im Museum von Schalke 04 und gehört zur königsblauen Eurofighter-Legende. Darauf hatte er alle Elfmeterschützen gespeichert, die Informationen halfen Torhüter Jens Lehmann im UEFA-Cup-Finale in Mailand - beim größten Erfolg, den Stevens als Trainer feierte. Und der ihm die Karriere vor allem in Deutschland ebnete. „Wenn du als Neuling in der Bundesliga den UEFA-Pokal gewinnst, dann ist dein Weg gemacht“, sagt er.

Stevens: „Du darfst deine Seele nicht verkaufen“

Mit den Königsblauen gewann er noch zweimal den DFB-Pokal, war für vier Minuten deutscher Meister, wurde zum Jahrhunderttrainer gewählt, kehrte 2011 zurück und sitzt heute im Aufsichtsrat. Ohne den sensationellen Erfolg auf Schalke wäre der ehemalige Innenverteidiger von Fortuna Sittard und PSV Eindhoven wohl kaum über 20 Jahre immer wieder Trainer in Deutschland gewesen - bei Hertha BSC, beim 1. FC Köln, beim Hamburger SV, beim VfB Stuttgart, bei der TSG Hoffenheim. Am 10. Februar 2016 trat er wegen Herzrhythmusstörungen zurück, nun kann er „ganz entspannt Fußball angucken und das Leben genießen, die Familie, die Enkel“. In seine Fußstapfen ist eine andere Trainergeneration getreten - die Laptop-Trainer 2.0 gewissermaßen.

Julian Nagelsmann in Hoffenheim, Domenico Tedesco auf Schalke oder Hannes Wolf beim HSV. Deren Methoden findet er gut, „wenn du die Technik nutzt, um Spieler besser zu machen“. Doch darunter dürfe nicht die Individualität leiden. „Ein Spieler muss seine eigenen Ideen loswerden können, du kannst ihn nicht wie einen Roboter steuern.“ Auch wenn er als Rentner noch immer so viel Fußball wie möglich schaut, machen ihm einige Auswüchse Sorgen. Dubiose Investoren wie in Enschede, die Spieler als Anlageobjekte sehen: „Du darfst deine Seele nicht verkaufen.“ Ablösesummen, die in astronomische Höhen schießen: „Wir haben früher mal gesagt, ein Transfer für zehn Millionen ist nicht möglich.“

Stevens ist mehr als ein „Knurrer“

Eine Fußball-WM im Winter in Katar: „Nur wegen des Geldes. Da muss ein Strich gezogen werden.“ Als Stevens 1975 aus seiner Geburtsstadt Sittard nach Eindhoven wechselte, ging es noch um ganz andere Beträge. „Um 100 Gulden mehr im Monat“, erinnert er sich. Zuvor hatte er noch nebenbei gearbeitet. Bei PSV wurde Stevens Meister, Pokalsieger, UEFA-Cup-Gewinner und Nationalspieler. Die Trainerkarriere war vorgezeichnet, weil er schon als Spieler „ein klein bisschen der Assistenztrainer“ war.

Der Wechsel von Kerkrade nach Gelsenkirchen der „große Schritt“. Als Trainer sei er „immer ganz nah bei sich selbst“ geblieben, „dann machst du deine eigenen Fehler und kannst unheimlich viel daraus lernen“. Er prägte den Spruch „Die Null muss stehen“, blieb bis zum Schluss der „Knurrer aus Kerkrade“ - Etiketten, mit denen er leben kann. Auch wenn er sagt: „Wenn mich einer privat erwischt, weiß er, dass ich nicht nur ein Knurrer bin.“

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